Frankfurt (BoerseGo.de) - Der Erholungsprozess am deutschen Aktienmarkt war am Vormittag ins Stocken geraten, inzwischen scheint sich das Blatt aber wieder zu wenden. Die Börsen in Europa und den USA verarbeiten derzeit immer noch den gewagten Coup der US-Notenbank vom Mittwochabend.
    Bei der Beurteilung des Maßnahmenspakets haben sich inzwischen gleich zwei Gegenfronten aufgebaut. Die eine Front erklärt, das sei noch zu wenig, die Fed müsse noch viele mehr Geld in den Markt pumpen. Die andere Front behauptet dagegen, das sei schon viel zu viel und das Ganze schüre nur die Inflation. Die „viel-zu-wenig-Fraktion“ übersieht allerdings, dass die neuen Maßnahmen Teil einer umfangreichen wirtschaftspolitischen Gegensteuerung sind, die schon allmählich zu wirken zu beginnen scheint. Jedenfalls haben sich die konjunkturellen Aussichten wieder etwas aufgehellt . Der Erfolg der Rezessionsbekämofung zeigt sich bereits in fallenden US-Hypothekenzinsen , steigenden Bankgewinnen und Zuwächsen beim US-Hausbau. Konjunktursensible Rohstoffe wie etwa Öl (Crude), Kupfer oder Weizen reagieren mit kräftig steigenden Preisen.
    Die „viel-zu viel-Fraktion“ übersieht wiederum, dass die Fed sehr volatil ist, das heisst, die USD-Notenbank kann ihre Politik sehr schnell wieder umkehren und sie tut es auch, wie die Vergangenheit gezeigt hat. Inflation entsteht nur dann, das wird in der Empirie hinreichend belegt, wenn die Geldmenge (Guthaben von Unternehmen und privaten Haushalten) längere Zeit wesentlich stärker wächst als das Angebot an Gütern und Dienstleistungen. Das können die Notenbanken aber stoppen. Im Moment geht es um eine Initialzündung um den Wirtschaftsprozess nachhaltig in Gang zu bringen, nicht mehr und nicht weniger.
    Da es die Fed vielen offenbar nicht recht machen kann, zeigten sich die Aktienmärkte heute früh etwas unschlüssig. Momentan scheint aber die Einsicht in den Erfolg der Wirtschaftspolitik wieder zuzunehmenden. Der DAX gewinnt zur Mittagsstunde jedenfalls 0,9 Prozent auf 4.080 Punkte.

    Der Blue Chipindex wird von Bayer angeführt. Die Pharmaaktie wird derzeit stark von der US-Arzneimittelbehörde beeinflusst. Heute belebt die Nachricht, ein Beratergremium der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA habe sich positiv zum Bayer-Präparat Rivaroxaban geäußert Erst am Mittwoch gab es Bayer einen Kurseinbruch, weil sich die genannte Behörde noch negativ zu diesem Präparat geäußert hatte. Dabei geht es um die Chancen einer lukrativen Markteinführung in den USA.
    Gefragt sind auch die Stromerzeuger E.ON und RWE.

    Raus aus der Defensive

    Auffällig ist, dass die als defensiv geltenden Papiere von Fresenius Medical Care weiterhin auf den Verkaufslisten stehen. Die Deutsche Lufthansa leidet unter den scharf anziehenden Kerosinpreisen.
    Verkauft werden auch die Papiere der Deutschen Telekom. Die Credit Suisse degradierte den Dienstleister von „Neutral“ auf „Outperform“. Die Schweizer äußerten sich skeptisch zum US-Geschäft der Bonner.

    Im MDAX werden Lanxess zurückgekauft. Die Aktie des Spezialchemiekonzerns waren noch am Mittwoch - wegen schwacher Geschäftszahlen und einer Dividendenkürzung - eingebrochen.
    Wie schon gewohnt wird der TecDAX von Smartrac (Radio Frequency Identification-Komponenten), Rofin Sinar (Laser) und den Solarwerten Q-Cells und Solarworld angeführt. Sal. Oppenheim hatte bereits gestern die Kaufempfehlung für Smartrac bekräftigt. Das Unternehme erschließe erolgreich neue Wachstumsmärkte (etwa Elektronisch Papier Tickets). Bereits im Februar erhielt das Technologieunternehmen eine Zertifizierung durch Mastercard.