Der Buchwert einer Aktie ist letztlich alles das, was an Vermögenswerten vorhanden ist, abzüglich der Schulden eines Unternehmens. Früher war die Buchwert-Methode durchaus ein beliebtes Werkzeug, um den fairen Wert eines Unternehmens zu berechnen. Heute ist die Methode allerdings nicht mehr viel wert. In diesem Artikel verrate ich, warum.

Warum ist der Buchwert nicht mehr sinnvoll?

Eine Social-Chain-Aktie handelt aktuell nur zum halben Buchwert. Die Aktie der Deutschen Bank gibt es nahezu zu einem Viertel des Buchwertes. Wow, das sind Schnäppchen könnte man sich denken, denn das Vermögen übersteigt den Börsenwert ja bei weitem. Trotzdem war mit Aktien, die einen hohen Buchwert ausweisen, selten etwas zu verdienen in den letzten Jahren.

Das hat verschiedene Gründe. Für die Bewertung eines Unternehmens ist selten der Buchwert, sondern der Cashflow maßgeblich. Der Buchwert ist eine rein theoretische Größe, die eventuell zu erzielen ist, wenn ich das Unternehmen heute auflöse. Wer macht das schon? Wer setzt alle Mitarbeiter vor die Tür und sagt: Heute lösen wir uns auf, um den Aktionären etwas auszubezahlen! Die Deutsche Bank sicher nicht.

Unternehmen wie Social Chain haben durch Übernahmen hohe Firmenwerte (Goodwill) in der Bilanz. Letztlich bezieht sich der Buchwert hier rein auf theoretische Firmenwerte, die sich am Markt womöglich nie werden erzielen lassen. Haben sie von den Finanzierungsrunden bei einigen Fintechs zuletzt gelesen? Da werden mal eben Finanzierungen 80 % oder mehr unterhalb des letzten Wertes durchgeführt. So ähnlich kann man sich auch den Goodwill vorstellen. In guten Zeiten ist dieser meist gut vertretbar und steigt auch weiter an. Sinken die Bewertungen und die Gewinne, sinken auch die Firmenwerte.

Oftmals knallt es dann irgendwann und eine große Sonderabschreibung ist notwendig. Ein Unternehmen, welches eben noch zum halben Buchwert notiert hat, wird plötzlich wieder über Buchwert gehandelt. Diese Abschreibungen sind rein buchhalterisch und nicht Cash-wirksam. Es fließt also kein Geld aus dem Unternehmen.

Auch solide Unternehmen wie Porsche oder Salzgitter notieren deutlich unterhalb des Wertes, der in den Bilanzen steht. Hier sind hohe Unsicherheiten in Bezug auf die Zukunft des Unternehmens eingepreist. Keiner weiß, wie sich die Stahl- und Energiepreise die kommenden Monate entwickeln werden. Diese Unsicherheit drückt sich u. a. darin aus, dass die Unternehmen unterhalb des Buchwertes handeln. Unsicherheit ist also ein wesentlicher Faktor!

Ein weiterer Punkt: Die Bilanzierung der Unternehmen ist in den letzten Jahrzehnten immer offensiver geworden. Wenige Unternehmen bilanzieren noch nach HGB und strengem Niederstwertprinzip. Firmenwerte werden heutzutage regelmäßig angepasst und bei Übernahmen wird großzügig auf die Aktivseite der Bilanz gebucht. Das sorgt zwar für eine bessere Eigenkapitalquote, aber nicht unbedingt für eine wirklich solidere Bilanz.

Auch sind viele Firmen heutzutage nicht mehr in der Produktion tätig. In den 70er und 80er Jahren hatten Firmen beispielsweise meist große Fabriken mit vielen Maschinen usw. Diese wurden entsprechend in der Bilanz abgebildet. Es waren „echte“ Werte vorhanden, denn ohne die Maschinen könnte das Unternehmen auch nichts verdienen oder produzieren.

In Zeiten von IT und ausgelagerter Produktion sind solche Werte einfach auch vielfach nicht mehr vorhanden. Es werden Büros angemietet und den Mitarbeitern Laptops und eine Kaffeemaschine hingestellt. Fertig ist das Business. So kann man in älteren Börsenbüchern durchaus noch vom Buchwert als nützliche Kennzahl lesen, doch heute ist deren Wert ziemlich verblasst.

Fazit: Ich schenke dem Buchwert heutzutage keinerlei Beachtung mehr. Ich schaue auf operative Gewinne, Cashflows, eine niedrige Verschuldung und solide Bilanzen. Ob das Unternehmen aber nun mit halben oder zum doppelten Buchwert an der Börse gehandelt wird, ist mir ziemlich egal.