Die meisten Leute denken an Aktien, wenn sie das Wort „Börse“ hören. Tatsächlich werden aber an den Börsenplätzen in aller Welt auch unzählige andere Anlageprodukte gehandelt. Zu den wichtigsten Anlageklassen (Assetklassen) gehören neben Aktien auch Anleihen, Fonds, Derivate, CFD’s, Währungen (Devisen) und Rohstoffe. Sie können mit den Produkten dieser Anlageklassen so gut wie alle erdenklichen Ertragsstrukturen und Risikoprofile erreichen. Mit anderen Worten: Durch das Kombinieren verschiedener Produkte, können Sie an der Börse die meisten Vermutungen, die Sie über zukünftige Entwicklungen anstellen, handeln und sie in Geld umsetzen, falls sich ihre Vermutung als richtig erweist. Ein Gut ist dann an der Börse handelbar, wenn die Attribute vieler anderer sehr ähnlich oder gleich sind, wenn es sich also standardisieren lässt. So kann beispielsweise Silber nur sinnvoll gehandelt werden, solange stets die gleiche Reinheit garantiert ist und Kakao muss jederzeit eine zumindest ähnliche Qualität aufweisen. Innerhalb der Assetklassen gibt es verschiedene Untergruppen von Finanzinstrumenten. So lassen sich Anleihen zum Beispiel grob in Staatsanleihen und Unternehmensanleihen unterteilen. Hier

ANZEIGE

Aktien

Ein Unternehmen hat die Möglichkeit durch ein „Initial Public Offering“ (IPO) an der Börse Aktien auszugeben. Durch die Herausgabe von Anteilen des Unternehmens erhält der Emittent Eigenkapital. Dafür hat der Käufer der Aktie ein Mitspracherecht, das seinem Anteil am Unternehmen entspricht und kann gegebenenfalls von Wertsteigerungen dieses Anteils und Dividendenzahlungen profitieren. Die verschiedenen Aktientypen sind im Wissensfeld „Was ist an der Börse überlebensnotwendig“ definiert.

Anleihen

Die zweite Möglichkeit eines Unternehmens sich zu refinanzieren, also Geld für seine Investitionsprojekte zu erlangen, besteht über Fremdkapitalfinanzierung. Die bekannteste Variante sind Anleihen, die auch unter den Namen Rentenpapiere, Schuldverschreibungen, Obligationen, Pfandbriefe und Bonds bekannt sind. Mit dem Kauf einer Anleihe wird dem Gläubiger eine Geldforderung gegenüber dem Schuldner (Herausgeber, Emittent) verbrieft. Die Höhe der Schulden ist dabei ebenso wie die Höhe der Kupons, also der Zinszahlungen vorher festgelegt. Da der Käufer – anders als bei einer Aktie – kein Eigentümer wird, wird er bei Zahlungsschwierigkeiten des Schuldners vorrangig behandelt. Die wichtigsten Typen von Anleihen sind Staatsanleihen und Unternehmensanleihen.

Fonds

In einen Fonds zahlen Anleger Geld ein, die eine bestimmte Investmentstrategie verfolgen wollen, welcher sich der jeweilige Fond verschrieben hat. Jedem Anleger gehört damit ein Anteil des Gesamtvermögens des Fonds. Die Fondsmanager versuchen das ihnen anvertraute Geld so gewinnbringend wie möglich anzulegen. Dabei gehen diese nach der vorher festgelegten Strategie des Fonds vor und handeln somit entsprechend der Risikobereitschaft der beteiligten Anleger. Fonds können daher sehr unterschiedliche Strukturen aufweisen und aus verschiedenen Anlageprodukten aufgebaut sein. So gibt es unter anderem Aktienfonds, Rentenfonds, die aus festverzinslichen Wertpapieren wie Anleihen bestehen, Immobilienfonds oder Rohstofffonds. Die Besitzer von Fondsanteilen können dadurch auf verschiedenste Arten an der Entwicklung von Rohstoffmärkten, einzelnen Branchen, Staaten oder bestimmten Regionen partizipieren.

Eine wichtige Unterart der Fonds sind die „Exchange Traded Funds“ (ETFs). Diese Fonds sind börsengehandelt, ihre Anteile können also jederzeit an einem Handelsplatz gekauft oder verkauft werden. Mit ETFs werden unterschiedlichste Indizes aus allen Assetklassen „nachgebaut“, indem die enthaltenen Aktien oder Anleihen nach bestimmten Kriterien zusammengefasst werden. So kann man beispielsweise mit einem DAX-ETF an der Entwicklung der 30 DAX-Unternehmen teilhaben und zwar genau so, wie sie im DAX gewichtet sind. Der Kurswert eines ETFs wird während der Handelszeiten laufend neu berechnet und entwickelt sich im Gleichschritt mit dem zugrundeliegenden Index. Damit sind ETFs transparente und diversifizierte Anlageprodukte, mit denen man zum Beispiel gezielt in bestimmte Branchen oder Regionen investieren kann. Auch sind die Verwaltungsgebühren meist wesentlich niedriger als bei Investmentfonds, da es bei ETFs kaum Eingriffen von Fondsmanagern bedarf. Der Fonds muss also aufgrund seiner vorgegebenen Struktur nur passiv gemanaged werden.

Bei Investmentfonds treffen die Fondsmanager dagegen aktiv Anlageentscheidungen um die Performance zu optimieren. Man kann sich diese Fonds vereinfacht als großen Topf vorstellen, in den Investoren Einzahlungen leisten. Die Fondsmanager haben vorher festgelegte Anlagegrenzen, nach denen sie das Fondsvermögen mit vielfältigen Anlagestrategien in verschiedene Wertpapiere investieren.

Derivate

Derivative Anlagen gewinnen in der Börsenwelt laufend an Bedeutung. Es handelt sich hierbei um spekulative Verträge, die an die Wertentwicklung von Anlageprodukten aus anderen Assetklassen geknüpft sind und meistens eine feste Laufzeit haben. Ein Derivat (vom lateinischen „derivare“ für ableiten) ist also ein Finanzinstrument, das sich in der Struktur von seinem Basiswert ableitet. Der Basiswert , der international als „Underlying“ bezeichnet wird, kann dabei praktisch jedes andere Anlageprodukt sein. So haben zum Beispiel Kupferderivate den Basiswert Kupfer, dessen Wertentwicklung dann je nach Art des Derivates maßgeblich für den Wert des Kupferderivates ist.

Das besondere an derivativen Produkten ist der Hebeleffekt (Leverage-Effekt). Im Vergleich zu den bisher besprochenen Anlageklassen, benötigt man einen verhältnismäßig geringen Kapitaleinsatz. Kauft man beispielsweise ein Hebelprodukt mit dem Hebel fünf, muss man nur ein Fünftel des gesamten Kapitals selbst stemmen, während die anderen 80% fremdfinanziert sind. Der Hebel fünf bewirkt nun, dass bei richtiger Markteinschätzung, der Gewinn der mit dem Derivat erzielt werden kann, fünfmal stärker wächst als ohne Hebel, da der Gewinn auf fünfmal so viel Geld ausfällt, wie das eigens aufgebrachte Kapital. Investiert man also 20 Euro Eigenkapital in ein Derivat mit Hebel fünf, sind weitere 80 Euro fremdfinanziert. Steigt der Wert des Underlyings um 10%, machen sie einen absoluten Gewinn von 10% von 100, also 10. Das Derivat hebelt ihre Eigenkapitalrendite also auf (10/20 =) 50%. Dementsprechend verhält es sich aber auch mit den möglichen Verlusten: Sie erhöhen sich auf das fünffache. Es steigen also sowohl die Renditechancen als auch das Risiko.

Derivate werden auch Termingeschäfte genannt und können börslich und außerbörslich gehandelt werden, wobei nicht standardisierte Termingeschäfte nur außerbörslich handelbar sind. Termingeschäfte weisen eine enorme Strukturvielfalt auf und sollten nur von fortgeschrittenen Anlegern gehandelt werden, die diese Strukturen verstehen. Die Produktpalette erstreckt sich von Zertifikaten und Aktienanleihen über Hebelprodukte wie Knockouts und Optionsscheine, bis hin zu Futures und Optionen. Auch „Contracts for Difference“ (CFDs) sind derivative Anlagen, die jedoch transparenter sind, da sie eins zu eins die Entwicklung des Basiswertes abbilden und keine feste Laufzeit haben. Durch CFDs kann mit geringem Kapitalaufwand auf steigende oder fallende Kurse von Indizes, Aktien, Rohstoffen, Devisen und Anleihen gesetzt werden. Wenn man als Einsteiger Produkte mit Hebel handeln will, empfiehlt es sich, mit CFDs zu starten. Bei allen Derivaten müssen sich Anleger jedoch des Risikos bewusst sein, einen Totalverlust zu erleiden.

Devisen

Devisenhandel ist der Handel mit Währungen, genauer gesagt mit Währungspaaren. Die Transaktionen bestehen stets aus dem Kauf einer Währung und dem zeitgleichen Verkauf einer anderen. Sie werden am „Foreign Exchange Market“ (FOREX) gehandelt und erreichen täglich riesige Umsatzvolumina. Der Devisenmarkt ist einer der liquidesten Märkte. Nahezu das gesamte Volumen wird dabei von institutionellen Investoren wie Zentralbanken, Geschäftsbanken und Maklern umgesetzt. Devisen können fünfeinhalb Tage pro Woche durchgehend gehandelt werden. Die vier wichtigsten Währungspaare sind in dieser Reihenfolge Euro zu US-Dollar (EUR/USD), US-Dollar zu Japanischer Yen (USD/JPY), Britische Pfund zu US-Dollar (GBP/USD) und US-Dollar zu Schweizer Franken (USD/CHF).

Zu Devisenhandel folgendes Szenario zur Verdeutlichung: Wenn der Euro zu 1,4000/1,4001 US-Dollar notiert bedeutet das zum Beispiel, dass das Währungspaar beim Kauf 1,4001 kostet und beim Verkauf 1,4000 wert ist. Vermutet man, dass der Euro steigen wird kauft man und zahlt 1,4001. Bewahrheitet sich die Vermutung und der Euro steigt auf 1,4025/1,4026 US-Dollar so kann mit dem Verkauf bei 1,4025 einen Gewinn von 24 Pip’s (percentage in points) einstreichen.