Externe Quelle: Invesco

In vielfacher Hinsicht haben sich die im März begonnenen Trends im April fortgesetzt – angefangen von den anhaltend düsteren Konjunkturdaten über die erneute Herabsenkung der Wachstumsprognosen in den großen Volkswirtschaften bis zum ebenso stark in die andere Richtung tendierenden Trend an den Arbeitsmärkten. Inzwischen hat die Arbeitslosigkeit im Euroraum mit knapp 9% schon fast wieder das Niveau erreicht, auf dem sie kurz vor Ende der letzten Rezession lag. Die Kreditverknappung hält an und betrifft vor allem Bankkredite, Kreditmärkte und Kreditverbriefung. Die Verschuldung der privaten Haushalte steigt zwar zumindest nicht mehr weiter an, doch der Sparzwang dämpft den Konsum.

Auch auf die im April veröffentlichten Nachrichten reagierten die Anleger ähnlich wie im März. Trotz der anhaltend schlechten Unternehmens- und Konjunkturnachrichten setzten die Märkte ihre Rally fort. Besonders auffällig war die Marktreaktion auf die Veröffentlichung der Wachstumszahlen für die US-Wirtschaft im ersten Quartal: Obwohl die tatsächliche Wachstumsrate noch schwächer ausfiel als erwartet (-6,1%), nahmen die Aktienmärkte diese Nachricht sehr positiv auf – vermutlich, weil einige BIP-Komponenten auf eine Verlangsamung des Abschwungs hindeuteten. In den zwei Monaten seit Erreichen ihres Tiefpunkts am 9. März haben die Aktienmärkte der Euroraum um 36% zugelegt (DJ EuroStoxx 50). Während die defensiven Branchen etwas hinterherliefen, gehörten Unternehmen mit schwächeren Bilanzkennzahlen und höheren Verschuldungsquoten zu den großen Gewinnern: So konnten die Bankaktien aus dem Euroraum einen Zugewinn von 117% verbuchen, während sich die Telekomwerte mit einem Plus von 9% abfinden mussten (in Euro, vom 9. März bis 8. Mai).

Derart extreme Ausschläge in einer derart kurzen Frist haben den Markt in zwei Lager gespalten. Das Dilemma der Anleger fasst die folgende Frage treffend zusammen: „Handelt es sich um eine Bärenmarktrally oder um den Beginn eines neuen Bullenmarktes?“ Der Unterschied liegt nicht nur in der Wortwahl. Von einer Bärenmarkt ally, die zumeist kurz und heftig ausfällt, können nur sehr aktive Marktakteure profitieren. Ein Bullenmarkt hingegen bietet langfristig orientierten Investoren die Möglichkeit, an den Markt zurückzukehren. Bislang nehmen die institutionellen Investoren noch keine neuen Risiken in Form von höheren Aktienmarktbeteiligungen in ihre Portfolios. Die jüngsten Daten des Investment Company Institute zeigen sogar, dass die institutionellen Investoren in den USA ihre Geldmarktallokation bis zum 24. April sogar noch ausgebaut haben: Zwei Monate nach Beginn einer eindrucksvollen Aktienmarktrally erreichte das verwaltete Vermögen der Geldmarktfonds ein Allzeithoch. Da diese Entwicklung inzwischen zwei Monate alt ist, dominiert in den Marktkommenta ren genauso wie in der Portfolioausrichtung jetzt wieder die Skepsis. Schließlich entspricht ein Zugewinn von 36% innerhalb von zwei Monaten einer annualisierten Performance von 550%. Immer, wenn ein Markt die „Klagemauer“ überwindet, erscheint der Aufschwung greifbar. Andersherum ausgedrückt: Wer nur bei Schönwetter investiert, tut alles, um so wenig Geld wie möglich zu verdienen.

In den kommenden Monaten erscheint eine Atempause wahrscheinlich. Obwohl auf eine Übertreibung nach unten eine Übertreibung nach oben folgte, könnte dies mehr als ein sogenannter „dead cat bounce“, ein kurzes Aufbäumen der Kurse, sein. Die Rückkehr der langfristigen Investoren kann eine neue Phase am Aktienmarkt einläuten. Einen nachhaltigen Markttrend ohne Beteiligung langfristiger Investoren gibt es nicht. Anfang Mai war davon aber noch nichts zu sehen.

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