In diesem Artikel argumentiere ich, warum wir Regeln für die Börse brauchen, wie wir der "Wahrnehmungsfalle" entkommen und weshalb Handelssysteme helfen disziplinierter anzulegen.

1. Klare Regeln reduzieren Emotionen

Ganz gleich ob wir an den Finanzmärkten kurzfristig traden oder langfristig investieren: unser Vermögen ist ständig in Bewegung. Das erzeugt Stress. Steigt der Kontostand erleben wir Freude. Der höhere Dopaminspiegel in unserem Gehirn beschert wundervolle Glücks- und Belohnungsmomente. Wir neigen dann manchmal zu unüberlegten Handlungen, da wir von diesem Rausch nicht genug bekommen können.

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Andererseits kann ein sinkender Kontostand Ängste, bis hin zu Panikattacken auslösen. Der Verlust erzeugt einen so großen Schmerz, dass wir zuweilen um jeden Preis die Kontrolle über unser Vermögen zurückgewinnen möchten.

Manchmal handeln wir sogar irrational und verkaufen unsere Aktien in einem Börsencrash (obwohl wir rational wissen, dass diese sich irgendwann wieder erholen würden) oder nehmen beim Trading einen Stop-Loss wieder aus dem Markt und hoffen, dass sich die Verlustposition zum Ausgangspunkt zurückbewegt.

Das ist der Grund, warum ich so ein großer Fan von fest definierten Strategien geworden bin, denn Handelssysteme treffen ihre Anlageentscheidungen automatisch und damit ganz ohne Emotionen.

2. Geprüfte Handelskonzepte vermeiden selektive Wahrnehmung

Oft passiert es, dass wir meinen etwas zu sehen, was sich hinterher als Einbildung herausstellt. Wer hat nicht schon erlebt, dass sich z.B. eine „Schulter-Kopf-Schulter“-Formation als Fehlinterpretation erweist.

Der Grund ist, weil jeder an der Börse etwas anderes sieht. Wenn alle das gleiche sehen würden, dann dürfte es keine Überraschungen geben.

Selektive Wahrnehmung bedeutet, dass sich unser Gehirn ganz automatisch auf einen bestimmten Teilbereich ausrichtet. Zum Beispiel sehe ich derzeit viele silberne VW Golf auf der Straße, weil mein bester Freund sich so ein Modell gekauft hat. Sie kennen diesen Effekt. Diese Funktion ist sehr nützlich, z.B. wenn wir gerade eine Lösung für ein Problem suchen.

Test: Blondinen in der U-Bahn zählen

Machen Sie es sich einmal zur Aufgabe, die Anzahl von blonden Frauen (oder wahlweise der blonden Männer) in der U-Bahn zu zählen.

Ich habe es gemacht, es ist verblüffend.

Nach ein paar Tagen fing ich wirklich an, eine Form von Muster zu erkennen.

Ich stellte fest, dass immer morgens mehr blonde Frauen die U-Bahn nutzten als am Feierabend.

Ich fing an nach Erklärungen zu suchen. Tatsächlich fand ich bei meiner Recherche eine Studie, wonach blonde Menschen erfolgreicher im Job sein sollen. Vielleicht sind statistisch gesehen blonde Frauen karrierebedingt länger auf Arbeit (und fuhren daher später als ich mit der U-Bahn nach Hause)?

Es war in diesem Fall natürlich ganz und gar eindeutig, dass es sich bei meinen Beobachtungen nur um Zufälle handeln konnte.

Wir würden also niemals auf die Idee kommen, Geld darauf zu wetten, dass auch am nächsten Morgen wieder mehr Blondinen als zum Feierabend die U-Bahn nutzen würden. Unser gesunder Menschenverstand sagt uns, dass das mit hoher Wahrscheinlichkeit eine ganz und gar unlogische Feststellung - eine Irreführung unserer Sinne - sein muss.

An der Börse hingegen würden wir so einem Muster vielleicht sogar unser Geld anvertrauen, besonders dann, wenn es sich in der Vergangenheit als sehr treffsicher erwiesen hat.

Verrückt, oder?

Selektive Wahrnehmung wird an der Börse immer dann gefährlich, wenn sie uns einen Streich spielt, z.B. wenn unser Gehirn Muster im Kursverlauf vorgaukelt, die keinen Sinn ergeben. Mit geprüften Handelskonzepten investiere ich hingegen nur in Signale, die sich als begründbar, wiederholbar und damit erfolgreich erwiesen haben.

3. Handelssysteme helfen, diszipliniert zu bleiben

An der Börse ist es manchmal wie beim Marathonlauf. 90 Prozent der Anleger sprinten die ersten 10 Kilometer und wundern sich dann, dass sie nicht im Ziel ankommen, sondern zwischendurch mit Kollaps ausscheiden.

Die meisten Anleger kaufen Aktien, wenn die Börse steigt, da ihnen Aktien dann tendenziell sicher erscheinen (was meist eine selektive Wahrnehmung ist).

Das ist nicht zu verurteilen, denn es ist einfach menschliches Verhalten. Die meisten von uns kaufen eben auch im Sommer das Cabrio und ein paar Tage vor den Winterferien den Satz neue Ski, obwohl es beides in der anderen Saison mit deutlichen Preisnachlässen gibt.

Zu teuer zu kaufen ist an der Börse eigentlich nicht das Problem. Selbst wenn Anleger im Jahr 2007, am Vorabend der Finanzkrise, Aktienfonds gekauft hätten, wären sie heute ordentlich im Gewinn. Aber nur, wenn sie in der Krise, als ihre Fonds um 40 %,50 % oder gar 70 % abgerauscht sind, nicht verkauft hätten.

Meiner Erfahrung nach befinden sich die meisten Anleger in Abwärtsphasen ihres Depots orientierungslos auf hoher See. Die Presse verschärft dann auch noch zeitgleich irgendwelche Untergangsszenarien und liefert, was die Masse lesen will: Angst gegen Auflage.

(Interessanterweise verkauft sich Angst auch noch in steigenden Märkten einigermaßen gut und bleibt für Crash-Gurus somit ein einträgliches Geschäft.)

Letztlich geht es beim erfolgreichen Investieren immer um ein Gefühl der Kontrolle und des Vertrauens. Wenn ich in die Märkte investiere, dann habe ich keine Kontrolle, ob die Kurse morgen steigen oder fallen.

Das ist es, was die meisten Anleger verrückt macht und irgendwann an einen Punkt treibt, wo sie die Kontrolle wieder zurückhaben wollen. Dann schreit es innerlich: „Lass mich in Ruhe du doofer Markt. Gib mir mein Geld und meine Kontrolle über mein Vermögen zurück!“

Mit klaren Regeln und Handelsstrategien geben wir uns ein Stück weit Sicherheit, auch wenn die Kurse schwanken und behalten damit die Kontrolle über unser Depot.

Fazit

Computer sind die besseren Anleger, aber wir können davon profitieren.

Denn Handelssysteme

1. reduzieren Emotionen beim Börsenhandel,
2. investieren nur in erfolgreiche Signale und
3. fördern ein Gefühl der Kontrolle und Sicherheit.

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Viele Grüße
Jakob Penndorf