München (BoerseGo.de) - Eine Wiedereinführung der D-Mark ist zwar ein sehr unwahrscheinliches Szenario. Sie würde wohl den Euroraum vollständig auseinanderbrechen lassen. Auch ein isolierter Austritt Deutschlands bei Fortbestand des Euro ist politisch und wegen der zentralen Rolle Deutschlands als Garantiegeber unrealistisch. Doch angesichts immer neuer Forderungen nach Hilfsleistungen sind immer mehr Bürger der Meinung, lieber ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende.

    Solchem Wunschdenken hat nun der Versicherungskonzern Allianz einen Riegel vorgeschoben. Bereits die Erwartung einer Auflösung des Euro würde die ohnehin schon hohen Refinanzierungskosten der stark verschuldeten EWU-Länder dramatisch erhöhen und rasch stünde deren Zahlungsfähigkeit in Frage, schrieb Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise in einem Gastbeitrag für die Zeiung „Die Welt“.

    Der Ökonom sieht im Falle eines Zerfalls der Euro-Zone und einer Rückkehr zur D-Mark dramatische Folgen auf Deutschland zukommen. Dies würde Deutschland einen erheblichen Teil seines Wohlstands kosten und zu einer Abwanderung von Arbeitsplätzen führen, so Heise. Die Aufwertung von bis zu 20 Prozent würde deutsche Produkte im Ausland verteuern und den Export um bis zu 20 Prozent senken. Unternehmen würden ihre Standortentscheidungen überdenken, die Schließung von Produktionsstätten könnte die deutsche Wirtschaft erheblich belasten.

    Zusammen mit dem Einbruch der Konjunktur und der Bankenkrise im europäischen Ausland wäre in Deutschland auf Sicht von zwei Jahren nach Wiedereinführung der D-Mark mit einem kumulierten Rückgang des Wirtschaftswachstums von etwa 15 Prozent zu rechnen. Alles in allem sei davon auszugehen, dass die deutsche Wirtschaft auf Sicht von vier bis fünf Jahren nach Auseinanderbrechen der Währungsunion Produktionsverluste von bis zu 25 Prozent im Vergleich zu einer normalen wirtschaftlichen Entwicklung erleide. Erst in einem langfristigen Szenario könnte der jetzige Standard wohl wieder erreicht werden. „Es ist keine Panikmache, wenn behauptet wird, dass ein Auseinanderbrechen der Währungsunion ein weitaus stärkerer Schock als die Lehman-Krise wäre“, resümiert Heise.