Der Confirmation Bias wird auch als Bestätigungsfehler bezeichnet und ihm unterliegen die allermeisten Menschen, die nicht gezielt darauf achten, diesen Denkfehler zu vermeiden. An der Börse spielt er eine besonders wichtige Rolle.

Was ist der Confirmation Bias? Darunter versteht man die Tendenz der meisten Menschen, Informationen ein viel größeres Gewicht beizumessen, wenn diese die eigenen Überzeugungen und Ansichten bestätigen. Das, was der eigenen vorgefassten Meinung widerspricht, wird hingegen als viel weniger wichtig oder als falsch beurteilt, auch, wenn es dazu überhaupt keinen Anlass gibt. Der Confirmation Bias ist also eine spezielle Ausprägung der selektiven Wahrnehmung. Neue Informationen legen wir so aus, dass sie das bestätigen, was wir ohnehin schon zu wissen glauben.

Menschen neigen generell dazu, stark in dem verfangen zu sein, was sie glauben und was sie für richtig halten und andere Informationen auszublenden. Informationen die dem eigenen Weltbild entsprechen, werden immer höher gewichtet, als die Informationen, die dem eigenen Weltbild widersprechen. Wir suchen geradezu nach Informationen, die die eigene Meinung bestätigen und ignorieren häufig Informationen, die unserer Auffassung widersprechen.

Eine einmal gefasste Meinung wird durch selektive Wahrnehmung immer weiter verstärkt, selbst wenn sie objektiv falsch ist. Denn widersprechende Informationen werden gezielt ausgeblendet, als unwichtig oder unrichtig empfunden, selbst wenn das überhaupt nicht stimmen sollte.

Der Confirmation Bias kann in gewissen Situationen durchaus nützlich sein, denn er führt dazu, dass Menschen überhaupt erst ein für sie konsistentes Weltbild entwickeln können und nicht ständig Informationen verarbeiten müssen, die sich scheinbar widersprechen und die keine einfachen Entscheidungen erlauben. Allerdings führt der Confirmation Bias tendenziell auch zu schlechteren Entscheidungen, im Trading, beim Investieren und in allen anderen Bereichen des Lebens.

Wie kann man den Confirmation Bias vermeiden und dadurch bessere Entscheidungen treffen? Annie Duke, eine der erfolgreichsten Pokerspielerinnen der Welt und Autorin von Ratgeberbüchern zur Frage, wie man am besten Entscheidungen unter Unsicherheit trifft, hat sich mit dieser Frage ausführlich beschäftigt. Beim Poker auf Weltklasseniveau kommt es neben einer mathematischen Begabung zur Berechnung von Wahrscheinlichkeiten nämlich ganz stark auch darauf an, die Gegner psychologisch einschätzen zu können. Hat das Gegenüber wirklich so gute Karten, wie es den Anschein hat, oder blufft er/sie nur? Ist das Gegenüber wirklich so cool, oder ist das Gegenüber in Wahrheit verunsichert, kann dies aber ziemlich erfolgreich überdecken? Solche Fragen stellen sich Pokerspieler ständig.

Annie Duke empfiehlt, bei der Beantwortung solcher Fragen gezielt auf Informationen zu achten, die der eigenen, bisherigen Einschätzung widersprechen. Normalerweise machen wir das Gegenteil: Wir suchen nach Informationen, die unsere vorgefasste Sichtweise bestätigen. Diese Informationen nehmen wir ganz automatisch wahr. Informationen, die der eigenen Einschätzung widersprechen, werden hingegen oft unbewusst ausgeblendet oder als unwichtig beurteilt. Annie Duke sucht also gezielt nach Informationen, die ihrer bisherigen Auffassung widersprechen und versucht sachlich zu beurteilen, ob diese Informationen nicht vielleicht doch stichhaltig sind. Denn so trifft man tendenziell bessere Entscheidungen, wie wenn man eine einmal gefasste Meinung durch Informationen immer nur zu bestätigen versucht.

Nicht nur beim Poker, sondern auch an den Finanzmärkten und bei vielen anderen Entscheidungen im Leben kann die gezielte Vermeidung des Confirmation Bias dazu führen, dass man bessere Entscheidungen trifft. Das sieht man zum Beispiel beim Fall Wirecard. Bevor das Kartenhaus des Zahlungsdienstleisters zusammenbrach, gab es eine eingeschworene Fangemeinde des Unternehmens und der Aktie, die keinen der Vorwürfe sonderlich ernst nahm. Auch wenn neue Vorwürfe publik wurden, konnte man sich sicher sein, dass die Wirecard-Fans den Vorwurf innerhalb kurzer Zeit in Internet-Foren scheinbar widerlegen würden. Doch die Wirecard-Fans betrieben keine objektive Suche nach der Wahrheit, sondern einen subjektiven Rechtfertigungsversuch. Es ging nicht darum, die neuen Informationen sachlich zu beurteilen, sondern es ging von Anfang darum, die eigene Sichtweise zu verteidigen und neben der eigenen Sichtweise keine andere Meinung zu akzeptieren. Aber am Markt geht es nicht darum, Recht zu behalten, sondern sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Letzteres funktioniert besser, wenn man versucht, Informationen objektiv zu beurteilen und dabei so unparteiisch wie möglich bleibt.

Einige der größten Investoren wie Warren Buffett sind auch deshalb so erfolgreich, weil sie immer dazu bereit sind, hinzuzulernen und ihre bisherige Sichtweise zu revidieren. Buffett war bekanntermaßen kein Fan von Technologieunternehmen und machte früher einen großen Bogen um sie. Heute macht die Apple-Aktie mehr als 40 Prozent des Portfolios von Berkshire Hathaway aus und ist die mit Abstand größte Position (und eine der erfolgreichsten), die Buffett jemals gekauft hat. Das ist nur eines von sehr vielen Beispielen, in denen Buffett seine Sichtweise revidierte und keine Angst davor hatte, dies auch einzugestehen.

Ganz egal, welche Strategie man beim Trading oder dem Investieren verfolgt: Es empfiehlt sich, gezielt nach Informationen zu suchen, die der einmal gefassten Auffassung widersprechen. So wird man ausgewogenere und in der Tendenz bessere Entscheidungen treffen.


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