Liebe Leserinnen und Leser,

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womit konnte man in den vergangenen Jahren eine Überrendite am Aktienmarkt erzielen? Die Antwort ist relativ einfach: Man musste einfach die Gewinneraktien der Vergangenheit kaufen. Das zeigt ein Vergleich sogenannter Faktor-ETFs des Anbieters iShares für die weltweiten Aktienmärkte der Industrieländer. Wer einfach passiv in den ETF auf den MSCI World ("Gesamtmarkt") investierte, konnte sich seit Anfang 2015 über ein Plus von rund 70,9 Prozent bzw. 11,0 Prozent pro Jahr freuen. Der Momentum-ETF von iShares, der systematisch in Aktien aus dem MSCI World investiert, die auf Sicht der vorherigen sechs und 12 Monate eine besonders gute Performance hatten, brachte es hingegen auf ein Plus von 99,3 Prozent, was einer jährlichen Rendite von 14,4 Prozent bzw. einer jährlichen Überrendite von 3,4 Prozent gegenüber dem Gesamtmarkt entsprach. Damit war der Momentum-Ansatz, bei dem man einfach auf die Gewinneraktien der Vergangenheit setzt, seit Anfang 2015 das am besten funktionierende "Rezept" für eine Überrendite am Aktienmarkt.

Andere "Faktoren", mit denen eine Überrendite ermöglicht werden soll, funktionierten weitaus schlechter. Schlechter als der MSCI World schnitt insbesondere der Value-Faktor ab, bei dem fundamental günstig bewertete Aktien gekauft werden. Der Value-Faktor liefert tatsächlich bereits der Finanzkrise keine Überrendite gegenüber dem Gesamtmarkt mehr, jedenfalls dann nicht, wenn er (wie in den MSCI-World-Indizes) anhand fixer Kennzahlen wie dem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) oder dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) definiert wird und dabei andere Einflussfaktoren auf die Bewertung wie das Gewinnwachstum außer Acht gelassen werden.

Ob der Value-Faktor nach der langen Unterperformance vor einer Renaissance steht, ist umstritten. Viele Anhänger des Value-Investings rechnen fest damit und verweisen auf frühere Perioden wie die Zeit rund um die Internetblase zu Beginn des Jahrtausends, als mit Value-Aktien ebenfalls "kein Blumentopf" zu gewinnen war. Nach dem Platzen der Blase standen Value-Anleger aber schnell wieder besser da als der Rest der Anleger, die gehypte Internetaktien in ihren Depots hatten. Auf Sicht der vergangenen fünf Jahre steht das Ergebnis aber fest: Es war viel lohnender, einfach in Gewinneraktien der jüngeren Vergangenheit zu investieren, als Aktien anhand fundamentaler Kennzahlen wie KBV oder KGV auszuwählen.

Viel Spaß bei der Lektüre und viel Erfolg bei Ihren Anlageentscheidungen!

Ihr Oliver Baron

Hinweis: Eine ausführlichere Version dieses Artikels mit Grafiken finden Sie hier!

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