An den Börsen geht es täglich auf und ab. Die Kurse können innerhalb weniger Tage dramatisch fallen oder rasant ansteigen. Wenn Sie als Anleger am Markt investiert haben, machen Sie diese Bewegungen mit. Wie stark Sie die Bewegungen mitmachen, hängt natürlich von der Zusammensetzung und der Risikostruktur Ihres Portfolios ab. Fest steht jedoch, dass Ihre Positionen entweder mehr wert werden oder an Wert verlieren. Da Sie die Möglichkeit haben, sich zum Beispiel mit Hilfe einer Watchlist ständig über den aktuellen Wert ihrer Anlagen zu informieren, nehmen sie diese Wertänderungen wahrscheinlich schnell wahr und verarbeiten Sie. Da es sich hier um Ihr Geld handelt, welches Sie sich (mehr oder weniger) hart erarbeitet haben, verursacht die Verarbeitung dieser Informationen starke Emotionen. Diese Emotionen können dazu führen, dass Ihr rationales Entscheidungsvermögen getrübt wird.

Umgang mit Ängsten

Zunächst tritt bei vielen Börsenneulingen die Angst vor dem ersten Trade auf. Die Börsen- und die Finanzwelt sind neu, die Möglichkeiten und Risiken vielfältig. Die Meinungen von Investoren, die an der Börse handeln, divergieren stark und können sich schnell ändern. Anlagetipps und Warnungen kommen von allen Seiten und wenn man lange genug sucht, kann man für fast jede Anlageentscheidung Pro und Kontra finden. Deswegen ist die Angst davor, sein Geld an der Börse aufs Spiel zu setzen, durchaus verständlich. Doch wenn man sich umfassend mit dem Thema Geldanlage beschäftigt hat und sich über die Möglichkeiten und Risiken einer bestimmten Anlage im Klaren ist, hilft es nichts, die Entscheidung immer weiter vor sich herzuschieben. Irgendwann sollte man den ersten Schritt gehen und seine eigenen Erfahrungen an der Börse machen. Keiner kann Kursentwicklungen vorhersagen und so besteht natürlich im Aktienhandel ein höheres Risiko als bei einer Anlage in Festgeld oder der Verwahrung des Geldes unter dem Kopfkissen. Aber wer dieses Risiko nicht ertragen kann, sollte sich eventuell auch nicht für eine Anlage in Aktien entscheiden.

Hat man nun nach reiflichen Überlegungen in ein Unternehmen investiert, kann es gut sein, dass die Anlage ins Minus läuft. Und das obwohl doch alle Gründe (die man selbst gefunden hat) dafür sprachen, dass der Kurs steigen würde. Fakt ist: keiner kennt die letztendlichen Gründe und auch wenn die angefertigte Analyse noch so viele Faktoren berücksichtigt hat, kann der Kurs trotzdem in die entgegengesetzte Richtung der Prognose laufen. Wichtig ist, jetzt nicht in Panik auszubrechen. Möglicherweise hat man für seine Anlage bereits im Vorhinein einen Maximalverlust oder einen Ausstiegskurs festgelegt und daher eine Stop-Loss-Order platziert. In diesem Fall wird einem die Entscheidung abgenommen und die Position wird automatisch glattgestellt (verkauft), sobald das Stop-Loss-Niveau erreicht wurde.

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Hat man keine automatische Reißleine installiert, wird man wahrscheinlich in eine gewisse Aufregung oder Angst vor den Verlusten verfallen. Der Mensch hat eine asymmetrische Verlustaversion. Das äußert sich darin, dass ein Verlust mehr negative Emotionen hervorruft, als ein gleich großer Gewinn positive. Daher tendieren die meisten Menschen dazu, die Verluste auf keinen Fall realisieren zu wollen. Sie vermeiden also, die Aktien mit niedrigerem Kurs zu verkaufen. Sie halten an ihnen fest und suchen verzweifelt nach Gründen, warum der Kurs doch wieder steigen müsste. Das ist keine rationale Entscheidungsbasis. Man sollte also aufpassen, dass man die Gründe, die gegen das Halten der Aktie sprechen, nicht unbewusst ausblendet. Eine andere irrationale Reaktion ist, bei plötzlich einbrechenden Kursen panisch zu verkaufen. Das ist eine Kurzschlussreaktion, über die nicht nachgedacht wurde.

Anstatt auf irgendwelche platten Börsenweisheiten zu hören, die sich zum Teil auch gegenseitig widersprechen, ist der einzige börsenpsychologische Rat, den man hier geben kann: Man muss versuchen objektiv zu bleiben, auch wenn das eigene Geld auf dem Spiel steht. Eine Generalisierung der Fälle ist unmöglich und ein Wertverfall einer Aktie um 5 % bedeutet weder, dass der Kurs weiter fallen wird noch dass er daraufhin bald wieder steigen muss. Wichtig ist also, sich von seiner bisherigen Einschätzung lösen zu können und die Situation von neuem zu evaluieren. Aufgrund der erneuten, unabhängigen Einschätzung der Lage, sollte dann die weitere Verfahrensweise festgelegt werden.

Auch bei steigendem Wert der gekauften Aktie ist kein Schwarz-Weiß-Denken angebracht. Man sollte einerseits nicht versuchen, unüberlegt schnell seine Gewinne zu realisieren. Andererseits muss man auch aufpassen, dass man nicht durch Wunschdenken einer Aktie unrealistisch hohes Aufwärtspotenzial beimisst. Es ist notwendig, dass man sein Vorhaben kritisch hinterfragt und sich nicht von seinen Emotionen zu impulshaften oder irrationalen Entscheidungen verleiten lässt.

Diese Ratschläge sind natürlich sehr vage und unterstützen die finale Entscheidungsfindung nur wenig. Verallgemeinernde Aussagen zum Umgang mit einer bestimmten Situation bringen aber meist keinen Mehrwert. Eine weitere Angewohnheit, die den Anleger beim Verkaufen von einer Anlage unnötig belastet: Sobald man die Titel abgestoßen hat, beobachtet man die Aktie weiter und ärgert sich dann, wenn man sie später zu einem besseren Preis verkaufen hätte können. Man sollte versuchen, sich hier mit seinen Gewinnen zufrieden zu geben und sich vor Augen führen, dass es unmöglich ist, den optimalen Ausstiegspunkt bewusst zu treffen.

Overtrading

Werden mit mehreren Anlagen Verluste eingefahren, ist es selbstverständlich schwierig diese zu verarbeiten. In solchen Situationen neigt man eventuell dazu, seine negative Performance schnell durch gewagte, unüberlegte Investitionen mit großem Volumen und hohem Risiko kompensieren zu wollen. Man sucht nach Möglichkeiten, seine Verluste sofort wieder durch nachfolgende Gewinne auszugleichen. Das Misslingen der bisherigen Anlagen schiebt man auf bestimmte Fehler ab, die man aber erkannt haben will. Dann redet man sich ein, dass man diese Fehler ja nun vermeiden kann und deshalb dieses Mal mit Sicherheit richtig liegen wird. Dieses Denken kann zu vorschnellem Handeln führen.

Auf der anderen Seite neigt man dazu gierig zu werden, wenn man mit seinen Aktien im Gewinn liegt. Das kann zu übertriebener Zuversicht und Sicherheit im Hinblick auf die Einschätzung des eigenen Könnens und der ausgewählten Strategie führen. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Menschen ihre Vermutungen im Allgemeinen mit viel zu hohen Eintrittswahrscheinlichkeiten bewerten.

Sowohl bei Verlusten als auch bei Gewinnen besteht also die Gefahr des Overtradings. Man führt mit sinkendem Rechercheaufwand mehr und mehr Transaktionen durch. Erstens werden die Entscheidungen deswegen tendenziell schlechter. Zweitens besteht die Gefahr, dass bedingt durch die steigende Handelsfrequenz Transaktionsgebühren die Performance auffressen. Man sollte also trotz der ungemeinen Wichtigkeit der Diversifikation seines Portfolios darauf achten, sein Geld nicht in unnötig viele kleine Positionen aufzuteilen (Lesen Sie dazu auch: Widerstehen Sie dem Reiz der Diversifikation) . Denn die Order- und Handelsplatzgebühren fallen auf lange Sicht stark ins Gewicht, auch wenn sie verhältnismäßig klein erscheinen mögen. Des Weiteren verliert man durch Overtrading zunehmend den Überblick über sein Portfolio und seine Performance.

Handelstagebuch

Eine wichtige Grundlage für durchdachtes und nachhaltig orientiertes Handeln ist, die Übersicht über seine Anlagen zu behalten. Hierzu empfiehlt es sich, seine Transaktionen akribisch zu dokumentieren, also ein Handelstagebuch anzulegen. Es empfiehlt sich hierzu ein Tabellenkalkulationsprogramm. Auch gibt es spezielle Software, um die eigene Performance zu verfolgen. Zusätzlich kann man das kostenlose Angebot von Watchlists bei vielen Online-Brokern nutzen (und natürlich bei unserem Schwester-Portal Guidants).

Unabhängig davon für welche Varianten man sich auch entscheidet, eine detaillierte Dokumentation kann sehr hilfreich sein. Nur so kann man mit mehreren Positionen im Depot gut beobachten, wann sich welche Anlagen wie entwickelt haben. Daraus kann man dann bessere Schlüsse ziehen, wie man sein Depot restrukturieren könnte. Vielleicht kann man sogar größere Zusammenhänge erkennen. Zum Beispiel, dass die gekauften Aktien zwar während einer Rezession oder Depression den Benchmark-Index outperformen, aber während eines Aufschwungs und in der Hochkonjunktur etwas zu wünschen übrig lassen. Auf der Basis dieser Erkenntnis könnte man die Zusammensetzung des Portfolios sinnvoll ändern.

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Zusätzlich kann man sich hier notieren, aus welchen Gründen man die einzelnen Transaktionen durchgeführt hat. So bleiben einem seine ursprünglichen Erwartungen und Ideen stets vor Augen und es fällt leichter, seine Entscheidungen neu zu evaluieren, falls es einmal nicht so gut läuft. Denn jetzt kann man seine ursprünglichen Erwartungen mit der Realität abgleichen und auf dieser Basis besser entscheiden, ob es sich lohnt eine Aktie noch zu halten oder ob die Beweggründe verfallen sind.
Zuletzt kann man auch ausrechnen, wie viel Kapital man aufs Spiel gesetzt hat, wenn man sich neben dem Einstiegskurs zum Beispiel auch die Stop-Loss-Niveaus notiert. So hat man eine ungefähre Vorstellung von der Risikostruktur seines Portfolios. In jedem Fall führt das Handelstagebuch dazu, dass man sich mit seinem Portfolio intensiv auseinandersetzt und nicht die Übersicht über seine Finanzen verliert.