Ölanalyst Dr. Steffen Bukold, den wir in der Ausgabe 24 des Rohstoff-Reports interviewten, bringt eine weitere Perspektive bei der Bewertung des Ölpreises ein. Vier Modelle zur Analyse des Ölpreises wechseln sich ab: Makromodelle, die versuchen, von der konjunkturellen Entwicklung auf die Ölnachfrage zu schließen, technische Modelle, die nach Chartmustern den Ölpreis prognostizieren, wobei auch Trendfolgemodelle hierzu gehören, Terminmarktmodelle, die zwischen Contango und Backwardation abwägen und auch die Positionierungen der kommerziellen und spekulativen Marktteilnehmer analysieren und schließlich Fundamentalmodelle, die derzeit am wenigsten beachtet werden, denn das hohe Angebot und die vollen Lagerbestände müssen eigentlich zu einer Korrektur des Ölpreises führen beziehungsweise hätten diesen erst gar nicht so hoch steigen lassen. Technische und Makromodelle hält Bukold derzeit für die relevantesten, wenn es darum geht, die Ölpreise zu erklären. Sprich: Die positiven Konjunkturerwartungen und die einfache Tatsache, dass im Ölpreis seit Anfang dieses Jahres ein Aufwärtstrend vorliegt sprechen für den Ölpreis. Perspektivisch für das Jahr 2010 bedeutet dies: Wenn das Momentum der Konjunkturentwicklung nachlässt, dürfte der Ölpreis nachgeben. Wenn bei der Konsolidierung sogar der Aufwärtstrend gebrochen wird, dürfte es zu einer ausgewachsenen Korrektur kommen, wenn trendfolgende Hedgefonds und andere kapitalstarke Investoren Öl abstoßen. Bei Erdöl steht noch das wellentechnische Kursziel von 90 US-Dollar/Barrel aus. Dieses kann weiterhin erreicht werden. Das Ziel für das Jahr 2010 sehen wir bei 50 Dollar, möglicherweise sogar darunter.