Als unbedarfter Anleger könnte man sich wundern: Der DAX ist im Rahmen des Corona-Crashs um rund 40 Prozent eingebrochen. Anschließend hat er sich, vom Tief aus gemessen, um 55 Prozent erholt. Dennoch hat der DAX sein Ausgangsniveau bisher nicht wieder erreicht.

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Beispiel DAX: Ein Gewinn von mehr als 55 % reicht nicht aus, um einen Verlust von 40 % zu egalisieren...

Die Lösung des scheinbaren mathematischen Widerspruchs ist einfach: Der Verlust von 40 Prozent bezog sich auf das Allzeithoch im Februar bei 13.795 Punkten. Der Gewinn von 55 Prozent bezog sich hingegen auf das im März erreichte Tief bei 8.256 Punkten. Die Prozentangaben bezogen sich auf unterschiedliche Niveaus und sind deshalb auch nicht miteinander vergleichbar.

Obwohl es sich um eine triviale mathematische Wahrheit handelt, dass bei Prozentangaben natürlich immer die Bezugsgröße entscheidend ist, verdeutlicht das obige Beispiel doch eine wichtige Gesetzmäßigkeit, die sich Anleger und Trader unbedingt vor Augen führen sollten: Verluste an der Börse wiegen schon aus rein mathematischen Gründen schwerer als Gewinne.

Um sich das vor Augen zu führen, stelle man sich einen Anleger vor, der ein Wertpapierdepot im Volumen von 10.000 Euro besitzt. Im ersten Jahr verliert der Anleger durch wilde Spekulationen mit Hebelprodukten die Hälfte seines Geldes. Das Depot ist also um 50 Prozent geschrumpft auf 5.000 Euro.

Das zweite Jahr an der Börse beginnt für den unbedarften Anleger jetzt mit einem Depot von 5.000 Euro. Um wieder das Ausgangsniveau zu erreichen und den Verlust von 50 Prozent auszugleichen, reicht ihm nun keine Rendite von 50 Prozent mehr. Nein, er benötigt eine Rendite in Höhe seines Depotvolumens, also in Höhe von 100 Prozent, um das Ausgangsniveau wieder zu erreichen.

Die folgende Tabelle zeigt, welcher prozentuale Gewinn (rechte Spalte) notwendig ist, um den in der linken Spalte genannten prozentualen Verlust auszugleichen.

-10 % +11,11 %
-20 % +25 %
-30 % +42,86 %
-40 % +66,67 %
-50 % +100 %
-60 % +150 %
-70 % +233,33 %
-80 % +400 %
-90 % +900 %
-100 % unendlich

Bei kleinen prozentualen Verlusten gibt es kaum einen Unterschied zwischen dem prozentualen Verlust und dem notwendigen prozentualen Gewinn, um das Ausgangsniveau wieder zu erreichen. Aber wehe, es treten große Verluste auf: Wer 80 Prozent seines Depotvolumens verliert, benötigt in Bezug auf das dezimierte Depot eine Rendite von 400 Prozent, um das Ausgangsniveau wieder zu erreichen. Und wer sein Depot auf 0 Euro schrumpfen lässt, also 100 Prozent seines Depotvolumens verliert, benötigt anschließend sogar eine unendlich große Rendite, um das Ausgangsniveau wieder zu erreichen.

Die oben geschilderte mathematische Wahrheit mag trivial erscheinen, aber erfolgreiche Investoren haben sie wohl immer im Hinterkopf. Die beiden wichtigsten Regeln von Starinvestor Warren Buffett lauten zum Beispiel:

Regel Nr.1: Verliere niemals Geld.
Regel Nr.2: Vergiss nie Regel Nr.1

Gerade Anleger wie Warren Buffett, die langfristig von einem exponentiellen Kapitalwachstum profitieren wollen (Zinseszinseffekt), sollten hohe prozentuale Verluste in Bezug auf ihr Gesamtdepot, wann immer möglich, vermeiden. Im Falle von Warren Buffett bedeutet die Verlustvermeidung natürlich nicht, dass er sofort panisch verkauft, wenn es an den Börsen etwas stürmischer zugeht. Tatsächlich haben die Investitionen von Buffetts Investmentholding Berkshire Hathaway ein solches Volumen erreicht, dass dies auch gar nicht mehr möglich wäre, ohne die Kurse zusätzlich zu belasten. Im Falle von Buffett bedeutet die Verlustvermeidung, dass er genau überlegt, in welche Aktien er investiert. Im Falle von aktiven Tradern bedeutet die Verlustvermeidung, dass sie genau ausrechnen sollten, welches maximale Risiko sie mit einem bestimmten Trade eingehen wollen und durch ein geeignetes Risiko- und Moneymanagement große prozentuale Verluste in Bezug auf das Gesamtdepot vermeiden.

Wer an der Börse erfolgreich sein will, dessen wichtigstes Kapital ist im wahrsten Sinne des Wortes sein Kapital. Wer sein Kapital leichtfertig aufs Spiel setzt, kann an der Börse nicht langfristig erfolgreich sein.


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