Allgeier Computer: blauäugiges Management

Und schon wieder muss ein Unternehmen von Neuen Markt nur ein Quartal nach dem Börsengang ihre Prognosen heftig revidieren. Die Allgeier Computer AG aus Bremen überraschte letzte Woche mit der Ankündigung, dass dieses Jahr statt der prognostizierten 19 Mio. EUR nur ein Umsatz von 9 Mio. EUR durch die Bücher gehen dürfte. Gleichzeitig werde Allgeier nach eigenen Angaben vermutlich an Stelle des erwarteten Gewinns von 3,1 Mio. EUR nun einen Verlust einfahren in Höhe von 2,55 Mio. EUR. Die haarsträubende Erklärung: Der Markt sei falsch eingeschätzt worden. Dieser Lapsus werde sich auch auf die beiden nachfolgenden Geschäftsjahren auswirken. So rechne die Gesellschaft für 2001 jetzt mit einem Umsatz von 12 statt 26 Mio. EUR. Die Prognose für das Geschäftsjahr 2002 hätten von 33,9 auf 15,5 Mio. EUR halbiert werden müssen. Und weil es gerade so schick ist, auf die New Economy einzudreschen, wird die Lage im eBusiness- und eCommerce-Bereich dafür verantwortlich gemacht. Hier seien fast keine Aufträge eingegangen, nachdem man 45% des Jahresumsatzes darüber erzielen wollte. Dabei war das Allgeier-Management ausserordentlich blauäugig vorgegangen. B2B-Shoplösungen wollte man selbst erstellen - just so, als ob man nie etwas von Intershop, Internolix, Openshop u.a. gehört hätte. Pech für die Aktionäre: Statt dessen verlangte der Markt Portal-Lösungen. Das alles stellte der Vorstand rund um Hubert Rohrer rund sechs Wochen nach den Halbjahresergebnissen fest. Von den rund 52 Mio. EUR, die dem Unternehmen beim Börsengang zuflossen, will man jetzt 20 Mio. EUR für Akquisitionen und eine Neuausrichtung nutzen. Gefaselt wird im Hause Allgeier jetzt von »integrierten Systemlösungen« und »Dokumenten Management Systemen«.

Unsere Meinung: Die Entwicklung bei Allgeier erinnert fatal an die Fehleinschätzungen bei update.com und Gigabell. Was mit letzteren passierte, ist seit kurzem klar: Vom ersten Tiefschlag konnte sich Gigabell letztendlich nicht mehr erholen. Angesichts der grossen Enttäuschung, des unsicheren Managements und der sehr unsicheren Aussichten bei Allgeier sollten sie trotz des zwischenzeitlichen erheblichen Kurssturzes weiter aussen vor bleiben - Finger weg.