WERBUNG

Bei einer Präsenzbörse handeln die Broker am Börsenparkett direkt miteinander und mit Kursmaklern. Bei einer elektronischen Börse geben die Händler ihre Orders von ihrem Computer aus ein.Auch Privatanleger können über Internet-Broker selbst auf diesen elektronischen Handelsplattformen handeln, ohne einen klassischen Broker zwischenschalten zu müssen. Im Folgenden werden die elektronischen Handelssysteme der Deutschen Börse für Kassa- und Terminhandel kurz beschrieben. Zum einen sind diese Systeme repräsentativ für alle anderen Plattformen, und zum anderen ist die Deutsche Börse in diesem Bereich mit ihren elektronischen Systemen Marktführer. Neben Frankfurt wird unter anderem auch an der Nasdaq und der Börse Stuttgart voll elektronisch gehandelt.

Xetra

»Xetra« ist der Name für das Handelssystem des Kassamarktes der Deutschen Börse; es wird auch an der Wiener Börse verwendet. Das Kürzel Xetra steht für »Exchange Electronic Trading« und ist gleichzeitig mit der »Nasdaq« ein Synonym für die Elektronisierung und Internationalisierung des Wertpapierhandels. Die Xetra wurde im November 1997 in der ersten Version an der Frankfurter Wertpapierbörse eingeführt und gilt als die weltweit leistungsfähigste und flexibelste Systeminfrastruktur für den vollelektronischen Handel von Wertpapieren. Das so gut wie ausfallsichere Xetra arbeitet unabhängig vom Standort des Händlers und gestattet Einsicht in das Orderbuch, in dem Kauf- und Verkaufsangebote abgebildet sind. In diesem System können je nach Segment Aktien, Anleihen, Optionsscheine, Zertifikate und Rohstoffe gehandelt werden. Es stellt Kauf- und Verkaufsaufträge lizenzierter und geprüfter Händler in einem vollelektronischen Orderbuch dar. Während des laufenden Handels (sogenannter Fließhandel) prüft das Handelssystem jede Kauf- und Verkaufsorder und führt diese sofort aus, sobald ein passendes Gegenangebot vorliegt. In fortlaufenden oder Einzel-Auktionen, je nach Segment, wird für alle offenen Orders der Preis, der den größten Umsatz ermöglicht, ermittelt, wodurch auch bei weniger liquiden Wertpapieren ein relativ effizienter Handel mit immerhin gelegentlich ausreichenden Volumina gewährleistet werden kann. Auf der Xetra werden aber nicht nur Aktien gehandelt, sondern je nach Segment auch Anleihen, Rohstoffe, Fonds und nicht standardisierte Derivate wie Optionsscheine, Turbo- und andere Anlage-Zertifikate. Im Bereich der Warrants (Optionsscheine) und Zertifikate steht die Deutsche Börse in Konkurrenz zur Stuttgarter Börse, die mit ihrem ebenfalls vollelektronischen Handel einen hohen Anteil der Volumina binden kann und auch den Schweizer Markt bearbeitet.

Eurex

Die elektronische Terminbörse Eurex ist Weltmarktführer bei Handel und Abwicklung von Futures und Optionen auf Aktien, Aktienindizes, Exchange Traded Funds sowie Kapital- und Geldmarktprodukte. Die Eurex ist ein Joint Venture zwischen der Deutschen und der Schweizer Börse. Sie entstand 1998 aus der Fusion der Deutschen Terminbörse und der Schweizer Terminbörse »Soffex«. Der Derivatehandel wird dabei über eine vollintegrierte, elektronische Handels- und Clearing-Plattform vollzogen. Der damit verbundene dezentralisierte und standardisierte Marktzugang ermöglicht einen weltweiten Zugriff auf das System, ähnlich wie bei Xetra. Mehr als 400 Teilnehmer handeln an über 700 Orten weltweit, wobei mehr als 1,9 Milliarden Kontrakte im Jahr 2010 erreicht wurden. Dabei zeichnet sich die Eurex durch eine moderne Systemarchitektur, hohe Verfügbarkeit und niedrige Transaktionskosten aus. Einerseits werden ebenfalls Optionen und Futures auf Aktien und Indizes gehandelt, andererseits aber auch Derivate auf Anleihen und Zinssätze, die aktuell das größte Volumen ausmachen. So werden neben Derivaten auf europäische Aktien und Indizes Optionen und Futures auf europäische Treasuries wie etwa »Bund« (Bundesanleihe mit 8,5- bis 10,5-jähriger Laufzeit), »Bobl«, »Schatz« und »Buxl« gehandelt. Aber auch auf die verschiedenen Euribor-Sätze werden Derivate an der Eurex getradet.

Die Eurex hat zusätzlich eine Niederlassung in den USA gegründet. Hier werden neben den europäischen Produkten auch Futures und Optionen auf nord- und südamerikanische Zinssätze und Anleihen sowie Währungs-Futures gehandelt. Die US-Konkurrenz ist allerdings mit den drei größten amerikanischen Terminbörsen CME (Chicago Mercantile Exchange), CBOT (Chicago Board of Trade) und NYMEX (New York Mercantile Exchange), an denen neben US-Treasuries auch Rohstoffe wie Öl, Weizen, Holz und Rind gehandelt werden, relativ mächtig. Die US-Terminbörsen verfügen dabei sowohl über einen Präsenz- als auch über einen vollelektronischen Handel, der allerdings seit der Eröffnung der Eurex US vorangetrieben wird. Für Privatkunden ist über Internet-Broker der gesammelte Zugriff auf verschiedene elektronische Terminbörsen (Eurex, CME, CBOT usw.) zu relativ günstigen Spesen möglich.