Der Außenwert des US-Dollars notiert im Vorfeld der Verlautbarung zum weiteren geldpolitischen Kurs der US-Notenbank am möglichen Ende einer steilen Abwärtsbewegung. Seit April diente eine fallende Trendlinie (siehe Chart) als Unterstützungsbereich. Davon ausgehend kam es jedes Mal zu dynamischen Aufwertungen des US-Dollars im Außenwert (US-Dollar-Index).

    Die vom amerikanischen Arbeitsministerium gemessene Verbraucherpreisinflation schwächte sich in den zwölf Monaten zum April auf +0,7% ab. Damit bleibt der Ist-Zustand der Preisstabilität unter dem Soll-Ziel des Offenmarktausschusses der Fed (+2%) zurück. Starke Dynamik in der Preisinflation ist nicht zu erwarten. Die Urlaubszeit beginnt in den USA und die gefahrenen Meilen auf den Straßen nehmen saisonal entsprechend zu - die Benzinpreise verharren aber weiterhin unter dem kritischen Preis von vier USD pro Gallone. Brent Crude Oil, der von der OPEC als weltweite Referenz betrachtete Ölpreis, bildet im Widerstand bei 105,94 USD/Barrel ein Kerzenmuster aus, das einen Hochpunkt ankündigt. Ein Rückgang bis 102 oder 100 USD/Barrel droht:

    Die rückläufige Inflationsrate dürfte die US-Notenbank dazu ermahnen, sich behutsam aus den Programmen zur geldpolitischen Lockerung zurückzuziehen. In Notenbank-Kreisen spricht man in diesem Zusammenhang nicht mehr von einem Exit, sondern von "tapering off" - was übersetzt so viel bedeutet wie "auslaufen lassen." Das ist ein Hinweis, dass der Rückzug aus den QE-Programmen eine lange Zeitperiode in Anspruch nehmen dürfte.

    Die Märkte dürften die sich verändernden Wahrscheinlichkeiten aber genauestens taxieren und frühzeitig vorwegnehmen. Wir betrachten die bereits öffentlich geführte verbale Debatte um das "tapering off" der QE-Programme bereits als Teil des QE-Exit. Konkrete Exit-Ankündigungen erwarten wir im vierten Quartal oder spätestens im Frühjahr 2014. Im schlechtesten Fall ist also weniger als ein halbes Jahr Zeit, bis die US-Notenbank konkrete Verlautbarungen in Richtung des QE-Exit durchführen wird. Dies könnte zu neuen Verkäufen bei Gold führen. Im Vorfeld der morgigen Verlautbarung der Fed um 20:00 Uhr MEZ bricht Gold einen kurzfristigen Aufwärtstrendkanal innerhalb eines übergeordneten Abwärtstrendkanals. Bis zur Verlaufbarung der Fed könnte Gold bis auf 1350 USD/Unze gefallen sein:

    Frohe Kunde für Gold-Bären verbreitet der Stand des australischen Dollars. Er gilt als Frühindikator für die Goldpreisentwicklung. Nach einer dynamischen Bärenmarktrallye in der vergangenen Woche kennt der AUD in dieser Woche nur noch die Richtung nach unten:

    US-Präsident Obama sagte gestern in der Talkshow bei Charlie Rose, dass Bernanke bereits "länger als er ursprünglich wollte" Chairman der Federal Reserve gewesen sei. Das wird als bislang klarstes Signal dahingehend gedeutet, dass Bernanke keine dritte Amtszeit als Chairman der Fed antreten wird, wenn seine zweite Amtszeit Ende Januar 2014 auslaufen wird. Bernanke, dessen Geldpolitik auf beiden Seiten des politischen Kaders in Washington und auch in akademischen Kreisen seit geraumer Zeit gelobt wird, sagte selbst vor kurzem, dass er nicht denke, der einzige zu sein, der den QE-Exit der US-Notenbank verwalten und durchführen könne.

    Eine am 14. Mai von Bloomberg weltweit unter Investoren durchgeführte Umfrage zeigte, dass die Mehrheit einen Rücktritt Bernankes erwartet. Auf die Frage, wer als Nachfolger erwartet wird, nannten 26% Janet Yellen, 11% den jetzigen US-Finanzminister Timothy Geithner, 7% den israelischen Zentralbank-Gouverneur und Bernanke-Mentor Stanley Fischer, 6% den ehemaligen US-Finanzminister Lawrence Summers und 3% Fed Vice Chairman Roger Ferguson.

    Fazit

    Im Vorfeld des morgigen Termins (Verlautbarung um 20 Uhr MEZ, Pressekonferenz mit Ben Bernanke um 20:30 Uhr MEZ) hat der US-Dollar das Potenzial einer dynamischen Aufwertung, während Rohstoffe und Gold aus charttechnischer Sicht in eine Korrektur übergehen könnten. Insgesamt gilt es - wenngleich ihre Ernennung noch Bernankes Rücktritt alles andere als sicher ist - in den kommenden Wochen verstärkt auf die geldpolitischen Kommentare von Janet Yellen zu achten, um ein genaueres Bild davon erlangen zu können, wie eine Geldpolitik in den USA 2014 aussehen könnte.