• Rheinmetall AG - Kürzel: RHM - ISIN: DE0007030009
    Kursstand: 202,200 € (XETRA) - Zum Zeitpunkt der Artikel-Veröffentlichung

Dieser Artikel beginnt mit einem Rätsel. In dem folgenden Chart ist eine Aktie dargestellt, die zwischen Ende 2021 und dem 25. Februar 2022 um sage und schreibe 28,9 Prozent gestiegen ist. 28,9 Prozent in rund sieben Wochen ist natürlich nicht von schlechten Eltern. Das Rätsel: Um welche Aktie handelt es sich? Und wie hat sie sich wohl seit dem 25. Februar entwickelt?

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Viele Anleger, die die Aktie am 25. Februar in ihrem Depot hatten, dürften darüber nachgedacht haben, die Aktie nach dem starken Anstieg zu verkaufen. Und vielen Anlegern wäre es nicht im Traum eingefallen, auf diesem hohen Niveau noch bei der Aktie einzusteigen. Die Kunst am Aktienmarkt besteht ja bekanntlich darin, Aktien billig zu kaufen und teuer zu verkaufen. Oder etwa nicht?

Die Aktie, die bis zum 25. Februar um fast 29 Prozent auf 107,08 Euro gestiegen war und damit im Vergleich zu den vorherigen Kursen bereits "sehr teuer" aussah, steht heute (4. April 2022) bei über 200 Euro. Es handelt sich um die Aktie von Rheinmetall. Gegenüber Ende 2022 hat sich das Papier inzwischen mehr als verdoppelt. Rheinmetall profitierte davon, dass der deutsche Staat nach dem Einmarsch Russlands in der Ukraine eine starke Erhöhung der Verteidigungsausgaben inklusive eines Sondervermögens von 100 Milliarden Euro angekündigt hat. Der Grund für den starken Kursanstieg soll an dieser Stelle aber nicht weiter interessieren.

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Beim Vergleich beider Charts sollte man auch darauf achten, dass sich die Skalierung der y-Achse verändert hat. Der Kursverlauf im zweiten Chart wurde stärker "zusammengestaucht", um den gesamten Kursanstieg im Chart zu zeigen. Dass die Skalierung der y-Achse im Verhältnis zur x-Achse variabel ist, sollte man beim Betrachten von Charts grundsätzlich beachten.

In der Regel haben sehr starke Kursbewegungen wie die bei Rheinmetall einen fundamentalen Grund: Die Gewinnaussichten für ein Unternehmen hellen sich deutlich auf. Da ist es nur logisch, dass der Unternehmenswert und damit auch die einzelnen Anteile, in die das Eigenkapital des Unternehmen aufgeteilt ist, an Wert gewinnen.

Viele Privatanleger kaufen explizit keine Aktien, die zuvor stark gestiegen sind. Das kann allerdings ein Fehler sein, der viel Geld kostet. Der Momentum-Effekt sorgt dafür, dass Aktien, die in der jüngsten Vergangenheit gut gelaufen sind, oft auch in der näheren Zukunft zu den Gewinnern gehören.

Mehrere wissenschaftliche Untersuchungen* haben gezeigt, dass Aktien, die in der Nähe ihres 52-Wochen-Hochs notieren, im Mittel ab diesem Zeitpunkt eine bessere Performance erzielen als Aktien, die weit davon entfernt notieren. Dies deckt sich mit den Erfahrungen vieler erfolgreicher Praktiker wie William O'Neil, der im Rahmen seiner CAN-SLIM-Strategie ebenfalls dazu rät, auf die bisherigen Gewinner und nicht auf die Verlierer am Aktienmarkt zu setzen.

Gewinner bleiben meistens Gewinner, Verlierer meistens Verlierer. Natürlich gilt das nicht immer und natürlich kehrt sich jeder Trend irgendwann auch wieder um. Als Selektionskriterium für vielversprechende Aktien lohnt es sich trotzdem in der Regel, nach Aktien Ausschau zu halten, die in der Nähe ihres 52-Wochen-Hochs notieren. Oft ist es zwar durchaus vorteilhaft, bei einer solchen Aktien einen kurzzeitigen Rücksetzer abzuwarten, um einzusteigen. Gleichwohl sind solche Aktien meistens das deutlich bessere Investment als Aktien von "ewigen Verlierern".

Im Aktien-Screener auf Guidants kann man sich gezielt Aktien anzeigen lassen, die ein neues 52-Wochen-Hoch erreicht haben (Signal: "52-Wochen-Hoch") oder Aktien, die möglichst nahe am Hoch eines bestimmten Zeitraums wie 52 Wochen notieren (mit der Kennzahl: "Abstand von höchsten Hoch"). Ebenso kann man sich Aktien anzeigen lassen, die auf einem 52-Wochen-Tief oder in der Nähe eines markanten Tiefs markieren. So lassen sich leicht Aktien finden, bei denen man auf eine Trendfortsetzung nach einem Ausbruch oder auch auf eine Trendumkehr spekulieren kann. Der folgende Screenshot zeigt Aktien aus dem Nasdaq-100, die am 4. April 2022 in der Nähe ihres 52-Wochen-Hochs notierten.

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(* Studien, die gezeigt haben, dass Aktien in der Nähe ihres 52-Wochen-Hochs in der Regel in Zukunft eine bessere Performance zeigen als Aktien mit einem großen Abstand zum 52-Wochen-Hoch, sind zum Beispiel "The 52-Week High and Momentum Investing" von Thomas J. George und Chuan-Yang Wang sowie "Industry Information and the 52-Week High Effect" von Xin Hong, Bradford D. Jordan und Mark H. Liu.)