Commodities Corporation wurde 1969 in der beschaulichen Universitätsstadt Princeton im US-Bundesstaat New Jersey von Helmut Weymar und Amos Hostetter sr. gegründet. Weymar hatte zuvor seine Doktorarbeit über den Kakao-Markt an der Eliteuni Massachusetts Institute of Technology (MIT) abgeschlossen und seine theoretischen Erkenntnisse über die Preisentwicklung von Kakao und anderen Rohstoffen bereits beim Nahrungsmittelhersteller Nabisco in bare Münze verwandelt.

Wegen der akademischen Meriten von Weymar hatte Commodities Corporation mächtige Unterstützer. In die Firma investierte neben Nabisco unter anderem der spätere Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Samuelson, der öffentlichkeitswirksam die Meinung vertrat, dass aktive Spekulation überhaupt nicht erfolgsversprechend sei. So sagte Samuelson vor einer Kongressanhörung: "Die meisten Portfolio-Entscheider sollten ihr Geschäft aufgeben, Klempnerarbeiten aufnehmen, Griechisch unterrichten oder bei der Produktion des jährlichen Bruttosozialprodukts behilflich sein, indem sie als Manager arbeiten." Während er öffentlich bezweifelte, dass aktive Anlageentscheidungen profitabel sein können, investierte er doch 125.000 Dollar in Commodities Corporation. Denn Samuelson vertrat die Auffassung, dass es wohl doch eine Minderheit von Anlageentscheidern geben könnte, die tatsächlich in der Lage waren, den Markt schlagen zu können.

Fast wäre Commodities Corporation so schnell wieder in der Versenkung verschwunden, wie es aufgetaucht war: Weymar hatte zwar komplexe Modelle über Angebot und Nachfrage bei Kakao entwickelt, wertete aktuelle Wetterdaten aus und bezahlte sogar den deutschen Partner Hans Kilian dafür, dass dieser mit einem Jeep durch Westafrika tourte und vor Ort den Zustand der Kakaopflanzen begutachtete. Doch eine Fehlspekulation mit Mais führte dazu, dass das Tradingkapital von Commodities Corporation innerhalb von zwei Jahren von 2,5 Millionen Dollar auf 900.000 Dollar zusammenschrumpfte. Statt der erwarteten Gewinne wurden erst Mal nur Verluste produziert.

Die Wende brachte Amos Hostetter Sr., der die Firma zwar zusammen mit Weymar gegründet hatte, sich aber zunächst im Hintergrund aufhielt. Hostetter war ein erfolgreicher Spekulant an den Rohstoffmärkten. Der spätere Nobelpreisträger Samuelson sagte über Hostetter, dass dieser der erfolgreichste Investor gewesen sei, den er je getroffen hatte.

Hostetter schulte die Trader bei Commodities Corporation mit dem Wissen, das sie nicht hatten: Wie Märkte und wie Trading in der Realität funktionieren, abseits aller wirtschaftswissenschaftlichen Theorie.

Seinen eigenen Ansatz und den Ansatz, den er den Tradern von Commodities Corporation beibrachte, beschrieb er selbst so:

  1. Versuche, alle verfügbaren fundamentalen Informationen zusammenzutragen. Lies viel.
  2. Zeichne dir gleichzeitig Charts aller Rohstoffe und entwickle ein Gefühl für Trends. Folge den fundamentalen Informationen in deinem Trading, aber nur wenn und solange die Charts kein anderslautendes Votum abgeben.

Das Zitat stammt aus einem am Ende dieses Artikels verlinkten internen Dokument, in dem der Trader Morris Markovitz von Commodities Corporation die Tradingphilosophie vom Amos Hostetter sr. zusammentrug, um diese zu bewahren. Hostetter war kurz zuvor bei einem Autounfall verstorben.

Die wichtigste Regel von Hostetter war, nur in Rohstoffe zu investieren, die einen ausgeprägten Trend zeigten. Fundamentale Informationen konnten zusätzlich als Informationsquelle dienen. Fundamentalen Ideen und Erwartungen sollten die Trader von Commodities Corporation aber nur folgen, wenn sich daraus auch ein Trend entwickelte, der im Chart sichtbar war.

Hostetter entwickelte auch eine Checkliste für Trader von Commodities Corporation, die diese ausfüllen mussten, wenn sie einen neuen Trade eingingen. Die Checkliste enthielt insbesondere die folgenden Fragen:

  1. Denken Sie, dass ein großer Trend entweder begonnen hat oder in Kürze beginnen wird beim jeweiligen Rohstoff?
  2. Geht der beabsichtige Trade in die Richtung des Trends?
  3. Denken Sie, dass die Preisbewegung erheblich sein wird (mindestens 10 % des aktuellen Preises) und für eine beträchtliche Zeit (3-9 Monate) anhalten wird?
  4. Haben Sie einen genauen oder ungefähren Stop Loss definiert, an dem Sie bereit wären, einzugestehen, dass Sie sich geirrt haben und den Verlust realisieren würden?
  5. Ist die mögliche Bewegung, die Sie sich vorstellen können, mindestens doppelt so groß wie der Verlust beim Erreichen des Stop Loss?
  6. Beträgt der Verlust, den Sie beim Ausstoppen erleiden würden, weniger als 25 Prozent des Geldes im Trading-Account?"

Alle sechs Fragen mussten mit "ja" beantwortet werden, damit ein Trade zulässig war. Wurde nur eine Frage mit "nein" beantwortet, durfte der Trade nicht umgesetzt werden.

Die meisten der sechs Kriterien können von Tradern auch heute noch als Checkliste verwendet werden. Punkt 6 ist aber unter heutigen Verhältnissen mit Sicherheit zu riskant. Statt 25 Prozent des Tradingkapitals zu riskieren, sollten es heute eher nur ein bis zwei Prozent sein, die bei einem einzigen Trade riskiert werden. Das gilt insbesondere dann, wenn man in einem kurzfristigeren Zeithorizont spekuliert, als dies Hostetter damals voraussetzte. Aber auch bei längerfristigen Wetten dürften 25 Prozent unter Risikogesichtspunkten viel zu viel sein.

Die Trading-Philosophie von Hostetter war so erfolgreich, dass Commodities Corporation zu einer legendären Wall-Street-Firma aufstieg. Viele Trading-Legenden sind mit dem Namen Commodities Corporation verknüpft. So waren im Laufe der Zeit unter anderem Paul Tudor Jones, Bruce Kovner und Ed Seykota für die Firma tätig. Einige noch heute erfolgreiche Hedgefonds wurden von Menschen gegründet, die ihre Karriere bei Commodities Corporation begonnen hatten. Commodities Corporation wurde schließlich im Jahr 1997 von der Investmentbank Goldman Sachs erworben. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen bewahrt, er soll aber bei über 100 Millionen Dollar gelegen haben. Commodities Corporation verwaltete damals 1,8 Milliarden Dollar an Anlagegeldern.

Weitere Hintergründe zu Commodities Corporation sowie zu vielen anderen legendären Hedgefonds enthält das Buch "More Money than God" (deutscher Titel: "Mehr Geld als Gott") von Sebastian Mallaby, dem auch einige Informationen für diesen Artikel entnommen wurden.

In dem unten verlinkten Dokument wird die Tradingphilosophie von Amos Hostetter sr., die ein entscheidender Erfolgsfaktor für Commodities Corporation war, im Detail erläutert.

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