Wasserstoff gilt als unverzichtbar für die Energiewende und dürfte einer der wichtigsten Energieträger der kommenden Jahrzehnte werden. Klimafreundlich erzeugte Energie lässt sich nämlich nur schwer speichern oder über weite Strecken transportieren. Genau hier kommt die Wasserstoff-Technologie ins Spiel: Um elektrische Energie zu speichern, wird Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten.

Wasserstoff kann ohne Probleme gespeichert oder über weite Strecken transportiert werden. Um die gespeicherte Energie zurück zu gewinnen, lässt man den Wasserstoff in einer Brennstoffzelle einfach mit Sauerstoff aus der Atmosphäre reagieren. Dabei entsteht Wasser und elektrische Energie. Existiert irgendwann eine weltweite Wasserstoff-Infrastruktur, dann kann die Energieerzeugung auch dort stattfinden, wo besonders viel Wind, Sonne und Wasser zur klimafreundlichen Energieerzeugung zur Verfügung stehen.

Wasserstoff dürfte überall dort zum Einsatz kommen, wo bisher fossile Energieträger unverzichtbar sind, zum Beispiel bei bestimmten industriellen Prozessen (Stahlerzeugung), als Treibstoff für Flugzeuge oder Schiffe oder zur Speicherung oder dem Transport von Energie über weite Strecken. Dass irgendwann auch Pkw massenhaft mit Wasserstoff angetrieben werden, gilt hingegen als unwahrscheinlich. Fast alle Autobauer und Regierungen setzen inzwischen auf die Elektromobilität als Zukunftstechnologie, auch wenn Wasserstoffantriebe etwa bei Bussen oder Lkw zum Einsatz kommen könnten. Dass eine Wasserstoff-Infrastruktur für andere Bereiche aufgebaut wird, ist hingegen sehr wahrscheinlich, da zahlreiche Regierungen an entsprechenden Plänen arbeiten. So hat etwa die Bundesregierung eine "Nationale Wasserstoffstrategie" ins Leben gerufen.

Wer bisher in den Megatrend Wasserstofftechnologie investieren wollte, konnte dies entweder über den Kauf von Einzelaktien oder über Themenzertifikate tun. Zertifikate ermöglichen wie ETFs die Investition in eine ganze Branche, haben gegenüber ETFs allerdings den Nachteil, dass es sich nur um unbesicherte Schuldverschreibungen mit einem Emittentenrisiko handelt.

Seit diesem Jahr existieren aber in Europa auch zwei börsengehandelte Indexfonds (ETFs), mit denen Anleger bequem in die Zukunftstechnologie Wasserstoff investieren können.

Der L&G Hydrogen Economy UCITS ETF (ISIN: IE00BMYDM794) ist der weitaus größere der beiden ETFs und mit einer Gesamtkostenquote (TER) von 0,49 Prozent auch der etwas günstigere. Der thesaurierende ETF bildet den Solactive Hydrogen Economy Index nach, in den Aktien aus fünf Bereichen aufgenommen werden können: Wasserstoff- und Elektrolyseanbieter, Brennstoffzellenhersteller, Unternehmen aus dem Gas-Bereich, Wasserstoff-Lösungen für Schwertransporte wie Busse und LKW sowie Anbieter von Brennstoffzellenkomponenten. Der Index/ETF investiert dabei in alle Werte gleichgewichtet. Halbjährlich kommt es zu einem Rebalancing, wobei Aktien hinzukommen oder entfernt werden können. Eine Neugewichtung der enthaltenen Werte findet statt, wenn einzelne Positionen zwischenzeitlich ein Gewicht von mehr als 15 Prozent im Index erreicht haben.

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L&G Hydrogen Economy UCITS ETF

Aktuell (Stand: 12.04.2021) sind 28 Aktien im ETF enthalten. Die fünf größten Positionen sind der US-Motorenhersteller Cummins (4,4 Prozent), der Katalysatorenhersteller Johnson Matthey (4,2 Prozent), das koreanische Chemie- und Textilunternehmen Kolon Industries sowie die Autobauer Daimler und Toyota. Ebenfalls in den Top Ten enthalten sind der Gasekonzern Linde, der Energieerzeuger Uniper sowie der Technologiekonzern Siemens.

Auffällig ist, dass die meisten dieser Unternehmen bisher nur einen kleinen Bruchteil ihrer Umsätze und Gewinne im Wasserstoff-Sektor erzielen. Man investiert mit dem ETF also nicht in "Pure Plays", die ausschließlich im Wasserstoff-Sektor tätig sind, sondern in Aktien von Großkonzernen, die am Rande auch etwas mit Wasserstoff zu tun haben.

Der zweite Wasserstoff-ETF, der VanEck Vectors Hydrogen Economy UCITS ETF (ISIN: IE00BMDH1538), bildet den MVIS Global Hydrogen Economy Index nach und ist mit einer Gesamtkostenquote (TER) von 0,55 Prozent etwas teurer als das Konkurrenzprodukt von L&G. Der ETF bietet Zugang zu den größten und liquidesten Unternehmen weltweit, die in der Wasserstoff-Industrie tätig sind. Der ETF investiert in fünf Typen von Aktien: Pure-Play-Wasserstoffaktien, Wasserstoffgas-Hersteller, Hersteller von Brennstoffzellen, Anbieter von Wasserstoffspeichern und Hersteller von Elektrolyseuren.

Anders als im ETF von L&G spielen im ETF von VanEck die eher riskanten Pure-Play-Wasserstoffaktien eine größere Rolle. Größte Position (Stand: 12.04.2021) ist etwa der Brennstoffzellenhersteller Ballard Power Systems mit einem Anteil von 10,24 Prozent im ETF-Portfolio. Die Gase-Hersteller Linde und Air Liquide sind mit jeweils mehr als neun Prozent ebenfalls stark im ETF vertreten. Unter den Top Ten der ETF-Positionen finden sich auch die Pure-Play-Aktien Nel Asa, Plug Power, Fuelcell Energy, Bloom Energy und Itm Power.

Insgesamt ist der ETF von VanEck also viel stärker tatsächlich im Wasserstoff-Sektor investiert als das deutlich größere und etwas günstigere Konkurrenzprodukt von L&G, in dem Werte, die nur "nebenbei" im Wasserstoff-Bereich engagiert sind, die Hauptrolle spielen.

Fazit: Mit den beiden vorgestellten ETFs können Anleger bequem in die Zukunftsbranche der Wasserstoff-Technologie investieren. Der ETF von VanEck ist zwar deutlich kleiner und etwas teurer als das Produkt von L&G, ermöglicht dabei aber eine gezieltere Investition in den Wasserstoff-Bereich, da viele Pure-Play-Aktien aus diesem Bereich enthalten sind. Wegen der starken Kursschwankungen dieser riskanten Aktien dürfte der VanEck-ETF allerdings auch das deutlich riskantere Produkt sein. Mit dem L&G-ETF investieren Anleger hingegen vor allem in Aktien von Großkonzernen, die nebenbei auch Wasserstoff-Aktivitäten aufbauen. Je nach Anlegerpräferenzen haben beide Ansätze ihre Berechtigung.


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