Das Zeitalter der fossilen Brennstoffe geht unweigerlich zu Ende. Daran ist nicht nur der Klimawandel Schuld, sondern dafür gibt es auch handfeste ökonomische Gründe. Steuert die Welt nicht um, dann droht in den kommenden Jahrzehnten nicht nur eine ökologische Katastrophe, sondern ab dem Jahr 2028 auch ein Zusammenbruch der Weltwirtschaft. Davon ist der US-Ökonom Jeremy Rifkin, der beste Beziehungen zu poltischen Entscheidungsträgern in Europa und China pflegt und mit Bundeskanzlerin Angela Merkel per Du ist, überzeugt.

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In einem Buch "The Green New Deal" entwirft Rifkin einen visionären Plan zur wirtschaftlichen Kurswende. Ausgangspunkt ist zum einen die Klimakrise, zum anderen aber auch die Tatsache, dass sich die Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen und die Mobilität auf Basis des Verbrennungsmotors in den kommenden Jahrzehnten einfach nicht mehr lohnen werden. Da allerdings fast die gesamte Infrastruktur vor allem in Europa und den USA auf dem Erdölzeitalter basiert, drohen gigantische Verluste, die die Finanzkrise von 2008 wie einen Sturm im Wasserglas aussehen lassen werden.

Die Zeit drängt: Die Energieerzeugung aus Erneuerbaren Energien war im vergangenen Jahr zum ersten Mal praktisch global günstiger als die Stromerzeugung aus fossilen Quellen wie Gas oder Kohle (zumindest, wenn man neue Anlagen betrachtet). Die Kosten der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Energien sind in den vergangenen Jahrzehnten exponentiell gesunken, bei Photovoltaik-Anlagen zum Beispiel von 76,67 Dollar pro Watt im Jahr 1977 auf nur noch 0,102 Dollar pro Watt im Oktober 2019, Tendenz weiter stark abnehmend.

Mittel- bis langfristig wird Ökostrom fast kostenlos verfügbar sein, sagt Rifkin. Das wird dazu führen, dass die gesamte globale Energieerzeugung auf Erneuerbare Energien umgestellt wird. Abseits aller politischen Initiativen und der Diskussion um den Klimawandel wird es sich schlicht nicht mehr lohnen, ein Gas-, Kohle- oder Atomkraftwerk zu betreiben. Auch ohne Subventionen wird der Markt für einen Umstieg sorgen, sagt Rifkin. Im Bereich der Mobilität steht ein vergleichbarer Wandel bevor. Etwa ab dem Jahr 2024 werden Elektrofahrzeuge so billig sein wie Fahrzeuge auf Basis des Verbrennungsmotors und danach weiter billiger werden. Ab der Mitte der 2020er Jahre wird sich deshalb die Elektromobilität rasant durchsetzen und die Mobilität auf Basis des Verbrennungsmotors weltweit verdrängen, sagt Rifkin.

Der globale Umstieg bei Energieerzeugung und Mobilität wird dazu führen, dass global Vermögenswerte von 100 Billionen US-Dollar (also 100.000 Milliarden Dollar) oder mehr abgeschrieben werden müssen. Das ist etwas mehr als das aktuelle Welt-BIP, also die Summe der Waren und Dienstleistungen, die die gesamte Welt in einem Jahr produziert. Bei den "stranded assets", also den nicht mehr nutzbaren Vermögenswerten, handelt es sich insbesondere um die gigantischen Mengen an Kohle-, Öl- und Gasvorkommen, die sich noch im Boden (und in den Unternehmensbilanzen) befinden, die aber nicht mehr ausgebeutet werden. Ab einem gewissen Punkt wird es sich schlicht nicht mehr lohnen, die Infrastruktur, die auf dem Erdölzeitalter basierte, weiter zu betreiben. Die alte Infrastruktur ist eine gigantische Blase, die "carbon bubble", die der Weltwirtschaft so große Verluste bescheren kann, dass ein Komplettzusammenbruch droht.

Rifkins Zukunftsvision ist aber nicht pessimistisch, sondern optimistisch, denn der Umstieg auf erneuerbare Energien und die Mobilität der Zukunft kann der Welt auch einen Wachstumsschub bescheren, wie es ihn seit der Erfindung des Verbrennungsmotors nicht mehr gegeben hat. Damit das gelingt, muss die Politik so früh wie möglich den Umstieg schaffen. Wer frühzeitig umsteigt, kann wirtschaftlich erfolgreich sein, wer zurückfällt (wie aktuell die USA) wird einen gigantischen wirtschaftlichen Schaden davontragen, meint Rifkin.

Der von Rifkin befürwortete "Green New Deal" hat drei wichtige Säulen: Neben einer ökologischen Wende gehören dazu auch die Digitalisierung und eine drastische Dezentralisierung der Weltwirtschaft, die auch zu einer Demokratisierung führen wird. Normale Bürger werden zum Beispiel nicht mehr nur Energie verbrauchen, sondern auch selbst Energie erzeugen und ins Netz einspeisen, so wie das in manchen Regionen Deutschlands bereits viele Hausbesitzer tun. Rifkin favorisiert eine "dritte industrielle Revolution", die im Wesentlichen all das umfasst, was auch das deutsche Konzept der Industrie 4.0 beinhaltet. Eine umfassende Automatisierung und Digitalisierung, bei der praktisch alles mit Sensoren ausgestattet wird und damit eine automatische Steuerung ermöglicht. Daneben ist aber beispielsweise auch ein "Smart Grid", also ein intelligentes Stromnetz notwendig, in das jeder Strom einspeisen und aus dem jeder Strom entnehmen kann.

Im Mobilitätssektor wird es nicht nur zu einem Umstieg auf Elektromobilität kommen, sondern ungefähr gleichzeitig auch zur Einführung selbstfahrender Fahrzeuge (autonomes Fahren) und dem Durchbruch von "Mobility as as Service". Darunter versteht man, dass Menschen künftig kein Fahrzeug mehr besitzen müssen, um grenzenlos mobil zu sein. Ganz im Gegenteil wird sich Mobilität als Dienstleistung durchsetzen, ebenfalls aus Kostengründen.

Die Menschen werden mindestens so mobil sein wie heute, weil sie ganz nach ihren Bedürfnissen ständig Zugang zu einem selbstfahrenden E-Mobil haben werden, aber sie müssen sich kein eigenes Fahrzeug mehr dazu leisten. Die Tatsache, dass die Kosten der Ökostromerzeugung weiter exponentiell abnehmen und auch Elektrofahrzeuge selbst immer billiger werden, wird dazu führen, dass die Mobilitätskosten stark abnehmen werden. Unterwegs zu sein wird in Zukunft nur noch zwischen einem Viertel oder einem Zehntel so viel kosten wie heute, sagt Rifkin, bei gleichem oder besserem Komfort.

Damit der Umstieg gelingt, fordert Rifkin gigantische staatliche Investitionen in die Infrastruktur der Zukunft, eben einen "Green New Deal" (wie ihn die EU unter der Bezeichnung "Green Deal" bereits beschlossen hat). Auch im US-Präsidentschaftswahlkampf 2020 wird das Thema eine große Rolle spielen, denn viele mögliche Präsidentschaftskandidaten der Demokraten befürworten einen solchen "Green New Deal" und auch bei der Basis der Republikaner gibt es viel Zustimmung dafür.

Jeremy Rifkin ist nicht nur ein Visionär, sondern auch ein exzellenter Ökonom, der handfeste wirtschaftliche Fakten anführt, warum ein wirtschaftlicher Wandel notwendig ist und in seinem Buch detailliert beschreibt, wie der Umstieg gelingen kann. Wer wissen will, wie sich die Weltwirtschaft in den kommenden Jahrzehnten verändern wird, sollte das Buch von Jeremy Rifkin gelesen haben.Auch an den Börsen wird der bevorstehende Wandel nicht spurlos vorübergehen, so viel steht fest. "Eine Pflichtlektüre für Investoren, Unternehmen und Entscheider gleichermaßen", sagt der britische Unternehmer Richard Branson über das Buch. Und der ehemalige Bundeswirtschaftsminister und Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel meint über Buch und Autor: "Jeremy Rifkin ist der ökonomische und ökologische Botschafter der weltweiten Energiewende ... er präsentiert einen visionären Ansatz, wie ihn in den letzten fünfzig Jahren niemand vorzubringen wagte."

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