Liebe Leserinnen und Leser,

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manchmal bin ich schon überrascht, was Analystenkollegen so von sich geben. Auf das britische Wahlergebnis reagierten die meisten Analysten relativ eindeutig: Es handelt sich bei dem Ergebnis um das schlechteste aller Ergebnisse für die Börse. Wieso das so ist, wird nicht ganz klar. Zwar wird daraufhin gewiesen, dass in Großbritannien nun eine Hängepartie droht, doch der Markt sieht das aber anders.

Ohne klare Mehrheit kann May nun eine Minderheitsregierung führen oder eine Koalition eingehen. Vermutlich läuft es auf ersteres hinaus. Wieso das oder auch die Alternative (Koalition) quasi als Super-GAU geschrieben wird, bleibt mir persönlich verborgen.

Trotzdem fragt man sich, was da gerade eigentlich an der Börse vorgeht. Die Historie seit Mitte 2016 ließt sich so:

- Brexit-Referendum: Panikartige Verkäufe, dann panikartige Käufe auf neue Allzeithochs
- US-Wahl: Vorbörslich ein Minus, praktisch dick im Plus geschlossen
- Italien-Refernedum: War da was?
- Wahl in den Niederlanden: Wen kümmert’s?
- Frankreich Wahl: Kaufen
- Arabische Halbinsel in der Krise: Kaufen
- EZB deutet vorsichtig Ende der ultralockeren Geldpolitik an: Kaufen
- Trump ist ein Lügner: Kaufen
- Großbritannien im Schlingerkurs: Kaufen

Mit anderen Worten: Egal, was gerade geschieht, Anleger kaufen. Das erinnert schon stark an die letzte Phase eines Bullenmarktes. Das klassische Sentiment ist nicht euphorisch. Normalerweise ist das ein starkes Signal. Doch wenn Anleger auch ohne Euphorie blind kaufen, ist das um keinen Deut besser.

Kurzfristig sehe ich nach wie vor kein Ungemach für die Märkte. Ich bleibe wie seit dem Brexit-Referendum bullisch. Es wird für mich jedoch immer deutlicher, dass wir uns in der letzten Phase des Bullenmarktes befinden. Wie lange sich diese Phase hinzieht, weiß man aber erst hinterher, es kann aber durchaus ein halbes oder ein Jahr dauern. Ich kann mir vorstellen, dass noch 2017 irgendwann Schluss mit lustig ist.

Ihr Clemens Schmale

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