Die Zuckerpreise in den USA geraten seit Wochenbeginn stark unter Druck. Das Minus seit Montag beträgt 10% - und tatsächlich drohen charttechnisch weitere Abgaben bis in den Unterstützungsbereich bei 11,20 US-Cents gegenüber aktuell 12,65 US-Cents.

    Der Preisrutsch des Rohstoffs begann Anfang Juli, als sich mehr und mehr eine deutliche Produktionserhöhung in Indien, Thailand, China, Russland und Brasilien abzeichnete. War die Industrie zum Jahresbeginn noch besorgt darüber, dass es zu einer deutlichen Verknappung bei Zucker kommen könnte, so wird heute im Wirtschaftsjahr 2005/06 ein weltweiter Überschuss von 3 Millionen Tonnen erwartet.

    Bei einem Jahresverbrauch von geschätzten 149,9 Millionen Tonnen scheint dieser Überschuss jedoch relativ gering, gerade weil die Nachfrage der Ethanolindustrie kurzfristig wieder steigen könnte. Denn die brasilianische Regierung entschied sich am Anfang des Jahres angesichts einer drohenden Verknappung von Zucker, Benzin nicht mehr wie bisher zu 25% sondern nur noch 20% mit Ethanol zu versetzen. Da nun die Zuckerpreise deutlich gefallen sind und sich die Versorgungslage gebessert hat, könnte Brasilien geneigt sein, diesen Schritt wieder umzukehren, was sich stützend auf den Zuckerpreis auswirken würde.

    Die niedrigen Weltmarktpreise für Zucker könnten außerdem Zuckerverarbeiter und -Raffinierer dazu bewegen, ihre Lager aufzufüllen, anstatt ihre Produktion direkt zu den geringen Preisen zu verkaufen. Aufgrund der Subventionspolitik könnte sich daher primär das indische Exportangebot in den nächsten Wochen verringern. Die Wahrscheinlichkeit von Ernteeinbußen in Brasilien steigt durch die hohen Temperaturen im Zentrum des Landes weiter an. Nach dem Kursrutsch, der die technischen Indikatoren in überverkaufte Niveaus bewegt hat, könnte sich der Zuckerpreis also im Bereich von 11-12 US-cents stabilisieren.