Athen (BoerseGo.de) – Die griechische Wirtschaft wird in diesem Jahr wohl deutlich stärker schrumpfen als vorhergesagt. Nach Angaben von Finanzminister Evangelos Venizelos werde die Wirtschaft um über fünf Prozent einbrechen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters am Samstag. Offiziell war bisher nur mit einem Rückgang der realen Wirtschaftsleistung um 3,8 Prozent gerechnet worden. Dass dieses Ziel nicht erreicht werden dürfte, hatten Beobachter aber schon länger vermutet. Im zweiten Quartal war die griechische Wirtschaftsleistung um annualisiert 7,3 Prozent eingebrochen, nach minus 8,1 Prozent im ersten Quartal. Damit steigt die Gefahr, dass Griechenland die vereinbarten Sparziele nicht einhalten kann, womit die Voraussetzungen für eine Auszahlung der nächsten Hilfstranche aus dem ersten Rettungspaket und die Vereinbarung eines zweiten Hilfspakets möglicherweise nicht erreicht werden können.

Derweil ist am Freitag die Frist für die Erklärung der Investoren für einen teilweisen Forderungsverzicht bei griechischen Staatsanleihen abgelaufen. Laut Medienberichten wurde für 70 bis 80 Prozent der Staatsanleihen einem Umtausch zugestimmt. Obwohl die angestrebte Quote von 90 Prozent damit offenbar nicht erreicht wurde, soll die Umschuldung vorgenommen werden, berichtet die Neue Zürcher Zeitung. Die Investoren hatten die Wahl zwischen vier neuen Anleihen, in die ihre alten Anleihen getauscht werden können. Insgesamt sollen die Gläubiger auf 21 Prozent ihrer Forderungen verzichten.

Am Freitag hatten Spekulationen für Verunsicherung gesorgt, wonach die Bundesregierung die deutschen Banken auf einen griechischen Staatsbankrott vorbereiten will. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble dementierte inzwischen einen entsprechenden Bloomberg-Bericht. Auch Griechenland hatte die Gerüchte über einen bevorstehenden Staatsbankrott zurückgewiesen und sich zur Umsetzung der Sparmaßnahmen bekannt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat unterdessen zu mehr Geduld gegenüber Griechenland aufgerufen. "Was über Jahre versäumt wurde, kann nicht über Nacht behoben werden", sagte Merkel zum "Tagesspiegel am Sonntag". Griechenland müsse aber seinen Reformkurs fortsetzen. "Griechenland weiß, dass die Auszahlung der Kredite davon abhängt, dass es seine Auflagen erfüllt." Auch Finanzminister Schäuble bestätigte am Samstag erneut, dass Griechenland die Bedingungen bisher nicht erfüllt habe. Am Montag soll EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso in Berlin zu Gesprächen mit Merkel zusammentreffen.

Die CSU geht währenddessen immer offener auf Konfrontationskurs zur Bundesregierung. Euro-Staaten, die sich nicht an die Haushaltsdisziplin halten und dadurch die Währungsunion in Schwierigkeiten bringen, sollen nach CSU-Plänen künftig aus der Eurozone ausgeschlossen werden können. Einen entsprechenden Leitantrag für den nächsten CSU-Parteitag wolle die CSU-Führung am Montag beschließen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.