Wow! Die Tesla-Aktie ist derzeit ein Paradebeispiel für eine ganze Menge von faszinierenden Eigenheiten, die so offensichtlich nur an der Börse zu sehen sind. An ihr lässt sich momentan zeigen, wie „irre“ der Markt sein kann, wie wichtig es ist, das zu traden, was man sieht und wahrscheinlich auch, wie dramatisch es für den einen oder anderen Anleger werden kann, wenn man sein Gehirn nicht einschaltet. Gut, letzteres ist in der Tesla-Aktie noch nicht der Fall. Sollte die Zeit jedoch kommen, könnte sich dies in Kursen von 500 USD und weniger niederschlagen. Da möchte ich nicht derjenige sein, der gestern bei 1.200 USD gekauft hat. Wer jetzt noch nicht weiß, worum es geht, sollte einen Blick auf diesen Chart werfen:

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Emotionales Trading pur!

Wer nach einem Muster sucht, in dem sich emotionales Trading zeigt, sollte nach dynamischen Trends Ausschau halten, die sich noch einmal kräftig beschleunigen. Genau das sehen wir wahrscheinlich gerade in der Tesla-Aktie. Bereits seit Mitte Mai befand sich die Aktie in einem Aufwärtstrend und legte in diesem fast 50 % zu. Ab Mitte Oktober aber kannte der Kurs kein Halten mehr und explodierte förmlich. Die Kerzen wurden immer größer und es gab eine ganze Reihe von Aufwärtsgaps. Das ist Kaufpanik pur. Anleger reagieren völlig irrational und sind bereit, quasi jeden Preis für eine Aktie zu zahlen. Man handelt nach dem Motto: Hauptsache man ist dabei. Entweder sind einem die Risiken in Form der hohen Preise gar nicht bewusst oder man ignoriert sie wissentlich. Letzteres ist grundlegend kein Problem, denn es lassen sich immer Gründe finden, warum man jetzt immer noch kaufen kann. Die einfachste Begründung im Fall Tesla liegt auf der Hand: das Unternehmen wächst kräftig und hat jüngst mehr Autos verkauft als VW. Aber selbst wenn dies nicht der Fall wäre, lassen sich immer spekulative Gründe finden. Kurzum, wer kaufen will bekommt an der Börse auch Gründe dafür geliefert.

Tatsächlich läuft bei diesem Entscheidungsprozess jedoch ein einfacher Mechanismus ab. Als Mensch sind wir darauf getrimmt, Ängste zu vermeiden. Vieles was wir tun, dreht sich um dieses Unterfangen. Verwundern kann diese evolutionäre Angewohnheit nicht, denn wenn man früher von Angst sprach, drehte es sich meistens um Situationen, in denen es um Leben und Tod ging. Kein Wunder, dass wir darauf getrimmt sind, diese zu vermeiden.

Ungünstig für den Trader bzw. Anleger ist dabei jedoch die Tatsache, dass solche Prozesse oftmals unterbewusst ablaufen. Der Grund dafür ist simpel: es geht schneller!

Wenn es um das Thema Ängste geht, schalten wir unser aktiv denkendes Gehirn mehr oder minder aus und überlassen unserem Unterbewusstsein das Handeln. Dieses ist in der Lage extrem schnell viele Informationen zu kategorisieren. Dabei unterliegt dieser Prozess einem Filter. Dieser Filter ist genau darauf ausgelegt, Ängste zu vermeiden und genau hier liegt das Problem. Wir nehmen die Faktoren, die gegen ein Engagement beispielsweise in der Tesla-Aktie zu Kursen von 1.208 USD sprechen, gar nicht mehr wahr. Sie liegen zwar auf der Hand, fließen aber nicht in unseren Entscheidungsprozess ein. Nicht, weil der Trader sie untergewichtet, sondern weil er sie schlichtweg nicht sieht, zumindest nicht in dem Moment, in dem man mit der Maus klickt und sich die Tesla-Aktie ins Depot holt. Man will einfach nur dabei sein, weil man beispielsweise Angst hat, etwas zu verpassen.

Falls Sie Tesla gekauft haben, können Sie sich gerne einmal die Mühe machen, ihre Aktion zu hinterfragen. Es wäre nicht verwunderlich, wenn Sie in Ihrer Recherche auf eine Art von Angstvermeidung treffen.

Der schlaue Trader!

Eine der Hauptaufgaben erfolgreicher Trader ist es, sich dieser Mechanismen bewusst zu sein und diese so gut es geht zu unterbinden. Einigen gelingt dies besser als anderen, nicht zuletzt auch deshalb, weil ihnen ein emotional kühleres Verhalten angeboren ist. Das ist auch einer der Gründe, warum Psychopathen besser traden als der Durchschnittsbürger, wie diverse Studien gezeigt haben.

Trotzdem muss man nicht zum Psychopathen werden, um an der Börse erfolgreich zu sein. Zunächst einmal sollte jeder Trader, wie bereits erwähnt, ein Bewusstsein für die angesprochene Problematik entwickeln. Es macht dabei Sinn, vor einzelnen Trades kurz innezuhalten und seine Aktion zu hinterfragen. Eine Frage wie: welche Angst trade ich gerade ist nicht nur schnell gestellt, sondern eventuell auch schnell beantwortet, vor allen Dingen mit etwas Übung. Dabei kann Ihnen mechanisch angelernte Verhalten helfen, indem sie beispielsweise vor jeder Aktion eine Checkliste ausfüllen. (PS: dies betrifft nicht nur den Einstieg. Sie könnten eine Checkliste für jeden Aktion erstellen, beispielsweise auch für das Verschieben eines Stopps)

Ist man sich der Problematik bewusst, kann man gegensteuern. Dies bedeutet zwangsweise nicht, dass man sich nicht in der Tesla-Aktie engagieren darf. Ganz im Gegenteil. Ein erfolgreicher Trader nutzt die Angst der anderen, um richtig Geld zu verdienen. Wenn man eine beginnende emotionale Phase frühzeitig erkennt, ergibt sich für den erfolgreichen Trader eine der besten Chancen des Jahres. Mit engem Stopp kann man in kurzer Zeit viel Geld verdienen, weil die Volatilität in Trendrichtung explodiert.

Der Unterschied zwischen einem schlauen Trader und dem emotional getriebenen Trader liegt jedoch darin, dass der schlaue Trader weiß, wann er die Beine in die Hand nehmen sollte. Natürlich weiß auch der schlauste Trader nicht, wann genau und zu welchem Kurs das Kartenhaus zusammenfallen wird. Unter Umständen ist auch er viel zu früh ausgestiegen. Im Gegensatz zum emotional getriebenen Trader hat er jedoch einen enormen Gewinn erzielt, während es für letzteren ein böses Erwachen gibt, wenn die Position 30, 40 oder noch mehr Prozent im Minus steht.

Fassen wir diesen Punkt zusammen, zeichnet den erfolgreichen Trader Awareness gepaart mit dem Motto: trade was du siehst und nicht was du denkst (wovor du Angst hast) aus! Ein solcher Trader freut sich über die enormen Gewinne, die er gerade in der Tesla-Aktie erzielen kann, wird sich aber nicht in diese verlieben und von einer niemals enden wollenden Party träumen.

Rette sich wer kann, bevor…

Interessanterweise wiederholt sich das Spiel später gerne auf der anderen Seite. Diejenigen Trader, die am oder nahe des absoluten Hochs (wo immer das auch sein wird) eingestiegen sind und anschließend täglich miterleben müssen, wie der Kurs förmlich implodiert, sind es meist auch, die am bzw. in der Nähe der absoluten Tiefs aussteigen. Auch hier reagiert man gerne emotional. Natürlich ist auch diesen Tradern aufgefallen, wie es gerade um ihre Aktie steht. Lange Zeit aber hat man die Hoffnung, dass alles nicht so schlimm ist und vor allen Dingen nicht noch schlimmer werden kann. Man hält die Aktie im Crash, weil man bspw. Angst hat, Ungünstigerweise genau am Tief auszusteigen und seine Verluste zu realisieren. Irgendwann aber schlägt das Pendel um. Aus der Angst, am absoluten Tief auszusteigen wird die Angst, auch noch den letzten Euro des Investments zu verlieren. Völlig genervt und emotional am Boden zieht der Trader die Reißleine und verkauft letztlich nahe des wirklichen Tiefs. Wieder handelte man seine Angst und erkannte nicht, dass die Aktie gerade jetzt günstig ist. Man ist einfach emotional am Ende und möchte nicht auch noch den letzten Rest verlieren.

Fazit: ich kann mir sehr gut vorstellen, dass im Anschluss an diesen Artikel eine hitzige Diskussion stattfinden wird. Überraschen würde es mich jedenfalls nicht, wenn der eine oder andere Trader bzw. Anleger mir jetzt richtig Kontra gibt – gerade in Bezug auf Tesla. Ganz im Gegenteil, es würde die Kernaussage dieses Artikels tendenziell bestätigen: Börse ist ein emotionales Geschäft und die Tesla-Aktie ist in meinen Augen eines der besten Beispiele dafür.

Wie bereits einleitend geschrieben, lässt sich problemlos gegen diese Tesla-Meinung argumentieren. Und natürlich wäre es auch denkbar, dass Tesla wirklich eine Ausnahme darstellt. Aber würde ich darauf wetten? Würde ich vielleicht sogar mein gesamtes Vermögen in die Tesla-Aktie investieren? Strategisch macht das wenig Sinn. Ausnahmen bestätigen zwar die Regel, aber von Ausnahmen allein wird man nicht leben können. Dafür sind die Regel-Entwicklungen einfach viel zu dramatisch.

Letztlich aber steht nicht die Tesla-Aktie im Mittelpunkt dieses Artikels. Sie ist lediglich der Aufhänger. Trading ist ein emotionales Geschäft und in diesem dreht sich vieles um Ängste. Ich hoffe, ich konnte Sie mit diesem Artikel etwas für das Thema sensibilisieren. Wenn Sie mit Ihrem Trading unzufrieden sind und sich immer wieder dabei erwischen, wie Sie die gleichen, im Nachhinein für Sie unerklärbaren Fehler machen, dann nehmen Sie sich einmal die Zeit ihre Aktionen zu hinterfragen. Sich die Frage: welche Angst möchte ich gerade vermeiden, zu stellen, ist potenziell Gold wert. Mit dem Hinweis auf Checklisten habe ich zudem eine einfache Methodik vorgestellt, mit denen man diesem Problem praktisch begegnen kann. Und nicht zuletzt: wer seine Ängste kennt, kann diese auch „bekämpfen“!

Viel Erfolg

Ihr Tradingcoach Rene Berteit