Athen/Frankfurt (BoerseGo.de) – Die internationale Kritik an dem in Griechenland geplanten Referendum über das neue Rettungsprogramm wächst. Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy bezeichnete das auf dem Euro-Gipfel ausgehandelte Programm als "einzigen Weg" aus der Schuldenkrise für Griechenland. Die Euro-Länder erwarteten Gegenleistungen für ihre Solidarität. Der Ankündigung des Referendums durch Premierminister Giorgios Papandreou habe "ganz Europa überrascht".

Weltbank-Präsident Robert Zoellick bezeichnete das Referendum als "risikoreichen Zug", der zu neuen Unsicherheiten an den Märkten führe.

Wegen der Zuspitzung der Lage wurde für Mittwoch ein Krisengipfel der sogenannten Frankfurter Runde in Cannes einberufen. Teilnehmen sollen neben Vertretern Griechenlands die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sowie die Spitzen von EU, EZB und IWF. In Cannes findet am Donnerstag und Freitag der G20-Gipfel statt.

Der griechische Premierminister Giorgos Papandreou hatte am Montagabend überraschend angekündigt, eine Volksabstimmung über den jüngsten Plan zur Griechenland-Rettung abhalten zu wollen. Beobachter befürchten, dass die Griechen mehrheitlich gegen den Plan stimmen werden. Dann könnte es zu einem unkontrollierten Staatsbankrott und einem Euro-Austritt des Landes kommen. Griechische Banken stünden vor dem Bankrott, während internationale Kreditinstitute wohl mit noch höheren Abschreibungen oder Totalausfällen bei ihren Forderungen rechnen müssten.

Papandreou gerät wegen seines Kurses auch innenpolitisch zunehmend unter Druck. Die Mehrheit der regierenden Sozialisten im Parlament schmolz auf zwei Sitze. Außerdem wurden die Forderungen zur Bildung einer parteiübergreifenden "Regierung der nationalen Rettung" lauter. Für den Abend wurde ein Treffen des Ministerrats angesetzt.