Niemand kann die Kursverläufe von Wertpapieren an der Börse langfristig exakt vorhersagen. Aber man kann die Börse deswegen noch lange nicht als Glücksspiel bezeichnen. Es handelt sich vielmehr um ein Strategie"spiel", bei dem Sie - neben den Methoden der fundamentalen und charttechnischen Analyse - immer die Möglichkeit haben, Ihre maximalen Verluste pro Anlage von vornherein festzulegen und Ihre Risiken so zu überwachen. Es gibt hierzu viele verschiedene Ansätze. Im folgenden sollen Sie anhand eines Beispiels sehen, wie Sie sich mit der Risikostruktur ihres Portfolios auseinandersetzen können.

Wie viel kaufe ich?

Wenn man sich entschieden hat eine Aktie in sein Depot aufzunehmen, stellt sich die Frage, welche Stückzahl oder zu welchem Nennwert eingekauft werden soll. Oft wird das ohne wirklichen Hintergedanken entschieden, obwohl die Aufteilung des Kapitals und die einzelnen Positionsgrößen sehr wohl bedeutend sind. Zunächst natürlich aus dem Grund, dass man durch eine Streuung des Kapitals über diverse, möglichst unkorrelierte Werte, das Gesamtrisiko bedeutend reduzieren kann. Es macht also Sinn, in viele Anlagen zu diversifizieren, aber nur solange die Vorteile der Aufteilung noch in einer vernünftigen Relation zu den höheren Gebühren stehen.

Zum anderen kann man mithilfe von durchdachten Positionsgrößen seinen Maximalverlust pro Position festlegen. Dazu muss man zunächst für sich selbst entscheiden, welchen Prozentsatz des Gesamtdepots man mit einer einzigen Position höchstens verlieren will, falls es zu einem Einbruch des Kurses kommen sollte. Das kommt ganz darauf an, wie dringend man sein eingesetztes Kapital momentan braucht und ob man persönlich eher risikoavers oder risikoaffin eingestellt ist. Man kann zum Beispiel 1% des Gesamtdepots pro Investition aufs Spiel setzen. Bei einem Depot mit 100.000 Euro, werden also 1.000 Euro als Verlustobergrenze für eine Position festgelegt. Abhängig von der Anlagestrategie, hat man zudem bereits vorher festgelegt, ab welchem Kurs man das Wertpapier wieder abstoßen will. Der Ausstiegskurs kann zum Beispiel ein gewisser Prozentsatz unter dem Einstiegskurs sein oder beim Durchbrechen einer bestimmten Kursmarke.

Dazu wollen wir ein Beispiel betrachten: Ein Anleger hat sich entschlossen eine Aktie beim Kurs von 50 Euro zu kaufen. Er hat aufgrund seiner Strategie für sich selbst festgelegt, dass er die Titel bei einem Kursverfall auf 45 Euro wieder abstoßen will. Er sichert sich also mit einer Stop-Loss-Order 5 Euro unter dem Einstiegskurs ab. Damit verliert er mit jeder Aktie 5 Euro, wenn die Stop-Loss-Marke gerissen wird. Da man mit seiner Position insgesamt höchstens 1.000 Euro verlieren will, kann man also 200 Aktien (1.000 Euro geteilt durch 5 Euro) im Gesamtwert von 10.000 Euro (200 mal 50 Euro) kaufen.

Grenzen des Money-Management

Es gibt zahlreiche unterschiedliche Modelle für das Money-Management. Diese Variante ist also nur eine von vielen. Man sollte aber das Money-Management nicht als die Lösung der Probleme feiern. Bei der aufgeführten Methode lässt sich natürlich bemängeln, dass die Positionsgröße eine sehr starke Abhängigkeit von der gewählten Stop-Loss-Grenze zeigt. Je dichter man die Stop-Loss-Order an den Einstiegskurs setzt, desto größer wird die Stückzahl der zu kaufenden Aktien, weil der maximale Verlust pro Aktie kleiner wird. Dadurch kann es bei sehr enger Setzung des Stop-Loss zu absurden Positionsgrößen führen.

Außerdem ist es ein Irrglaube, dass das Gesamtrisiko auf Dauer reduziert werden kann, wenn man die Stop-Loss-Grenze näher an den Einstiegskurs heran setzt. Denn man riskiert zwar weniger pro Aktie, im gleichen Maße erhöht sich jedoch das Risiko, dass wegen der Kursschwankungen die Stop-Loss-Order auch ausgelöst wird und die Verluste realisiert werden. Durch den Verkauf der Aktien verschwindet die Chance auf Erholung des Kurses. Andersherum werden Stop-Loss-Orders, die weit unter dem Einstiegskurs liegen, zwar tendenziell seltener ausgelöst (weil die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass der Kurs vor Erreichen des Stop-Loss-Niveaus noch nach oben dreht) dafür fallen die Verluste dann dementsprechend größer aus. Man reduziert also mit einer engen Stop-Loss-Setzung nur das riskierte Kapital einer einzelnen Position, nicht aber nachhaltig das Gesamtrisiko, bei wiederholter Umsetzung der Strategie. Das Verständnis dieser Tatsache ist sehr wichtig.

Grundsätzlich sollte man Money-Management aber auf jeden Fall insoweit betreiben, als dass man sich Gedanken über die Aufteilung seines Kapitals macht und sich im Klaren darüber ist, wie viel Geld man aufs Spiel gesetzt hat. Auch wenn die Einhaltung fester Regeln wie „Der Verlust pro Position darf nur 1% des Depotvolumens betragen“ nicht dauerhaft für niedrigeres Gesamtrisiko sorgen wird, sollte man sich damit Auseinandersetzen, wie viel Kapital man mit seinen Anlagen aufs Spiel setzt, um die Risikostruktur des eigenen Portfolios im Auge zu behalten. Es sollte nie mehr riskiert werden, als man zum jeweiligen Zeitpunkt entbehren kann.