Anleger werden heutzutage überflutet mit Anlagemöglichkeiten. Da winken Zertifikate mit Risikopuffer und Gewinn-Lockin-Funktion, ETFs mit Abdeckung des amerikanischen Kohlebergbaus, CFDs auf den Orangensaftkonzentrat-Future, Fonds auf den chinesischen Immobilienmarkt, American Eagle-Goldmünzen, Festgeld, Bundesschatzbriefe und zahllose mehr.

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Dennoch gibt eseine wachsende Zahl von Anlegern, die viele dieser Anlagemöglichkeiten in ihren täglichen Börsengeschäften abschwören und sich dem Handel von Devisen zuwenden. Berechnungen der Bank für Internationalen Zahlungsverkehr (BIZ) hat sich das Handelsvolumen am Devisenmarkt von 1988 bis heute von 500 Mrd. USD auf 3980 Mrd. USD erhöht.Der Anteil der Privatanleger wird von der BIZ auf 2% geschätzt, wodurch das täglicheHandelsvolumen seit 1988 von zehn auf 79,6 Mrd. USD gewachsen ist.

Forex-Trading ist einzigartig

  • wegen der hohen Handelsvolumina
  • der extremen Liquidität des Marktes
  • seiner geographischen Ausdehnung
  • der Handelszeiten (Handelsbeginn Sonntag 22 Uhr,Handelsende Freitag 23 Uhr)
  • der Vielzahl von Faktoren, die Wechselkurse beeinflussen
  • den geringen Schwankungen von Wechselkursen, die unter Einsatz von Fremdkapital bis zu einem Hebel von 200 verstärkt werden können
  • den geringen Kosten, da lediglich Finanzierungskosten der Margen und die Spreads gezahlt werden müssen, während Zinsdifferenzen zwischen zwei Währungen ausgenutzt werden können, um zusätzliche Erträge zu generieren (Carry Trade)
  • dem Echtzeitcharakter der Kursanbindung
  • der überdurchschnittlich hohen Fokussierung derMarktteilnehmer auf technische Analyse und Handelssysteme.

Berechnungen der BIZ haben ergeben, dass täglich 3980Mrd. USD am Devisenmarkt umgesetzt werden. ImVergleich zu weniger als 10 Mrd. USD, die täglich am US Aktienmarkt umgesetzt und rund 300 Mrd. USD, die täglich am US-Anleihenmarkt umgesetzt werden, ist das durchaus eine Hausnummer. Alleine Privatanleger setzen mit dem Forex-Trading das Achtfache dessen um, was institutionelle und private Anleger an der Wall Street an Umsatz generieren. Der Devisenhandel existiert seit der Abschaffung des Bretton-Woods-Abkommens im Jahr 1970. Die ersten frei handelbaren Wechselkurse gibt es seit dem Jahr 1973. Privatanleger haben Zugriff auf den Forexhandel seit dem Jahr 1996. Forex Trading ist damit ein schnellwachsendes Marktsegment.

Liquidität heißt das Zauberwort

Die enorme Liquidität erlaubt es Tradern, auch sehr hohe Summen zu bewegen und jederzeit beweglich zu bleiben. In der Regel werden auch sehr große Summen in Bruchteilen von Sekunden ausgeführt und einzelne Marktteilnehmer können kaum “die Kurse machen“, wie das zum Beispiel am Aktienmarkt durchaus der Fall ist. Durch die enorme Liquidität wird auch der Aussagekraft der technischen Analyse bei der Analyse von Wechselkursen eine sehr hohe Bedeutung beigemessen. Charttechnische Marken werden oft auf das PIP genau beachtet. PIP steht für „percentage of a point“ und bezeichnet bei allen Währungen außer dem japanischen Yen die vierte Stelle hinter dem Komma, beim Yen ist es die zweite Nachkommastelle. Wichtige charttechnische Unterstützungen und Widerstände werden meist genau auf das PIP genau angelaufen, bevor eine Bewegung in die andere Richtungstartet. Somit lässt sich der Forexmarkt nach charttechnischen Kriterien sehr präzise handeln. Die Gefahr dabei liegt daran, dass Forexbroker in der Regel sehr genau wissen, wo Stopps von Kunden liegen, und dass die Kurse um das eine oder andere PIP nach oben oder unten gezogen werden, um diese Stopps „abzufischen“ und dem Broker selbst damit zu ermöglichen, sich besonders günstig in den Markt einzukaufen. Der Godmode-Forex-Broker-Tipp lautet daher: Vergleichen Sie die Hochs und Tiefs von verschiedenen Forex-Brokern an wichtigen Chartmarken. Weichen dieKurse an diesen Marken bei einigen wenigen Brokern zustark von dem Durchschnitt der anderen ab, sollten beiIhnen die Alarmglocken läuten.

Kassa und Swaps

Der Handel von Devisen für Privatanleger findet in der Regel am Kassamarkt statt. Der Devisenkassamarkt macht aber nicht den größten Teil des Devisenmarktes aus, auch wenn einige Forexbroker das immer wieder behaupten. Der Kassamarkt hat einen Anteil am gesamten Handelsvolumen pro Tag von rund 31% und ist damit kleiner als der Swap-Markt mit einem Anteil von 54% (Quelle:BIZ).

Da der Swap-Markt den weltweiten Handel von Gütern und Kapital abdeckt, ist es nicht verwunderlich, dass dieses Marktsegment größer ist, als der Kassamarkt. Der Handel nur einer Währung ist am Kassamarkt nicht möglich. Es steht immer eine Währung im Verhältnis zu einer anderen, wie zum Beispiel der Euro zum US-Dollar oder der Schweizer Franken zum japanischen Yen.

Wer nur eine Währung handeln möchte, muss an die Chicago Merchantile Exchange (CME) gehen. Das ist eine Terminbörse, die einen Futureskontrakt auf den US Dollar Index (und andere Währungskörbe) anbietet. Der US Dollar Index trägt den Wert des US-Dollars gegenüber einem Korb anderer Währungen - Euro (57.6%), Yen (13.6%), BritischesPfund (11.9%), Kanadischer Dollar (9.1%), Schwedische Krone (4.2%) und dem Schweizer Franken (3.6%) - ab.

Hierzu ist jedoch ein separates Konto bei einem Futuresbroker von Nöten. Der normale Forexhandel ist wie erwähnt der Handel am Kassamarkt.

Geograpische Ausdehnung

Dieser Kassamarkt ist dezentral, es gibt also im Gegensatz zu den Termin- oder Aktienbörsen keinen zentralenHandelsplatz. Es gibt also keine Frankfurter Börse oder die Wall Street für Devisen. Die Kurse für Währungen werden im gegenseitigen Handel großer Banken ermittelt. Das bringt einige Schikanen für Forex-Trader mit sich. Zum einen gibt es für den Forexmarkt wegen den verschiedenen Zeitzonen weltweit keine feste Börseneröffnung und auch kein festes Ende eines Handelstages.

Nach mitteleuropäischer Zeit beginnt der Handel zwar am Sonntag um 22Uhr und reicht in der Regel bis Freitag 23 Uhr. Der Forexhandel ist also ein Rund-um-die-Uhr-Handel. Soweit kein Problem. Jeder, der jedoch Devisenpaare nach technischen Kriterien handelt, und das ist im kurz- bis mittelfristigen Handel die überwiegende Mehrheit, wird Probleme mit den Zeitzonen bekommen. Ein Tag in New York endet eben fünf Stunden später als in London und entsprechend sehen die Daily-Charts (aber auch 2-Stunden oder 4-Stunden-Charts) auf Candlestick- oder OHLC-Basis eines Brokers mit Sitz in New York oft etwas anders aus, als die Charts eines Londoner Forexbrokers. Das mag nun zunächst wie eine Lapalie klingen. Jeder, der nach Indikatoren handelt oder zum Beispiel Pivotpunkte beachtet,wird feststellen, dass sich je nach dem, zu welcher Uhrzeit sein Broker das Tagesende festlegt, auch die Signallage unterscheidet. Je nach Forex-Broker werden dann Pivotpunkte anders berechnet oder Indikatoren geben abweichende Signale. Da sich aber London in den vergangenen Jahren als volumenstärkstes Handelszentrum fürDevisen herausstellte, haben viele, aber nicht alle Forexbroker auch Londoner Eröffnungs- und Schlusszeiten für den Handel von Devisen eingestellt. 40% des Handelsvolumens von Devisen wird über Banken zuLondoner Börsenzeiten abgewickelt, das sind rund 1,5 Billionen US-Dollar täglich. Das ist das Doppelte dessen,was in New York umgesetzt wird, während zu New Yorker Handelszeiten ungefähr das gleiche umsetzt wie inSingapur und Sydney zusammen.

Rollover bei Devisen

Wenn Sie ein Währungspaar über Nacht halten, wird es der Broker um 0:00 Uhr schließen und gleichzeitig neu eröffnen. Zu diesem Zeitpunkt erhalten Sie eine Rollover-Gebühr oder müssen diese zahlen, je nach Zinsunterschied zwischen den beiden Währungen, die sie halten. Sind Sie „long AUD/USD“, so erhalten Sie eine Zinsgutschrift von 3% p.a. (Zins Australien: 3,25% minus Zins USA: 0,25%). Sind Sie „short AUD/USD“, so zahlen sie 3% Rollover Gebühr pro Jahr.

Einige Broker umgehen diese Problematik und berechnen einen festen Zins, der der Höhe des Fremdkapitals und einemfesten Satz entspricht. Einige andere Broker ermöglichen es Ihnen, je nach Zinssatz der gehaltenen Währungen Zinserträge zu verdienen oder die Kosten für Zinsdifferenzen zu bezahlen. In anderen Worten: Sie können selbst Carry Trades bei diesen Brokern durchführen. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Forex-Broker, ob er Ihnen ermöglicht, Carry Trades durchzuführen und zu welchen Bedingungen das möglich ist.

Handelszeiten: Es gibt immer den richtigen Moment

Obwohl die Forexmärkte bis auf das Wochenende immer geöffnet sind, gibt es trotzdem feste Handelszeiten, zu denen die größten Schwankungen in bestimmten Währungen auftreten. Im New Yorker Handel macht das Währungspaar Euro zum US-Dollar ein Drittel des Gesamtvolumens aus, gefolgt vom US-Dollar zum japanischenYen (USD/JPY) mit 20%. Zusammen mit dem Trio Euro zum japanischen Yen (EUR/JPY), britisches Pfund zum US-Dollar (GBP/USD, Spitzname: Cable) sowie US-Dollar zum kanadischen Dollar (USD/CAD, Loonie) tragen diese Währungspaare zu 75% zum New Yorker Handelsvolumen bei.

Während der Londoner Handelszeiten trägt EUR/USD zu 40% zum Gesamtvolumen bei, gefolgt von USD/JPY und GBP/USD mit jeweils um 15%. Gemeinsam mit EUR/JPY, EUR/GBP und USD/CHF werden 75% des Handelsvolumens umgesetzt. Während den Handelszeiten in Sydney sind 25% des Volumens auf das Währungspaar australischer Dollar zum US-Dollar (AUD/USD) zurückzuführen, während EUR/USD und USD/JPY gemeinsam mehr als 50% desGesamtvolumens ausmachen, was auch für Singapur gilt.

Es ist wichtig für Forextrader sich vor Augen zu führen, zu welchen Tageszeiten welche Währungspaare am aktivsten gehandelt werden. Denn trotz der Tatsache, dass der Devisenmarkt 24 Stunden geöffnet ist (außer an Wochenenden), gibt es Tageszeiten, zu denen sich Währungen nur sehr gering bewegen. Die größten Kursbewegungen finden meist dann statt, wenn das Währungspaar auch rege gehandelt wird. Somit macht es mehr Sinn, AUD/USD nachts zu handeln, wenn in Australien die Börse geöffnet sind, während sich der Handel des Cable (GBP/USD) allem während den Londoner Handelszeiten anbietet.

Überlappungen bei den Handelszeiten

Die Handelszeiten für asiatische Währungen sind (alle Zeiten MESZ) 1 Uhr bis 10 Uhr, die europäischen Handelszeiten sind von 8 Uhr bis 18 Uhr (London eröffnet um 10Uhr!), die Handelszeiten der USA sind von 14 Uhr bis 23 Uhr. Wichtig sind auch so genannte Überlappungszeiten. So wird zwischen 8 und 10 Uhr sowohl in Asien noch gehandelt,während der europäische Handel bereits begonnen hat. Zwischen 14 und 18 Uhr kommt es bei europäischen und nordamerikanischen Währungspaaren zu erhöhter Volatilität, da zu dieser Zeit auf beiden Seiten des Atlantiks rege mit Währungen gehandelt wird.

Dabei gilt es auch zu beachten, dass zum Beispiel der australische Dollar seine größten Kurssprünge macht, wenn in Australien Zinsentscheidungen getroffen werden, oder wichtige Wirtschaftsdaten gemeldet werden. Aufgrund der Zeitverschiebung ist es bei uns mitten in der Nacht, wenn in Australien rege gehandelt wird. Das gleiche gilt für alle anderen asiatischen Währungen. Forex-Trader müssen Termine immer im Blick haben, dass sie nicht böse Überraschungen erleben, wenn sie morgens den PC anschalten und die Kurse abrufen.

Gehebelter Handel: Darauf kommt es an

Oft wird beim Devisenhandel nur auf kleinste Veränderungen zweier Währungspaare zueinander gesetzt. Ein Anstieg von EUR/USD von 1,4711 auf 1,4722 ist prozentual gesehen kein großer Sprung, besonders wenn man zum Beispiel eine Aktie im Vergleich heranzieht. Spannend wird die Angelegenheit jedoch, wenn Fremdkapital eingesetzt wird. Der dadurch erzeugte Hebel ermöglicht es, diese Kursveränderung auch mit kleinem Kapitaleinsatz bedeutend werden zu lassen.

Kauft man zum Beispiel für 100.000 Euro das Währungspaar EUR/USD, so beträgt der Wert eines PIP zehn Euro, während der Einsatz von 1.000.000 den Wert eines PIPs auf 100 Euro ansteigen lässt. Entsprechend wäre bei einer Longposition und einem Anstieg des Euro um 10 Pip bei einer 100.000-Euro-Position ein Gewinn von 100 Euro entstanden, oder ein entsprechender Verlust bei einer Short-Position. Bei einer 1.000.000-Euro-Position wären 1.000 Euro Gewinn oder Verlust herausgesprungen. Um einen Devisenkredit aufzunehmen, müssen Anleger bei einem Forexbroker nichts anderes tun, als das Volumen des Kaufs einzustellen. Ein Kauf des Euro zum US-Dollar für 100.000 Euro ist kein größeres Problem, auch wenn der Kunde nur einen Bruchteil dessen auf dem Konto hat. Der Rest wird als Devisenkredit automatisch mit dem Kauf bereitgestellt. Wie viel Bargeld der Kunde auf das Konto einzahlen muss, ist von Broker zu Broker unterschiedlich. Die Mindestsumme zur Kontoeröffnung liegt bei manchen Brokern bei 1.000 Euro, bei anderen darüber, bei wenigen auch darunter. Sinnvoll ist der Forexhandel in der Regel jedoch erst ab einer Kontogröße von 20.000 Euro.

Die Marginanforderung beträgt je nach Währung und Makler nur ein bis zwei Prozent der gehandelten Summe – das entspricht einem Hebel von 100 beziehungsweise 50. Die Mindestsumme (meist als Prozentsatz der zu handelnden Summe notiert), die bei Handelsstart zur Verfügung stehen muss, heißt Initial Margin. Das Charmante: Mit geringerem finanziellem Aufwand kann insgesamt eine große Summe am Markt bewegt werden. Die Hebelwirkung oder Leverage (englisch für Hebel) kommt an dieser Stelle ins Spiel und wirkt wie ein Turbo. Liegt der Akteur richtig, steigt sein Gewinn. Liegt er falsch, vergrößert sich auch sein Verlust.

Spreads und Ausführung

Dabei gilt es auch auf die Spreads zu achten. Sie sind die Spanne zwischen Ankauf und Verkauf eines Währungspaars. Zu jeder Zeit ist wie auch am Aktienmarkt der Ankaufspreis höher als der Verkaufspreis. Der normale Spread für EUR/USD beträgt 2 Pips. Einige Broker bieten variable Spreads an, die bei ruhigen Handelszeiten geringer, in volatilen Marktphasen (bei Wirtschaftsdaten bspw.) höher ausfallen. Wiederum andere Broker bieten feste Spreads an. Wichtig ist bei Brokern mit fixen Spreads jedoch darauf zu achten, dass die Ausführungen auch involatilen Phasen reibungslos ablaufen. Bei einigen Brokern kann es zu verzögerten Ausführungen in volatilen Marktphasen kommen. Dies gilt auch für Broker mit variablen Spreads. Ein wichtiges Kriterium ist außerdem, ob der Broker selbst als Market Maker am Markt aktiv ist, oder, ober die Orders erst noch an andere Market Maker weiter reichen muss. Letzteres ist in der Regel inakzeptabel, da es durch die Weiterleitung zu langsamerer Ausführung der Order kommt, und das oft auch noch zu schlechteren Kursen.

Die Handelsplattform

Bei der Auswahl des Forex-Brokers spielt neben der Zuverlässigkeit der Orderausführung auch die Zuverlässigkeit und Benutzerfreundlichkeit der Handelsplattform eine Rolle. Einige Broker bieten ihre Handelsplattform als Browser-Anwendung an, andere wiederum haben eine eigene Software, die installiert werden muss. Zur Stabilität oder Benutzerfreundlichkeit sagt dies jedoch erst einmal nichts. Wichtig ist, dass Sie mit der Handelsplattform klar kommen und ihre Orders schnell und einfach aufgeben können. Viele Broker bieten hierzu ein Demokonto an. Dieses Angebot sollten Anleger in Anspruch nehmen, um die Handelsplattform auf Herz und Nieren zu testen.