• DAX - Kürzel: DAX - ISIN: DE0008469008
    Börse: XETRA / Kursstand: 12.886,32 Pkt

Wer nicht gerade erst heute mit dem Trading bzw. dem Investieren am Aktienmarkt begonnen hat, dem wird das Sprichwort „Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen“ wahrscheinlich höchst bekannt vorkommen. Der Sinn dahinter ist schnell erklärt: Wer im Rahmen eines Gewinntrades viel verdient, kann sich zwischenzeitlich auch eine ganze Menge an Verlusten leisten und steht am Ende immer noch als Sieger da.

So gut dieses Prinzip in der Theorie auch ist, so schwer fällt es mir als Tradingcoach, dieses auch pauschal jedem zu empfehlen. Im Grunde beschreibt das Prinzip einen klassischen Trendtrader und machen wir uns nichts vor, nicht jeder ist für den Handel von Trends geeignet. Ich selbst beispielsweise habe nicht die Geduld, viele Kerzen abzuwarten, bevor ich aussteigen darf. Das fällt mir selbst im Minutenchart relativ schwer.

Ein kleines und unscheinbares Problem abseits der Tradingnische!

Die Frage, ob man grundlegend für das Trendtrading geeignet ist (ist man in der richtigen Tradingnische?), möchte ich an dieser Stelle aber gar nicht in den Mittelpunkt stellen. Vielmehr möchte ich auf ein großes Problem im Rahmen des Trendtradings aufmerksam machen, welches nicht so offensichtlich ist. Am besten lässt sich dies an einem Beispiel erklären. Betrachten wir zunächst folgenden Chart:

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im abgebildeten Ausschnitt sehen wir den Deutschen Aktienindex auf 15-Minutenbasis. Sie können den Chart durch jeden anderen ersetzen, das Prinzip/Problem ist das gleiche. Nehmen wir einmal an, ihre Strategie kauft kleinere Böden. Dabei möchten Sie sehr früh in einen potentiell neuen Aufwärtstrend einsteigen und haben die Hoffnung, dass die Position im Anschluss relativ weit läuft (Sie wollen Trends handeln).

Wenn Sie den obigen Chart genauer betrachten, werden Sie natürlich sehr schnell auf den schönen Aufwärtstrend aufmerksam werden, der sich in den letzten Tagen etablieren konnte. Ein wirklich schöner Trade, der mit einem typischen 123-Muster eingeleitet wurde.

Bei genauerem Hinsehen aber erkennen wir, dass es fast täglich einen Versuch der Bullen gab, einen Trend zu etablieren. Nur haben diese nicht funktioniert. Genau das macht das Trendtrading aus. Die starken Trends sind eher selten, Versuche in diese Richtung gibt es jedoch viele. In Tradingsprache übersetzt bedeutet dies, dass die Trefferquote eher bescheiden ist.

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Wenn Trendtrading teuer wird!

Fassen wir bisher zusammen: Wer Trends handelt, sollte mit diesem Tradingstil „emotional klar kommen“. Das bedeutet auch, mit einer naturgemäß kleineren Trefferquote umgehen zu können und um unter dieser Bedingung profitabel zu sein, muss man zwangsweise Gewinne laufen lassen und Verluste begrenzen.

Das ist für viele Trader schon eine Herausforderung. Aber es gibt noch einen praktischen Stolperstein, den alle übersehen! Sie können es sich als Trendtrader nämlich nicht leisten, den Trend zu verpassen. Aus vielen kleinen Verlusten wird nämlich dann ein extrem unprofitabel ist Trading, wenn Sie die wenigen großen Gewinntrades nicht umsetzen.

Diese Problematik ist in der Realität ein echtes Problem und wird umso relevanter, umso aktiver das Trendtrading ist. Viele handeln nebenberuflich. Dabei richtet sich die Börse nicht nach ihren Arbeitszeiten im Beruf. Können Sie wirklich sicherstellen, dass Sie die Trends auch wirklich erwischen? Kennen Sie Situationen, in denen Sie mit ihrer Meinung richtig lagen, aber zunächst ausgestoppt worden sind, nur um dann bei der abschließenden Bewegung nicht dabei zu sein?

Denken Sie einmal darüber nach! Wenn sie sich dem Trendtrading verschreiben, sollten Sie in der Lage sein, dieses auch mit Blick auf die Signalhäufigkeit konsequent umsetzen zu können. Sie können es sich nicht leisten, die wenigen Gewinntrades zu verpassen!

Mir ist diese Problematik erst in der letzten Woche wieder bewusst geworden, als ich im Dax Intraday versuchte, größere Bewegungen zu handeln. In meiner Haupthandelszeit gab es am Freitag eine ganze Reihe kurzfristiger Long-Signale. Einen wirklichen Trend aber gab es nur einmal und genau diesen habe ich verpasst, weil ich zu dieser Zeit anderweitig beschäftigt gewesen bin (siehe Chart). Für mich war dies wieder einmal eine Bestätigung dafür, beim Scalptrading zu bleiben. Ich kann einfach nicht garantieren, in diesem kurzen Zeitfenster des Minutencharts wirklich jedes Signal umsetzen zu können. Zu groß ist die Gefahr zum „ungünstigsten Zeitpunkt“ abgelenkt zu werden und so das einzig wichtige Signal zu verpassen. Eine Scalpchance hingegen zu verpassen, ist kein Problem. Die nächste könnte schon ein paar Minuten später kommen.

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Viel Erfolg

Ihr Tradingcoach Rene Berteit