Frankfurt (BoerseGo.de) - Die Aktie der Deutschen Bank schießt im frühen Handel mit mehr als sieben Prozent auf 35,21 Euro in die Höhe. Der deutsche Branchenprimus kündigte am Montagabend an, sein Kapital um 2,8 Milliarden Euro erhöhen zu wollen. Am frühen Dienstagvormittag platzierte das Institut im Schnellverfahren 90 Millionen Aktien zu 32,90 Euro und nahm damit brutto 2,96 Milliarden Euro ein. 


    Für Aktionäre ist eine Kapitalerhöhung wegen des Verwässerungeffekts der gehaltenen Anteile meistens kein Grund zur Freude: Doch dank dieses Schrittes ist das aus Sicht der Bank so leidige Thema der Kapitalausstattung vorerst vom Tisch: Die harte Kernkapitalquote erhöhte sich nach der Kapitalmaßnahme auf 9,5 Prozent. Als Richtwert für eine gesunde Bankbilanz gilt eine Kernkapitalquote von mindestens sieben Prozent. Nun sind aber auch die strengeren Eigenkapitalanforderungen nach Basel III locker einzuhalten,was die Anleger honorieren. Deutschlands größte Bank werde mit Hilfe der Kapitalerhöhung im direkten Vergleich mit ihren weltweiten Wettbewerbern „zu einer der am besten kapitalisierten Banken“, freute sich Co-Chef Anshu Jain am Dienstag in einer Telefonkonferenz für Analysten.

    Analysten hatten der Bank ihre im Vergleich zu anderen Instituten schlechteren Kapitalquoten vorgehalten und damit die vergleichsweise schwache Entwicklung des Aktienkurses begründet. Nun wandelt sich die Sicht auf den deutschen Branchenprimus aber abrupt: So stuften die Experten der Crédit Suisse am Dienstag die Titel von „Underperform“ auf „Neutral“ hoch und erklärten dies mit der nun komfortablen Kapitalausstattung: „Dies sollte die jüngste Underperformance der Aktie der größten deutschen Bank beenden“. Auch JPMorgan setzte das Rating von „Neutral“ auf „Overweight“ nach oben. Die Analysten der Citigroup belassen den Schein auf der Einstufung „Buy“.

    Auch das Portfolio-Volumen der internen Bad Bank namens NCOU ist per Ende März auf 86 Milliarden Euro geschrumpft. Ende Dezember 2012 schlummerten noch 95 Milliarden Euro an risikobehafteten Wertpapiere, strukturierten Produkte sowie Krediten, die nicht mehr zum Kerngeschäft zählen, in der Bilanz der NCOU.

    Am Montagabend präsentierte die Deutsche Bank überraschend starke Quartalszahlen. Der Gewinn vor Steuern stieg auf 2,4 Milliarden Euro, ein Plus von 527 Millionen Euro oder 28 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Analysten hatten nur mit 1,7 Milliarden Euro gerechnet. Der Gewinn nach Steuern erreicht 1,7 Milliarden Euro, nach 1,4 Milliarden zuvor. Das Ergebnis je Aktie betrug 1,71 Euro. Die Eigenkapitalrendite nach Steuern erreicht damit im ersten Quartal 12 Prozent, verglichen mit 10 Prozent im ersten Quartal. Die Erträge legten leicht auf 9,4 Milliarden Euro zu.

    Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain betonte nach der Zahlenvorlage, dass er den Investoren wieder mehr Geld ausschütten kann. „Heute können wir sagen, dass der sogenannte Hungermarsch vorbei ist“, sagte er in der Telefonkonferenz.

    Derweil bestätigte Finanzvorstand Stefan Krause am Dienstag, dass der geplante Stellenabbau im Investmentbanking abgeschlossen ist. Der Konzern hatte im Juli Pläne zur Streichung von 1.900 Arbeitsplätzen, davon 1.500 im Investmentbanking, öffentlich gemacht. Insgesamt beschäftigte der Konzern Ende März knapp 98.000 Mitarbeiter und damit 2.888 weniger als ein Jahr zuvor.