Frankfurt (BoerseGo.de) - Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, hat die weltweite lockere Geldpolitik der Zentralbanken kritisiert. „Die Angst vor geringem Wachstum ist irrational groß geworden“, sagte der Volkswirt im Gespräch mit der „Welt am Sonntag“. Die Notenbanken verhielten sich so, als „befinden wir uns mitten in der Großen Depression, und feuern mit ihren allerschwersten Waffen“, so der Ökonom. Nachhaltiges Wachstum sei dadurch jedoch noch nicht wieder entstanden“, betonte Folkerts-Landau.

    Eine Inflation als Folge der Geldschwemme in den Märkten befürchtet der 63-jährige aber nicht. „Ich glaube nicht, dass wir bald hohe Inflationsraten sehen werden. „In der Tat hat das massive Wachstum der Geldmenge bisher nicht die wirtschaftliche Tätigkeit beschleunigt, aber auch nicht zu einem Ansteigen der Inflationsrate geführt. Die Überschussliquidität fließt in reale Vermögenswerte wie Immobilien und produziert dort zweistellige Inflationsraten und Blasen.

    Aber, so stellt Folkerts-Landau klar, führe die finanzielle Repression zu einer schleichenden Entwertung der Ersparnisse in Deutschland. „Das heißt, solange die Zinsen nahe bei null und damit deutlich unter der Teuerungsrate liegen, schrumpft die Kaufkraft der Ersparnisse. Dies hilft der Regierung erheblich, ihre Schuldenprobleme zu lösen, aber die Zeche zahlen die Sparer“.

    Die Geldmengen müssten wieder auf ein historisch normales Niveau gebracht werden, so der Deutsche Bank-Chefvolkswirt. Eine große Herausforderung: „Wenn Investoren beginnen, eine Verschärfung der Geldpolitik zu erwarten, könnte dies zu einem signifikanten und raschen Ausstieg aus riskanten Vermögenswerten und einem Heraufschnellen der Zinsen führen. Ein Anstieg des weltweiten Zinsniveaus würde es hoch verschuldeten Ländern wie Japan und den USA erschweren, ihre Schulden zu bedienen. Die Handlungsfähigkeit der Zentralbanken ist sicher beschädigt worden“, erläutert Folkerts-Landau.