Ein Zertifikat ist ein Derivat, mit dem Anleger an der Kursentwicklung eines Basiswerts teilhaben können. Zertifkate können auf Aktien, Indizes, Währungen oder Rohstoffe aufgelegt werden. Zertifkate lassen sich grundsätzlich in Anlage- und Hebelzertifikate unterteilen:

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1. Anlagezertifikate

Das Universum der Anlagezertifikate ist vielfältig und bietet für Trader und Investoren diverse Möglichkeiten. Nicht jedes Produkt ist für jede Markterwartung geeignet, ebenso bieten sich aber auch bei unterschiedlichen Marktlagen Anlagezertifikate an, die gegenüber der herkömmlichen Direktanlage deutliche Vorteile für den Investor bieten.

Hier erfahren Sie, wie die unterschiedlichen Anlagezertifikate-Typen funktionieren und wie sie sinnvoll eingesetzt werden können. Dabei geht es um das Funktionsprinzip des jeweiligen Anlagezertifikates, um die Entwicklung im Bezug zum Basiswert und auch darum, was beim Einsatz der Anlagezertifikate beachtet werden muss. Um den Überblick zu vereinfachen, sind die Anlagezertifikate in die folgenden Kategorien unterteilt:

Bonuszertifikate

Die Bonuszertifikate bieten dem Anleger eine vollständige Partizipation an der Kursentwicklung des Basiswertes nach oben und sind aufgrund der mehrjährigen Laufzeiten besonders für Investoren interessant. Gegenüber einem Direktinvestment im Basiswert kann der Investor hier aber auch bei leicht fallendem Markt oder einer Seitwärtsbewegung eine positive Rendite erzielen. Nur bei stark fallenden Notierungen sind mit einem Bonuszertifikat Kursverluste möglich.

Discountzertifikate

Ein Discountzertifikat bietet im Grunde einen Rabatt auf den aktuellen Kurs des Basiswertes. Somit wird das Verlustrisiko der Anlage zum Laufzeitende gegenüber einem Direktinvestment verringert. Eine ansprechende Rendite lässt sich mit dem Discountzertifikat dann auch im Seitwärtsmarkt oder bei nur leicht fallenden Notierungen des Basiswertes erzielen. Nur im Falle eines starken Kursanstiegs im Basiswert wird die Gewinnmöglichkeit nach oben begrenzt.

Sprintzertifikate

Um an moderaten Aufwärtsbewegungen zu partizipieren, bieten sich Sprintzertifikate an. Diese bilden klar die bessere Alternative zum Direktinvestment. Bei gegenüber dem Basiswert gleichem Risiko sind hier die Renditechancen deutlich erhöht. Innerhalb einer gegebenen Kursspanne profitiert das Sprintzertifikat doppelt von steigenden Notierungen, dafür kann bei stark steigenden Notierungen nach oben hin nicht unbegrenzt partizipiert werden.

Outperformance-Zertifikate

Wie die Sprintzertifikate bieten die Outperformance-Zertifikate eine bessere Alternative zum Direktinvestment. Die Risiken entsprechen denen eines Investments im Basiswert, dafür kann bei einem Kursanstieg in höherem Maße partizipiert werden. Die Partizipationsrate ist im Allgemeinen geringer als bei einem Sprintzertifikat, dafür sind die Gewinnmöglichkeiten nach oben hin unbegrenzt. Outperformance-Zertifikate bieten sich entsprechend auch bei Erwartung stark steigender Notierungen an.

Aktienanleihen

Wie bei klassischen Anleihen bietet die Aktienanleihe ebenfalls eine feste Zinszahlung entsprechend des begebenen Kupons. Diese kann der Investor garantiert vereinnahmen. Die Rückzahlung zum vollen Nominalwert ist allerdings nicht garantiert und hängt von der Entwicklung des Basiswertes ab. Fällt dieser stark, können die Gewinne durch die Zinszahlung gemindert werden oder diese sogar übertreffen. Aktienanleihen bietet sich daher vor allem bei Seitwärtsmärkten oder der Erwartung zumindest nicht stark fallender Notierungen an.

Garantiezertifkate

Garantiezertifikate gibt es in den unterschiedlichsten Varianten, ebenso Variantenreich ist die Namensgebung. Was die Garantiezertifikate aber gemeinsam haben, ist eine Garantierte Rückzahlung des Kapitals am Laufzeitende, unabhängig davon, wie sich der Basiswert entwickelt. An Kurssteigerungen partizipiert der Anleger dafür aber nicht so stark wie bei einem Direktinvestment. Die Form der Partizipation an der Entwicklung des Basiswertes kann je nach Zertifikat sehr unterschiedlich ausfallen.

Index- und Basketzertifikate

Eine einfache Möglichkeit, direkt an der Entwicklung eines bestimmten Index teilzuhaben, bieten die Indexzertifikate. Diese entwickeln sich unbegrenzt 1:1 mit dem Basiswert und bieten die gleichen Chancen und Risiken. Für den Investor eine Möglichkeit, mit bereits geringerem Kapitaleinsatz das Portfolio zu streuen, bieten neben den Indexzertifikaten auch die Basketzertifikate. Auch hier kommt es zu einer 1:1 Partizipation. Bei der Zusammenstellung der Basketzertifikate sind kaum Grenzen gesetzt, so dass darüber beispielsweise auch an der Entwicklung eines Korbes aus Edelmetallen oder Softcommodities partizipiert werden kann.

2. Hebelzertifikate (Knock-Out-Produkte)

Für Knock-Out Produkte sind die Bezeichnungen der Emittenten vielfältig. Das Grundprinzip ist aber bei diesen Turbo-Optionsscheinen, Hebelzertifikaten oder Knock-Out Produkten nahezu identisch.

Die Einführung dieser Tradingvehikel kam einer Revolution gleich. Wurde doch der Futureshandel mit seinen wesentlichen Vorteilen als verbrieftes Zertifikat dem Retailinvestor (Kleinanleger) zugänglich gemacht. Zum Erfolg dieser Produktklasse hat neben den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten die transparente, leicht nachvollziehbare Preisung beigetragen. Aus einem bestehenden Wertpapierdepot Zugang zu allen großen Finanzmärkten, die Möglichkeit an fallenden und steigenden Kursen gleichermaßen zu partizipieren und durch den Hebel die Möglichkeit überproportional an Kursbewegungen zu profitieren, das sind die zentralen Vorteile dieser Produktklasse.

Vorteile und Möglichkeiten

  • Leichte Handhabung. Ein Hebelzertifikat hat wie eine deutsche Aktie eine Wertpapierkennnummer (WKN). Es wird wie eine Aktie gekauft und verkauft.
  • Handel über ein bestehendes, gewöhnliches Wertpapierdepot. Es muß kein neues zusätzliches Konto eröffnet werden, wie es für den Handel von Futures, Devisen oder CFDs erforderlich ist. Gehandelt werden Hebelzertifikate wie Aktien an Kassabörsen. Und damit nicht an Terminbörsen. Viele Onlinebroker bieten den Direkthandel mit dem Emittenten an, so dass die Börsengebühren eingespart werden können.
  • Profitieren an steigenden und fallenden Kursen gleichermaßen. Long und short. Mit Hebelzertifikaten läßt sich überproportional an steigenden Kursen eines Basiswerts profitieren und mit Hebelzertifikaten läßt sich überproportional an fallenden Kursen eines Basiswerts profitieren. Gerade Letzteres war zum Zeitpunkt der Einführung dieses Produkts ein Novum für Kleinanleger.
  • Hebelwirkung. Mit einem Hebelzertifikat läßt sich an der Kursbewegung eines Basiswerts, beispielsweise einer Aktie, überproportional profitieren. Ein gehebeltes Bullzertifikat mit einem Hebel von 20 steigt das Zwanzigfache des Anstiegs des zu Grunde liegenden Basiswerts. Die Möglichkeit überproportional profitieren zu können, birgt allerdings auch das Risiko überproportional zu verlieren. Bewegt sich der Kurs des Basiswerts entgegen der erwarteten Kursverlaufsrichtung, werden selbstverständlich auch die Verluste gehebelt.
  • Hebelzertifikate ermöglichen den Zugang zu allen großen Finanzmärkten. Es gibt Hebelzertifikate auf Aktien, Indizes, Devisen, Rohstoffe, Zinsen. Jeder Kleinanleger hat also über sein bereits bestehendes Depot die Möglichkeit, in den aufgezählten Märkten aktiv zu handeln.
  • Transparente, leicht nachvollziehbare Preisung. Die Preisbildung der Hebelzertifikate ist nicht wie bei Optionsscheinen von zusätzlichen Einflußgrößen wie Volatilität und Zeitwertverlust abhängig. Tendenziell bewegen sie diese Produkte linear mit dem Basiswert, auf den sie emittiert werden.
  • Transaktionsgebühren. Der Käufer des Hebelzertifikats trägt die Finanzierungskosten, die dem Emittenten durch das Eingehen der Absicherungsposition entstehen. Diese werden entweder als geringer Aufschlag auf den Kurs des Hebelzertifikats aufgeschlagen oder durch eine tägliche geringfügige Anpassung. Darüber hinaus kommt es bei einem Hebelzertifikat zu einem vergleichsweise höheren Spread, der Spanne zwischen Ankaufskurs und Verkaufskurs, gegenüber einem Investment im Basiswert. Der Handel der direkt zu Grunde liegenden Märkte, beispielsweise Futures und Devisen, ist gegenüber dem Handel der Hebelzertifikate effizienter, kostensparender und schneller.
  • Schnelle Orderausführung. In der Regel werden Orders auf liquide Basiswerte nahezu in Realtime ausgeführt. Emittenten setzen die Orders an den zu Grunde liegenden Märkten um. Sprich, sie hedgen sich ab. Bei illiquiden Märkten oder in bestimmten Marktphasen auch an vergleichsweise liquiden Märkten wie beispielsweise dem DAX (Future) kann es deshalb gelegentlich zu Verzögerungen der Orderausführung kommen. Es gibt aber auch Sondersituationen, - beispielsweise im Vorfeld wichtiger, stark kursbeeinflussender Nachrichten - , in denen Emittenten bewußt phasenweise den Slot schließen, obwohl die zu Grunde liegenden Märkte weiterlaufen. Der Grund hierfür ist der, dass viele Emittenten in solchen Sondersituationen das Risiko eines kurz bevorstehenden Gaps, nicht tragen wollen. Die Geschwindigkeit der Orderausführung ist nicht vergleichbar mit der beim Handel von Futures, Devisen oder Aktien via Direct Access. Ganz einfach deswegen, weil beim Handel von Hebelzertifikaten Broker und Emittent bis zur tatsächlichen Umsetzung der Order am Markt zwischengeschaltet sind.
  • Die neueren Hebelzertifikate haben "Open end" Charakter. Sie weisen also eine unbegrenzte Laufzeit auf. Wenn Sie mögen, können Sie also auf eine Aktie mit einem Hebelzertifikat mittelfristig investiert sein und beispielweise eine mittelfristige Aufwärtsbewegung gehebelt mitnehmen. Zu beachten, sind die leicht unterschiedlichen Finanzierungsmodi der unterschiedlichen Hebelzertifikatetypen.
  • Gegenüber dem direkten Futureshandel ist das Risiko auf den Totalverlust des Kapitals beschränkt, mit dem das Hebelzertifikat gekauft wird. Einen weitergehender Verlust mit daraus resultierender Nachschußpflicht, wie es beim Handel mit Futures oder CFDs möglich ist, gibt es bei Hebelzertifikaten nicht.

Das Prinzip eines Hebelproduktes ähnelt dem eines Futures-Kontraktes an den Terminbörsen. Mit dem Unterschied, dass es hier nicht zu Marginforderungen kommt, das Risiko auf den Totalverlust begrenzt ist und durch entsprechende Bezugsverhältnisse der Produkte eine geringere Stückelung möglich ist. Dies würde auch auf Optionsscheine zutreffen. Im Gegensatz zu diesen spielen bei einem Knock-Out Produkt aber die Restlaufzeit und der Einfluss der Volatilität nur eine untergeordnete Rolle. Tendenziell bewegen sie diese Produkte linear mit dem Basiswert auf den sie emittiert werden. Diese Bewegung wird für den Käufer des Knock-Out Produktes um einen bestimmten Faktor, den Hebel, nach oben wie auch nach unten verstärkt.