Energie- und Bauunternehmen sorgten heute für Stärke am Industrieindex Dow Jones. Der Index konnte um 0.42% auf 10,623 Punkte steigen. Auch der S&P 500 legte kräftig zu und stieg um ein halbes Prozent auf 1,216 Stellen. Die Technologietitel am Nasdaq traten indessen trotz einer stärkeren Eröffnung auf der Stelle. Der weltgröße Technologie-Index stieg um 0,05% auf 2,090 Stellen.

Für gute Stimmung sorgte heute ein unerwartet starker Anstieg des Konsumklimaindex. Der von der Universität von Michigan ermittelte Index lag im Juni zuletzt bei 94.8, während lediglich ein Anstieg gegenüber dem März-Wert von 86.9 auf 88.8 erwartet wurde. Die Leistungsbilanz in den USA ist im ersten Quartal von minus $187,9 Milliarden im Vorquartal auf minus $195,1 Milliarden gestiegen. Volkswirte rechneten mit einem Ausweis von minus $189,4 Milliarden. Das Defizit der Leistungsbilanz ist das größte in der Geschichte der USA.

Die marktinternen Daten (Verhältnis Kursgewinner/Kursverlierer, Breadth) würden laut Ralph Acampora, dem technischen Analysten der US-Investmentbank Prudential Financial, die dem Markt zugrundeliegende Kaufstärke untermauern. Ein separater Index, der die Kaufkraft der Marktteilnehmer messe, liege nahe einem neuen Hoch. Besonders bei Small- und Midcaps sei das Kaufinteresse der Marktteilnehmer stark. Das Problem liege laut Acampora derzeit rein technisch betachtet bei den Energietiteln. So entwickle sich der Energiesektor stärker als der Technologiesektor. Sollte eine Aufwärtsbewegung nachhaltig sein, so müsse das Wachstumssegment wieder die Führungsrolle übernehmen.

Die Banc of America hat sich an der zweitgrößten chinesischen Bank beteiligt. Die Bank betrachtet ihre Investition von $3 Milliarden in die China Construction Bank als „strategische Option“. Mit der Investition erhalte man die Chance, über die Gründung von Joint Ventures oder die Unterstützung lokaler Projekte mehr über den chinesischen Markt zu lernen.

Laut dem Ölbericht der OPEC soll im vierten Quartal die weltweite Ölnachfrage bei durchschnittlich 85,91 Millionen Barrels pro Tag liegen. Die Mitglieder des Ölkartells sind daher aufgefordert ab dem vierten Quartal 30,6 Millionen Barrels pro Tag in den Markt zu pumpen, was die im vergangenen Monat erhobenen ursprünglichen Schätzungen um 100.000 übertrifft. Für das laufende Gesamtjahr sei mit einem Nachfrageanstieg von 2,2 Prozent zu rechnen. US-Leichtöl verteuerte sich heute an der NYMEX um $1.89 auf $58.47 und schreitet damit in großen Schritten gen $60.

Die US-Ölimporte stiegen im April um 170,000 Barrels pro Tag oder 1.7% auf 10.314 Millionen Barrels pro Tag. Kanada war der größte Anbieter mit 1.676 Millionen Barrels pro Tag, was einem Anstieg um 225,000 Barrels pro Tag gegenüber März entspricht. Mexiko wurde damit im April von Kanada verdränkt und war der zweitgrößte US-Belieferer für Rohöl mit 1.541 Millionen Barrels pro Tag.

Gold nimmt $500 ins Visier

Gold verteuerte sich heute um $2 auf $437.70 und erreicht damit den höchsten Wert seit sieben Wochen. Heute sorge ein Kursrückgang des Dollar gegenüber dem Euro und Spekulationen über ein baldiges Ende der Dollarstärke zusätzlich zu spekulativen Positionierungen in Gold für Preissteigerungen.

Die anhaltende Stärke des Dollar ist Analysten zufolge eher als Schwäche des Euro auszulegen. Viele Investoren scheuen vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen in Brüssel ein Investment in die Gemeinschaftswährung.

Somit gewinnt in einem unsicheren Umfeld an den Währungsmärkten Gold als Hedging-Werkzeug an Bedeutung. Das gelbe Edelmetall kann sich somit weiterhin von den Entwicklung an den Devisenmärkten akoppeln.

James Moore von dem US-amerikanischen Magazin „TheBullionDesk“ ist der Meinung, dass immer mehr Investoren realisieren würden, dass Gold, aber auch Rohstoffe und aus Rohstoffen gewonnene Produkte eine stabilere Ertragskurve generieren würden, als europäische und US-amerikanische Finanzprodukte.

Dale Doelling, leitender Charttechniker bei „Trends in Commodities“ sieht einen anhaltenden Aufwärtstrend bei Gold und einen Preis bis August 2005 von $500. „Die Preisentwicklung wird wohl in der Art zwei Schritte vor und einen halben Schritt zurück ablaufen“, sagte Doelling.

Die vergangene Woche an den Energiemärkten

Der Ölpreis löste sich in der letzten Woche aus seiner Konsolidierungsphase und überschritt das Hoch von Mitte April und den Abwärtstrend seit Mitte März. Die OPEC gestand sich ein, nicht immer in der Lage zu sein, den Ölpreis zu beeinflussen. Der Engpass liege bei den Raffinerien und somit außerhalb des Kontrollbereiches der OPEC. Rohöl selbst sei in ausreichendem Maße vorhanden und lieferbar. So beschloss die OPEC eine Förderanhebung um 500,000 Barrel pro Tag ab dem 1. Juli. Ein zweiter Schritt in diesem Umfange wurde angekündigt und soll abhängig von der tatsächlichen Nachfrageentwicklung unternommen werden. Das Öl-Kartell forderte die Industrieländer auf, in neue Raffineriekapazitäten zu investieren. Auch die USA stimmten sich in diesen Chor ein. Nach Meinung der US-Politiker sei nicht das Ölangebot, sondern vielmehr der Engpass bei den Raffinerien der Grund für die aktuell hohen Ölpreise.

Das interessante daran ist, dass laut der Energy Information Administration (EIA) die tägliche Destillat-Produktionsmenge bei 4.396 Millionen Barrel auf dem höchsten Niveau seit August 1982 liegt. Der Output bei unverbleitem Benzin liege auf einem 23-Jahreshoch. Die Raffinerien in den USA arbeiten aktuell laut dem American Petroleum Institute (API) mit einer Kapazitätsauslastung von 97.3%. Das ist der zweithöchste Wert seit fünf Jahren. Viel Luft bleibt also nicht mehr. Somit wird die jüngste Ölpreisrallye nicht durch eine tatsächliche Knappheit, sondern vielmehr durch die Angst vor einer kommenden Knappheit genährt.

In den USA steigen die Temperaturen unaufhaltsam. Im Süden der USA herrschen Temperaturen von über 35 Grad Celsius. In der neuen Woche soll die Hitze auch ins Zentrum der USA vordringen. Die Klimaanlagen werden nun bis zum Maximum aufgedreht, was die Energienachfrage deutlich anheben wird. Daten der US-Regierung für die Öl, Benzin- und Destillat-Nachfrage im Mai zeigten: Die US-Amerikaner lassen sich von den höheren Preisen nicht beeindrucken und konsumieren gar noch mehr als im letzten Jahr.

Die vergangene Woche an den Soft-Commodities-Märkten

Eine breite Aufwärtsbewegung gab es in der zurückliegenden Woche bei Getreide und Weichwaren. Bei Sojabohnen spielt zurzeit hauptsächlich das Wetter eine Rolle. Die Produzenten sitzen wie auf heißen Kohlen. Sollte die in den nächsten Tagen erwartete Hitzewelle in den USA nicht von anschließenden Regenfällen begleitet werden, so könnte dies das Erntevolumen mindern. Wenn aber Regen fällt, so könnten die Pflanzen die paar heißen Tage überstehen. Soja verteuerte sich in der letzten Woche um 6,9%.

Bei Mais spielt neben dem Wetter noch die positive Entwicklung der Nachfrage eine Rolle. So wird Japan nun überraschenderweise aus den USA kommende Maislieferungen akzeptieren, obwohl bei diesen nicht ausgeschlossen werden kann, dass diese mit dem Antibiotikum Bt-10 behandelt wurden. Mais verteuerte sich um 8,3%.

Bei Kakao spielt die unsichere Lage an der Elfenbeinküste den bullisch eingestellten Anlegern zu. Offenbar wollen sich die Rebellen nicht an den mit der Regierung geschlossenen Friedensvertrag halten. Die Erntemenge liegt bereits 11% unter dem Vorjahr, weil viele Farmer aus Sicherheitsgründen ihre Höfe verlassen haben. Auch der zweitgrößte Kakaoproduzent Ghana wird wetterbedingt rund 8% weniger produzieren als im Vorjahr. Deutlich steigende Preise erwarten wir jedoch vom aktuellen Niveau aus nur, wenn sich die politische Lage an der Elfenbeinküste weiter destabilisieren sollte.

Weizen verteuerte sich ebenfalls um rund 4%. Die Ernte in den USA läuft auf Hochtouren. Regenfälle in Australien sorgten zudem für eine Erleichterung bei den Produzenten, die schon Ernteausfälle aufgrund der Trockenheit in der jüngsten Vergangenheit befürchteten. Weizen bewegte sich in der letzten Woche zusammen mit den anderen Getreidearten und Weichwaren.

Der Preis für Baumwolle befindet sich weiterhin in einem etablierten Abwärtstrend. Zwar ist die weltweite Nachfrage nach Baumwolle, besonders aus China, anhaltend hoch. Die Erwartung einer hohen Ernteausbringungsmenge und Erntequalität bei Baumwolle kann dieses Argument der Bullen jedoch entkräften. Die Qualität der Pflanzen ist in diesem Jahr besser als im 15-Jahresschnitt. Ein Textilabkommen zwischen der EU und China sorgte indessen für eine Verfestigung der Nachfrageerwartungen aus China. Sollte ein ähnliches Abkommen zwischen China und den USA getroffen werden können, wäre dies ein weiteres Argument für die Baumwolle-Bullen am Markt.

Die vergangene Woche bei Industrie- und Edelmetallen

Peking will offenbar die angeheizte Situation in der inländischen Aluminiumindustrie – der größten weltweit - abkühlen. So plant Peking die Abschaffung von zollfreien Importen für Alumina. Diese Importsubventionen decken derzeit 30% der Alumina-Importe ab und ermöglichen die zollfreie Einfuhr, wenn das Fertigprodukt Aluminium anschließend wieder exportiert wird. Nach Einschätzung der Schmelzereien wird dies die Alumina-Nachfrage Chinas auf dem Weltmarkt bremsen. Vier Fünftel der Aluminiumschmelzereien in China waren im ersten Quartal defizitär, da die Preise für Alumina deutlich stiegen, während die Aluminiumpreise fielen. Insgesamt gibt es in China rund 100 Schmelzereien. China frägt auf dem Weltmarkt 50% der Alumina nach. Die Herstellung von Aluminium aus Aluminiumoxid ist sehr energieaufwändig. Zwei Tonnen Alumina sind für die Herstellung einer Tonne Aluminium nötig. Nebst Aluminiumoxid sammeln chinesische Produzenten auch weltweit Metallschrott auf, um Aluminium zu extrahieren. Dieses Recycling benötigt nur 5% der Energie, die bei der Aluherstellung aus Oxid benötigt wird. Peking will die Abhängigkeit der Aluminiumindustrie von Aluminaimporten mindern.

Gleich in der chinesischen Nachbarschaft gab es ebenfalls Neuigkeiten. So konnte sich der südkoreanische Stahlhersteller Posco, der fünftgrößte weltweit, mit der indischen Regierung über die Erschließung einer Eisenerzmine in der indischen Region Orissa einigen. Damit sind die Südkoreaner die ersten Ausländer in der eisenerzreichsten Region Indiens. Posco verhandelt mit Indien bereits seit 11 Monaten. Der Deal drohte zu scheitern, als Posco forderte, rund 40% des geförderten Eisenerzes exportieren zu wollen. Wie wir bereits berichteten, ist Indien sehr bedacht darauf, dass nicht zuviele Rohstoffe aus dem eigenen Land wandern. Nun darf Posco maximal 30% des Förderungen exportieren, der Rest muss an inländische Abnehmer geliefert werden. Posco wird $12 Milliarden in Indien investieren. Zudem sollen in den nächsten 10 Jahren Infrastruktur in Orissa für $150 Milliarden – finanziert primär durch ausländische Investoren - entstehen. Kupfer stieg indessen auf ein Rekordhoch. Unter anderem die Schließung zweier Minen in Südamerika – eine Schließung aufgrund eines Erdbebens und eine aufgrund eines Streiks - sorgen zusammen mit dem allgemeinen Aufwärtstrend bei Metallen für Kaufstimmung. Gold und Silber überschritten in der vergangenen Woche die technisch wichtige 100-Tage-Durchschnittslinie. Die beiden Edelmetalle können sich damit weiterhin von der Entwicklung des Dollar abkoppeln.

Auch Platin konnte in der zurückliegenden Woche weiter zulegen. Es scheint weiterhin eine Korrelation zwischen dem Energiekomplex und den Metallen vorzuherrschen.