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Auf Guidants habe ich heute meinen Followern zwei einfache Fragen zu Wahrscheinlichkeiten gestellt (F1  und F2 ). Die Leser haben diese nur allzu gerne aufgegriffen und gemäß ihren Einschätzungen geantwortet. Ich hoffe sie nehmen es mir nicht übel, aber nahezu alle sind letztlich auf zwei Fangfragen hereingefallen, denn so wie diese gestellt wurden, waren sie von einem objektiven Stand aus, gar nicht zu beantworten. Vielmehr sollten diese dazu anregen, sich mit den täglich immer wieder gestellten Fragen „Wohin bewegt sich der Markt? Was ist wahrscheinlich?“ intensiver auseinanderzusetzen und zu erkennen, wie subjektiv wir denken.

Vorsicht Falle!

Diese Problematik wird an der einfachen Frage, ob der Dax aller Wahrscheinlichkeit nach steigen wird oder nicht, mehr als deutlich. Zum Zeitpunkt dieser Zeilen schlug das Pendel bei den Antworten ganz klar in Richtung steigende Kurse aus. Nicht ein Teilnehmer wählte die Option „keine Antwort korrekt“, obwohl es mit Blick auf die so formulierte Frage die einzig richtige Antwort gewesen wäre. Denkt man nämlich genau über diese Frage nach, muss man sich eingestehen, dass die Frage viel zu allgemein formuliert war. Wie groß die Wahrscheinlichkeit weiter steigende Kurse ist, hängt eindeutig davon ab, welchen Bezugsrahmen ich wähle. Jedem dürfte klar sein, dass der Dax beispielsweise eine höhere Wahrscheinlichkeit hat, in den nächsten 10 Minuten einen Punkt zu steigen, als in der gleichen Zeit 100 Punkte. Entscheidend für die Wahrscheinlichkeit ist die Höhe der erwarteten Bewegung.

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Genauso ist die Zeit eine Variable, die Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit hat. Die Wahrscheinlichkeit für eine 5.000-Punkte-Bewegung im Dax hängt davon ab, wie viel Zeit ich dem Index gebe. In einer Minute dürfte die Wahrscheinlichkeit für eine solche Bewegung nahezu bei Null liegen, in einem oder zehn Jahren sieht das jedoch gänzlich anders aus.

Aber selbst die Begrifflichkeiten „steigen“ und „fallen“ sind viel zu subjektiv und stehen in Wechselwirkung miteinander. Dies geht so weit, dass sich die Wahrscheinlichkeiten ohne Probleme auf über 100 % summieren lassen. Es kann nämlich durchaus eine 70-prozentige Wahrscheinlichkeit dafür bestehen, dass der Dax fällt, während gleichzeitig eine 60-prozentige Chance existiert, dass der Dax steigt. Verantwortlich hierfür ist erneut der Bezugsrahmen, der angesetzt wird. Wenn wir bei der Abwärtsbewegung lediglich zehn Punkte erwarten, während wir auf der Longseite 100 Punkte vor Augen haben und dem Index dafür auch genügend Zeit geben, dürfte es keinem schwer fallen, sich vorzustellen, dass der DAX beides nacheinander abarbeitet. Er fällt zunächst 10 Punkte und steigt dann um 110 Punkte an. Im Grunde können zwei Trader auf jeweils das eine oder andere Szenario und damit unterschiedliche Meinungen setzen und am Ende haben trotzdem beide Recht und einen Gewinntrade.

Wie helfen diese Erkenntnisse beim Traden?

Ich hoffe ihnen ist klar geworden, wie verzwickt die Sache mit der Wahrscheinlichkeit ist. Ich bin mir relativ sicher, dass diese Erkenntnisse für viele nicht neu sind, jedoch wollte ich mit diesem Beitrag zeigen, wie gerne man dieses Wissen bei Entscheidungen und Interpretationen im dunklen Kämmerlein einsperrt. Dies kann sehr schnell zu Problemen führen, vor allen Dingen dann, wenn sie sich zum Beispiel mit anderen Tradern austauschen und Meinungen einholen. Achten Sie dabei immer auf ihren eigenen Bezugsrahmen und den ihres Gegenübers. Ein Problem, welches ich als Analyst bspw. täglich habe. Es ist keine Ausrede, wenn ich auf die Frage: wie weit kann der Markt noch steigen, in Wenn-Dann-Szenarien denke und diese auch noch vom gesetzten Bezugsrahmen (kurzfristig, mittelfristig, Stoppgröße....) abhängig mache. Es ist eine Notwendigkeit, auch für Sie als Trader.

Gleichzeitig geben Ihnen diese Zeilen einen Hinweis darauf, wie sie agieren können, um beispielsweise ihre Trefferquoten im Trading zu erhöhen. Sie können dem Markt bspw. mehr Zeit geben. Parallel dazu steigt die Chance auf einen Gewinntrade, wenn sie die Ziele enger legen oder aber die Stopps erweitern (ceteris paribus). Bitte denken Sie jedoch daran, dass ihr Erfolg im Trading nicht nur von der Trefferquote abhängt. Den Stopp zu erweitern, wird zwar mehr Trades in den Gewinn bringen, sofern der Stopp aber ausgelöst wird, verliert der Trader auch mehr. Für den Trading Erfolg stellt sich die Frage, ob der Gewinnsvorteil den höheren Verlust ausgleicht oder nicht. Eine pauschale und eindeutige Antwort auf diese Frage gibt es, wie soll es anders sein, nicht.

Viel Erfolg

Ihr Rene Berteit