Meine Damen und Herren, die Ereignisse überschlagen sich, die Verschuldungskrise in Europa verläuft foudroyant. Griechen, Portugiesen, Briten, aber auch Italiener und Franzosen verordnen sich radikale Spaßmaßnahmen, dennoch steigen die Risikoprämien (CDS Level) auf Staatsanleihen dieser Volkswirtschaften beängstigend, ebenso die europäischer Banken. Anbei eine beeindruckende Grafik aus einem Researchreport der Danske Bank. Die 5 Jahres Credit Spreads einiger Geldhäuser bewegen sich teilweise auf höheren Niveaus als 2008. Daran läßt sich ablesen, dass der Markt die Lage der Banken extrem kritisch einschätzt. Insofern kein Wunder, dass die Kurse des Bankensektors seit Juli bereits einbrechen. Und das in Europa und den USA.

Die Finanzkrise 2007/2008 wurde zunächst dadurch gelöst, dass durch die "Bailouts" das Risiko von den Banken auf die Staaten überging. Jetzt sehen sich letztere in Europa und den USA zum Sparen gezwungen und das Risiko kehrt wieder zu den Banken zurück. Die verheerenden Folgen der Lehman Insolvenz auf die Realwirtschaft sind noch allgegenwärtig. Können klamme Staaten ihren Banken überhaupt noch im Notfall zur Seite springen ? Ein Circulus vitiosus.

Es mehren sich Analystenstimmen, die abermals ein Übergreifen der Verschuldungskrise auf die Realwirtschaft befürchten. Der Status quo ist der, dass es bereits erhebliche Wachstumsverlangsamungen gibt. Gerade auch in den USA hat sich Obama nach langer Diskussion unter dem Druck der Republikaner dazu verpflichtet, in den kommenden Jahren sage und schreibe 2,4 Billionen $ einsparen zu wollen. Diesbzgl. gibt es keinen Weg zurück. Wenn doch, wäre dies der totale Gesichtsverlust des von den Republikanern kontrollierten US-Kongresses. Kostspielige Konjunkturprogramme sind demzufolge keine Option mehr.

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Werfen Sie einen Blick auf die folgende imposante Grafik. Veranschaulicht ist die Wirkung des von der US Notenbank FED initiiertem Quantitave Easing (QE) auf S&P 500 Index (blau) und die Zinsen der 10jährigen US Staatsanleihen (rot). Es ist gut zu erkennen, dass während des Easings, also während des Ankaufs von Staatsanleihen, der S&P 500 Index eine rallyartige Anstiegsphase ausbildete. Zeitgleich stiegen die Renditen der Staatsanleihen tendenziell an. Ein Ende der geldpolitischen Lockerung führte zu einem Ende der Aktienmarktrally; und die Renditen fielen wieder. Ende Juni dieses Jahres lief QE2.0 aus. Und siehe da, Anfang Juli startete der mehrwöchige Sell Off in DOW Jones, S&P 500 Index, DAX etc. Gut, wie geht es weiter ? Ist der Aktienmarkt ohne QE nicht "überlebensfähig" ? Wird es QE3.0 oder ein Äquivalent geben ? Am 20. September tagt der Offenmarktausschuß der US Notenbank. Dann wissen wir mehr. Bereits im Vorfeld wird Bernanke den einen oder anderen Vertreter vorschicken und medienwirksam das Thema diskutieren lassen. Angesichts schwacher Konjunkturdaten, anhaltend hoher Arbeitslosigkeit, schlechter US Hausmarktdaten stellt sich die Frage, ob QE3.0, wenn es denn kommen sollte, nochmals eine solche Strahlkraft auf die Aktienmärkte haben wird wie bei den ersten beiden Gängen.

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Quelle: d.short.com

Anbei von Jeffrey Gundlachs DoubleLine eine nicht minder eindrucksvolle Grafik. Sie veranschaulicht ebenfalls, - noch präziser -, die Reaktionen der Renditen der 10year US Treasury Notes auf Ankündigungen und Start von QE1.0 und QE2.0. Direkt mit dem Start begannen die Renditen stark anzusteigen. Ziemlich berechenbar. Kommt QE3.0, müßte man also einfach direkt mit dem Start massiv long auf Aktien und massiv short auf US Staatsanleihen gehen. (Steigende Renditen bedeuten nämlich fallende Staatsanleihen). Und wenn man weiß, dass die Staatsanleihen bei Start des QE Prozesses fallen, dann shortet man sie nun einmal.
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Quelle: DoubleLine

Ein harter Markt, ein nach wie vor unglaublich fragiler Markt. Ich habe das Gefühl, dass die Halbwertszeit meiner Prognosen drastisch sinkt. Kaum habe ich eine Einschätzung veröffentlicht, kippt der Markt wieder in einer Ebene in die Gegenrichtung.

Tag für Tag, Woche für Woche, Monat für Monat sichte ich die Marktdaten. Welche Sektoren sind stark, welche schwach ? Bleibt der US-Dollar schwach oder sehen wir ein US-Dollar-Revival, weil der Euro schwächer wird. Wer weiß, vielleicht muß die EZB den Leitzins früher als geplant wieder senken. Und wer weiß, vielleicht spitzt sich die Verschuldungskrise so zu, dass auch die EZB im großen Stil die Notenpresse anwirft wie die Amerikaner. Die aktuelle Situation ist die, dass ich nach wie vor (trotz toller Aussichten auf QE3.0 o.ä.) davon ausgehe, dass sich die Indizes DOW Jones, S&P 500 Index, DAX seit Juli /August 2011 in neuen Bärenmärkten bewegen. Seit einigen Wochen erholen sich insbesondere die US Indizes, allerdings bisher in instabilen Kursmustern. Es handelt sich um keine Bodenmuster! Trotz des angekündigten 5 Mrd $ Engagements Warren Buffets in Banc of America (BAC) imponiert der US Bankensektor durch enorme technische Schwäche. Es ist nachvollziehbar, dass sich US-amerikanische Banken nicht von ihren europäischen Pendants abkoppeln können.

Anbei meine nach wie vor (noch) aktuelle Prognose für die Indizes können Sie in der Finanzmarktanalyse vom 21.08.2011 nachlesen.

KW34: DAX,DowJones,Nasdaq100 - Sell Off war erst der Anfang - 21.08.11 22:00
Meine zuletzt veröffentlichte Einschätzung eines bevorstehenden US-Dollar Crashs könnte sich in dieser Woche zunächst (?) erledigen. Das Währungsverhältnis Euro gegenüber US-Dollar (EUR/USD) hätte laut Analyse über den allesentscheidenden Buy Trigger bei 1,4530 $ ansteigen müssen, um ein starkes Kaufsignal für den Euro auszulösen. Im Verlauf dieser Woche prallte der Kurs des Pairs hier aber nach unten ab. Auch fiel der US-Dollar Indexfuture nicht unter 73,51 Punkte ab. Das war die formulierte Bedingung für die Ausbildung eines großen Verkaufssignals für den US-Dollar. Durch die US-Dollaraufwertung im Verlauf dieser Woche, hat sich die Lage entschärft. Die Karten werden wieder neu gemischt. Es muß jetzt in die gegenteilige Richtung geblickt werden, ob das Pendel nicht sogar in die Gegenrichtung ausschlagen könnte. Euro und US-Dollar bewegen sich im Bereich eines Inflection Points. Dazu später mehr.

KW35: Bereiten Sie sich auf einen $-Crash vor - 28.08.11 17:45

Wie kommen eigentlich die Big Boys mit diesen extremen Marktverhältnissen zurecht ?

Der bekannte schweizer Vermögensverwalter und ehemals UBS Fondsmanager Felix Zulauf äußert sich zu den Märkten derzeit in einem WIWO Interview wie folgt: "Im Prinzip kann man in diesem Umfeld nur spekulieren oder versuchen, das Geld irgendwie zu sichern. Etwas anderes gibt es nicht mehr. Eine vernünftige Anlagepolitik, wie sie vor 15, 20, 25 Jahren noch möglich war, funktioniert heute nicht mehr. Wir leben in einem Umfeld, das hat es so in den letzten 70 Jahren nicht mehr gegeben." Der eine oder andere Anleger wird sich sagen "Gut, dass es nicht nur mir so geht".

John Paulson steht mit seinem Advantage fund in diesem Jahr bisher ca. 21% und mit dem Advantage fund plus ca. 31% im Verlust. Whitney Tilsons T2 Partners Hedgefunds hat es ebenfalls ordentlich zerrupft; seit Jahresanfang liegt er mit 21% im Minus. Ray Dalio hingegen, Chef des weltgrößten Hedgefunds Bridgewater, soll Medienberichten zufolge eine YTD Performance von zuletzt +30% haben. Sein Fonds soll zu dem Zeitpunkt stark gestiegen sein als Mitte dieses Jahres die Bankaktienkurse einbrachen; er dürfte short gewesen sein oder noch sein. Dan Loebs Hedgefunds Third Point weist seit Jahresbeginn eine Performance von 3,9% auf. Nicht schlecht angesichts der Kurskapriolen. Der volumenstarke Carmignac Patrimoine A Fonds des französischen Star-Vermögensverwalters Edouard Carmignac dürfte dem äußeren Erscheinungsbild zufolge ab Juni stark in Anleihen gegangen sein; mit dem Ende von QE2.0 war ein Wechsel in Bonds genau das Richtige. Der Fonds verliert seit Jahresanfang 1,98%. Der Carmignac Investissement Fonds verliert bis dato 9,14%.

Der kleine, aber feine GodmodeTrader.de Strategie I Fonds mit der WKN A0YE4Y weist seit Jahresanfang einen Verlust von 3,92 % auf. Das Volumen beträgt nach wie vor ca. 20 Mio. Euro. Im Juli 2010 startete der Fonds bei 100 Euro, aktuell notiert er bei 99,84 Euro. Ob ein Fonds eine Daseinsberechtigung hat, zeigt sich meist schon im ersten Jahr. Kann der Fonds das Kapital erhalten ? Kann er es vermehren ? Wie groß sind die Drawdowns ? Fragen über Fragen, die beobachtende professionelle Marktteilnehmer stellen. Das Fondsmanagement hat den Fokus stark auf Kapitalerhalt. Stichwort Risikomanagement, Stichwort Money Management. Gehandelt werden nach wie vor fast ausschließlich Setups, die ein komfortables Chance/Risiko Profil aufweisen, sprich es wird angesichts des volatilen, übergeordnet richtungssuchenden Marktumfelds mit sehr geringem Risiko gehandelt. Der Markt wird solange mit solchen Setups gehandelt bis (wie wir es aus der Vergangenheit gewohnt sind) einige Titel den Fondswert deutlich hochziehen.

Es lohnt sich dabei zu sein. Das Fondsmanagement wird zeigen, dass sich mit Geduld und Weitsicht bei striktem Risikomanagement eine angemessene Rendite erzielen läßt.

http://www.godmode-trader.de/fonds/blog

Herzlichst,
Ihr Harald Weygand