Sie werden wahrscheinlich aus dem Grund zum Anleger, dass Sie zum jeweiligen Zeitpunkt mehr Geld zur Verfügung haben, als Sie für die laufenden Ausgaben – sprich zur Lebenshaltung – benötigen. Es ist aber durchaus vorstellbar, dass Sie zu einem späteren Zeitpunkt mehr liquide Mittel brauchen, um sich ein Haus zu bauen oder eine Reise zu finanzieren. Sie müssen sich also im Hinblick auf solche Vorhaben überlegen, wie lange Sie Ihr Geld binden können und wollen. Tendenziell kann man sagen, dass Ihnen mit steigendem Anlagezeitraum mehr Möglichkeiten offenstehen. Außerdem haben Sie zum Beispiel bei Anleihen höhere jährliche Renditen, wenn Sie eine längere Bindung eingehen. Bundesanleihen mit einer Laufzeit von 30 Jahren bieten eine wesentlich höhere Verzinsung als 10-jährige. Die höhere Verzinsung trägt dem erhöhten Inflations- und Zinsrisiko Rechnung, dem Sie sich durch die längere Zinsbindung aussetzen, da bei steigenden Zinsen ihre Anleihe an Wert verliert. Bei vielen Finanzprodukten ist die Laufzeit auch bereits vorab vertraglich festgesetzt, so wie bei den meisten Anleihen und Derivaten. Sie merken also, dass die Entscheidung klar von der Anlagedauer abhängig ist.

Kurzfristige Anlage

Die Auslegung der Länge von Anlagespannen ist Ansichtssache. Im Folgenden wird als kurzfristige Anlage bezeichnet, was höchstens für eine Dauer von einigen Wochen investiert ist. Der kurzfristige Anleger versucht oft die Zeit zwischen zwei länger währenden Investments zu überbrücken und will daher flexibel bleiben. Vorhandene Liquidität soll nicht brachliegen und einer durch Inflation bedingten Kaufkraftminderung zum Opfer fallen, muss aber schnell wieder liquidiert werden können. Dieses Privileg muss man meist mit geringerer Verzinsung bezahlen und der Auswahl von Anlageklassen sind natürlich gewisse Grenzen gesetzt. Anleihen bieten sich für kurzfristige Anlagen eher nicht an, da sie meist eine festgelegte Laufzeit von mehreren Jahren haben. Es besteht lediglich die Möglichkeit auf dem Sekundärmarkt eine Anleihe zu erwerben die nur noch eine geringe Restlaufzeit hat oder sie schon vor Fälligkeit wieder zu verkaufen.

Dadurch, dass dem Anleger hier nicht alle Möglichkeiten offen stehen in verschiedene Assetklassen zu investieren, kann er auch nicht im gleichen Maße diversifizieren (siehe auch „Warum setze ich nicht all mein Geld auf eine Karte“). Eine viel genutzte Möglichkeit Geld für kurze Zeit zu „parken“ sind zum Beispiel Tagesgeldkonten, bei denen man sein Geld für einen sehr geringen Zinssatz einer Bank leiht, es dafür aber jederzeit fristlos abziehen kann. Auch kurzfristiger Handel mit Aktien oder Derivaten ist möglich, bringt aber höheres Risiko mit sich als ein Tagesgeldkonto.

Mittelfristige Anlage

Hier bietet sich dem Anleger schon eine etwas breitere Palette an Investitionsmöglichkeiten an. Anleihen mit kurzen Laufzeiten können ins Depot gestreut werden. Auch hat man jetzt die Möglichkeit einen Teil seines Geldes relativ sicher in Festgeld oder Sparbücher zu legen, wenngleich die Zinszahlungen hier nicht sehr üppig sind. Auch erste Investmentfonds oder ETFs und Derivate können unter Umständen als Beimischung fürs Depot sinnvoll sein.

Langfristige Anlage

Eine langfristige Anlage erstreckt sich über einen Zeitraum von mehreren Jahren.Wenn ein Anleger bereit ist, sein Kapital für diese Dauer zu binden, steht ihm eine große Bandbreite an Anlageprodukten aus allen Assetklassen offen. Es bleiben ihm als Privatanleger lediglich einige Investitionen verwehrt, die nur institutionellen Anlegern zugänglich sind. Für eine langfristige Anlage sind Bundes- oder Unternehmensanleihen mit längerer Laufzeit möglich. Investmentfonds und ETFs können auch länger im Depot gehalten werden. Einer Diversifizierung über alle Assetklassen steht nichts mehr im Weg. Auch größere Investments, wie zum Beispiel der Erwerb einer Immobilie, werden für den Privatanleger erst richtig sinnvoll, wenn er sich für einen langfristigen Anlagehorizont entscheidet.