Wie bist du zum Traden gekommen?

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Ich bin ein ganz klassisches Kind des Neuen Marktes. Zeitgleich mit einer Ausbildung zum Bankkaufmann gab es im Jahr 1997 die ersten Berührungspunkte zur Börse für mich. Das einmal geweckte Interesse führte letztlich zur Traderkarriere. Zunächst als Hobby und Freizeitbeschäftigung. Als ich das nötige Startkapital zusammen hatte, dann zur vollständigen Selbstständigkeit. Wichtig war mir, das Startkapital komplett selbst an der Börse verdient zu haben. Das gibt dann auch die nötige Sicherheit in die eigenen Fähigkeiten.

Wie hast du Traden gelernt? Wie hast du dich über Börsenhandel informiert?

Meine Erfahrungen habe ich zu 99 Prozent im Internet gesammelt. Sei es in Internetforen oder durch das Lesen von News. Bücher und theoretisches Material waren hingegen nie meine Welt, wobei ich natürlich einiges gelesen habe im Laufe der Zeit. Um wirklich zu lernen, musste ich es aber im eigenen Geldbeutel spüren. Nur daraus habe ich meine Lehren gezogen und den Willen, es besser zu machen. Es gibt gerade an der Börse einen massiven Unterschied zwischen Theorie und Wirklichkeit.

Was hat deine Leidenschaft für Börse und Trading geweckt? Was macht für dich den Reiz des Tradens aus?

Zunächst einmal der Wettbewerb. Es gilt für mich: Das Geld, das ich gewinne, muss ein anderer verloren haben. Und umgekehrt. Ich sehe das Ganze als sportliche Herausforderung und will besser sein als andere. Daraus ziehe ich meine Motivation. Als zweites natürlich der finanzielle Aspekt. Finanzielle Unabhängigkeit ist mir sehr wichtig. Im Laufe der Jahre wird man allerdings immer ruhiger und vieles, was früher wirklich reizvoll war, ist heute eher trockene Routine geworden. Dennoch, der Drang zu gewinnen, richtigzuliegen, ist immer noch sehr stark ausgeprägt.

Hattest oder hast du Vorbilder?

Da muss ich passen. So richtige Vorbilder habe ich nie gehabt. Wozu auch? Jeder entwickelt im Laufe der Zeit seinen eigenen Stil, ich will ja nicht kopieren, sondern eine Methode haben, mit der ich mich persönlich wohl fühle. Man schaut sich gewisse Dinge immer mal ganz gerne ab und ich empfinde auch tiefen Respekt vor der Leistung anderer, aber am Ende des Tages zählt nur das, was man selbst zustande bringt.

Kannst du dich noch an deinen ersten Trade erinnern?

Ja, das war Cybernet Internet Services. Ich habe die Aktie 1997 aus einem Bauchgefühl heraus gekauft. Ich war seit zwei Jahren ans Internet angeschlossen und empfand das Ganze als unglaublich großes Zukunftsthema. Das war die Zeit, als Amazon, eBay & Co. gerade richtig entstanden. Und ich dachte, einen Internetzugang braucht bald jeder, warum nicht da investieren? Viel gebracht hat es am Ende des Tages natürlich nicht. Aber ich dachte wenn ich etwas kaufe, dann zumindest etwas mit viel Zukunftsfantasie. Um so etwas wie KGV und Chart habe ich mich jedenfalls nicht gekümmert.

Was hat sich bei dir im Trading über die Jahre geändert?

Die Ruhe und die Gelassenheit sind die wichtigsten Merkmale, die hinzugekommen sind. Früher wollte ich immer schnell ein paar Euros machen, für solche Trades bin ich mir heute irgendwie zu schade. Ich versuche, gute Setups zu identifizieren, gute Unternehmen zu finden und den Kursen etwas mehr Zeit zu geben als damals. Von der Psyche her bin ich viel entspannter. Früher wurde ich von der Börse gehetzt, heute denke ich mir eher, was soll es, die nächsten Chancen kommen schon. Wichtig hierfür ist natürlich eine ausreichende Kapitalbasis und der Verzicht auf spekulative Finanzprodukte wie CFDs oder Optionsscheine. Man beurteilt das tägliche Hin und Her einfach viel gelassener. Viel wichtiger wird der dauerhafte Erfolg, da kann auch mal ein Monat im Minus enden.

Welche Tipps kannst du aus deinen Erfahrungen für Einsteiger und erfahrene Anleger weitergeben? Welche Erkenntnis willst du mit allen teilen?

Findet euren eigenen Stil und versucht nicht, andere zu kopieren oder nachzuahmen. Findet einen Markt, in dem ihr euch wohl fühlt. Ob Rohstoffe, Devisen oder Aktien, jeder hat sein Steckenpferd. Meines sind eben deutsche Aktien. Ich schätze die Nähe zu den Unternehmen, die regelmäßige Berichterstattung und die Handelszeiten. Entwickelt ein Moneymanagement das zu euch passt. Manch einer ist bereit, 20 Prozent seines Kapitals zu verlieren, ein anderer wird bei 5 Prozent schon nervös. Lasst euch nicht von Verlusten verrückt machen, diese sind einfach ein Teil des Spiels, viel wichtiger ist, diese immer zu begrenzen. Es geht nicht immer darum, das Spiel zu gewinnen. Beispielsweise in einem Börsencrash lautet das erste Motto, einfach nur im Spiel zu bleiben! Der finanzielle Erfolg stellt sich dann in der Folge von selbst wieder ein.

Was war dein »Schwarzer Freitag« (schlimmstes Erlebnis als Trader) und was könnten andere Trader aus diesem Misserfolg lernen?

Zu Beginn meiner Selbstständigkeit, es war der 1. Januar 2008, ging ich voller Elan ans Werk. Der DAX startete extrem schwach ins Jahr, die Finanzkrise war gerade dabei auszubrechen und ich saß noch auf einem gut gefüllten Depot. In den ersten beiden Wochen musste ich rund 10 Prozent meines damaligen »Startkapitals« abgeben. Das war in der ersten Crashwelle. Psychologisch gesehen war ich da richtig fertig und habe mich gefragt ob meine Erfahrung wirklich ausreichend ist, um im Markt zu bestehen. In der ersten Erholungsbewegung des Marktes hatte ich das Geld wieder verdient und lag weitere zwei Wochen später 10 Prozent vorne. Im Nachhinein bin ich dankbar, diese schmerzhafte Erfahrung so früh gemacht zu haben. Mein Moneymanagement hat sich jedenfalls noch einmal massiv verbessert.

Was war dein größter Erfolg? Was hast du erfolgreich umgesetzt?

So etwas gibt es für mich nicht. Trading basiert auf laufenden Erfolgen, nicht aus einem »großen Ding«. Ich kann zumindest sagen, ich bin seit 2003 jedes Jahr deutlich profitabel unterwegs. Das ist wohl für mich mein größter Erfolg und auch die Basis, weshalb die Selbstständigkeit überhaupt funktionieren kann.

Was hat sich seit deinen Anfangstagen als Börsianer/Trader an den Weltmärkten geändert? Was war früher wichtig und ist es ggf. heute nicht mehr? Was ist heute wichtig?

Natürlich der Informationsfluss und die Schnelligkeit, mit der heute alles abläuft. Am Anfang habe ich mir keine Gedanken gemacht, ob die Order jetzt oder erst in einer Stunde an der Börse ist. Heute entscheiden auch schon mal Sekunden oder Minuten über das Wohl und Wehe eines Trades, wenn beispielsweise entscheidende Neuigkeiten kommen. Ehrlich gesagt, ich bin geneigt zu sagen, früher war alles besser, was natürlich nicht stimmt. Aber ich bin niemand, der etwas mit Millisekundenhandel und Intraday- Handel anfangen kann. Ich suche lieber gute Ideen und versuche, diese mit etwas Zeit zu spielen. Meine Tradingplattform möchte ich natürlich nicht mehr mit der von 1999 tauschen wollen.

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