Frankfurt (BoerseGo.de) - Schwache US-Quartalszahlen haben den Anlegern am deutschen Aktienmarkt am Freitag die Stimmung verhagelt. Nachdem am Vormittag mit rund 5.885 Punkten noch ein neues Jahreshoch erreicht wurde, drehte der Leitindex DAX ins Minus und ging mit einem Abschlag von 1,50 Prozent auf 5.743,39 Punkte aus dem Handel.

    Die Anleger bewegt weiterhin die Frage, ob die konjunkturelle Erholung geradlinig verläuft oder ob mit weiteren Einbrüchen zu rechnen ist. Während die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose für das kommende Jahr von 0,5 Prozent auf 1,2 Prozent angehoben hat, kommen von der US-Konjunktur weiterhin gemischte Signale. Das US-Wirtschaftsministerium meldete am Freitag, dass die Industrieproduktion im September um 0,7 Prozent gestiegen ist. Der Konsumklimaindex der Uni Michigan ging hingegen im Oktober überraschend zurück.

    Mit einem Minus von 3,01 Prozent gehörten die Aktien der Commerzbank am Freitag zu den größten Verlierern im DAX. Die Bank rechnet für das zweite Halbjahr 2009 mit zunehmenden Kreditausfällen im Mittelstandsgeschäft. Zudem wurden die am Nachmittag vorgelegten Quartalszahlen der Bank of America auch in Frankfurt enttäuscht aufgenommen. Die Bank of America musste im dritten Quartal einen Nettoverlust von 2,24 Milliarden Dollar bzw. 26 Cents je Aktie hinnehmen. Die weiterhin sehr hohen Abschreibungen auf US-Verbraucherkredite nähren zudem die Befürchtung, dass die größte Volkswirtschaft der Welt die konjunkturelle Talsohle noch nicht erreicht hat. Die Aktien der Deutschen Bank notierten 2,76 Prozent leichter.

    Die Papiere von Siemens und Infineon wurden unterdessen von Zahlen der US-Branchenkollegen General Electric und IBM mit in die Tiefe gezogen, obwohl der Gewinn jeweils besser ausfiel als erwartet. Sorgen bereitet den Analysten allerdings der bei beiden US-Unternehmen gesunkene Umsatz. Die Infineon-Aktien verloren 2,71 Prozent auf 3,76 Euro, während Siemens um 2,76 Prozent auf 66,56 Euro abgaben.

    Hausgemacht ist der Einbruch der Volkswagen-Vorzugsaktien um 6,25 Prozent. Der Wolfsburger Autohersteller will im Rahmen einer Kapitalerhöhung 135 Millionen neue Vorzugsaktien begeben, was die Gewinnbeteiligung der bisherigen Aktionäre mindert. Mit den im DAX gelisteten VW-Stammaktien ging es am Freitag um 1,95 Prozent nach unten. Um 0,38 Prozent konnten hingegen die MAN-Aktien zulegen. Spekulationen zufolge könnte VW einen Teil der Einnahmen aus der Kapitalerhöhung auch für einen Ausbau der Beteiligung an dem Lastwagenbauer verwenden, heißt es am Markt. Größter Gewinner im DAX waren am Freitag die defensiven Fresenius-Aktien, die sich um 0,62 Prozent auf 40,65 Euro verteuerten.

    Im TecDAX verzeichneten am Freitag die Solarunternehmen kräftige Abschläge.

    Im MDAX stieg der Kurs von IVG Immobilien um 5,77 Prozent. In den vergangenen Wochen seien Gebäude im Wert von insgesamt ca. 470 Millionen Euro an private und institutionelle Investoren veräußert worden, teilte das Unternehmen mit. Der Verkauf diente der Liquiditätssicherung. Für 2010 strebt die Immobiliengesellschaft wieder eine Expansion an.

    Einen regelrechten Absturz erlebten in der zweiten Reihe die Funkwerk-Aktien, die mehr als 15 Prozent einbüßten. Das Unternehmen rechnet nicht mehr mit einer wirtschaftlichen Erholung im zweiten Halbjahr, nachdem ein wichtiger Großauftrag aus dem Ausland offenbar ausbleibt. Unter Berücksichtigung aller Risiken erwartet man für 2009 nun einen Rückgang des Konzernumsatzes auf etwa 230 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte das Unternehmen noch 290,2 Millionen Euro umgesetzt. Außerdem wird jetzt mit einer Ausweitung des operativen Verlustes (EBIT) auf bis zu 19 Millionen Euro gerechnet.